Der tschechische Präsidentschaftskandidat Jiri Drahos. | Bildquelle: dpa

Präsidentschaftswahl in Tschechien Schafft es der Professor ins Amt?

Stand: 26.01.2018 05:45 Uhr

Tschechien muss sich für einen neuen Präsidenten entscheiden. Mit Amtsinhaber Zeman und dem EU-Befürworter Drahos stehen sich Populismus und moderater Politikwechsel gegenüber. Heute und morgen müssen sich die Bürger entscheiden.

Von Peter Lange, ARD-Studio Prag

Vor ein paar Monaten war er noch der unbekannte Chemieprofessor aus Prag. Und nun wird er zuweilen gefeiert wie ein Popstar: Jiri Drahos, der Herausforderer des amtierenden Präsidenten Milos Zeman.

Bei einer Wahlkampfveranstaltung wird Drahos gefragt ob er ebenfalls ein Motto habe wie der verstorbene tschechische Politiker und Menschenrechtler Vaclav Havel: "Wahrheit und Liebe siegen über Lüge und Hass"? Drahos antwortet: "Keine Angst haben, nicht lügen und sich vor niemandem beugen."

So interessant wie destilliertes Wasser

Bis vor Kurzem wurde Drahos nachgesagt, er sei so interessant wie destilliertes Wasser. Nun ist er plötzlich ein Hoffnungsträger Anti-Populisten, besonders für die jungen Leute. Ähnlich wie der Oppositionsführer Jeremy Corbyn in Großbritannien und der US-Demokrat Bernie Sanders in den USA.

Zeman gegen Drahos - das ist inzwischen auch ein Kampf um die Richtung, die die tschechische Gesellschaft in den nächsten Jahren einschlagen wird.

"Ich werde Zeman wählen", sagt ein Verkäufer, 59 Jahre alt. Es gefalle ihm, dass der Amtsinhaber "Sinn für Humor" habe. Er sei "ein richtiger Tscheche, der als einziger tatsächlich unsere nationalen Interessen verteidigt".

Die 27-jährige Studentin Daniela hingegen will Drahos ihre Stimme geben: "Er ist anständig, gebildet und elegant. Und er spricht vollkommen anders als unser jetziger Präsident, Milos Zeman."

Alles deutet auf eine knappe Entscheidung

Es sieht nach eine Abstimmung der Jungen gegen die Älteren aus, Stadt gegen Land, Gebildete gegen weniger Gebildete. Zeman kann auf die Unterstützung von Teilen der Sozialdemokraten und der ANO-Partei rechnen. Auch die Stimmen der Kommunisten hat er sicher und die der rechtsradikalen SPD. "Der Präsident der tschechischen Republik muss ein Patriot sein, der die Demontage der Souveränität und die Islamisierung unseres Landes ablehnt", sagt SPD-Chef Tomio Okamura.

Das Mitte-Rechts-Lager steht hinter Drahos. Fünf der im ersten Wahlgang unterlegenen Kandidaten haben dazu aufgerufen, in der Stichwahl den Herausforderer zu wählen. In den aktuellsten Umfragen liegt mal Zeman knapp vorn, mal Drahos. Letztlich hängt alles an den rund zehn Prozent der Wähler, die sich noch nicht festgelegt haben. Es dürfte sehr knapp ausgehen.

Stichwahl um Präsidentschaft in Tschechien
Peter Lange, ARD Prag
25.01.2018 23:28 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichteten am 26. Januar 2018 Deutschlandfunk um 05:27 Uhr und die tagesschau um 05:30 Uhr.

Darstellung: