Tschechiens Ministerpräsident Andrej Babis | Bildquelle: REUTERS

Tschechiens Ministerpräsident "Storchennest"-Affäre holt Babis ein

Stand: 13.11.2018 16:35 Uhr

Tschechiens Ministerpräsident Babis soll für sein Wellness-Resort "Storchennest" zu Unrecht Millionen EU-Gelder eingestrichen haben. Sein Sohn könnte ihn jetzt in Bedrängnis bringen.

Von Peter Lange, ARD-Studio Prag

Das Reporterteam steht vor der Wohnungstür und Andrej Babis junior im halbdunklen Flur. Eigentlich will er nichts sagen, aber dann antwortet er doch auf die Fragen der Investigativ-Journalistin Sabina Slonkova. Es geht um einen Mitarbeiter seines Vaters.

"Er ist mit Ihnen in die Ukraine und später nach Bratislava gefahren?", will Slonkova wissen. "Ich denke, das war keine Idee meines Vaters. Dass er mich auf die Krim gebracht hat, war seine Idee", antwortete Babis junior. Warum er mit ihm dorthin gefahren sei? "Mein Vater wollte, dass ich verschwinde." Warum er wollte, dass er verschwindet, will die Journalistin wissen. Wegen der Untersuchung der Affäre "Storchennest"? "Wegen dieser Untersuchung", bestätigt der Sohn des tschechischen Ministerpräsidenten.

"Entweder Psychiatrie oder Urlaub"

Zwei Jahre war Andrej Babis junior von der Bildfläche verschwunden. Sechs Monate hat ein Rechercheteam nach ihm gesucht und ihn mit seiner Mutter in der Schweiz gefunden. Und wenn stimmt, was er ausgesagt hat, dann haben ihn eine Ärztin für Psychiatrie und ihr Ehemann im Auftrag von Babis senior genötigt, das Land zu verlassen. "Die Frau hat gesagt: Du hast die Wahl. Entweder wir weisen Dich in eine psychiatrische Anstalt ein oder Du gehst in Ferien. Ich habe die Ferien gewählt." So berichtet es Babis junior.

Hat Andrej Babis dafür gesorgt, dass sein ältester Sohn verschwindet, um ihn dem Zugriff der Ermittler in der Affäre "Storchennest" zu entziehen? Das ist die Frage, die das politische Prag elektrisiert. Auch Polizei und Staatsanwaltschaft sind hellhörig geworden. Unter anderem auf seine älteren Kinder soll Babis sein Wellness-Ressort zeitweilig überschrieben haben, um an zwei Millionen EU-Fördergelder zu kommen. Warum wollte er eine Aussage seines Sohnes verhindern?

Jan Hamacek, Koalitionspartner von den Sozialdemokraten und Innenminister, erwartet nun klare und präzise Antworten von Babis senior. Und: "Die Informationen sind sehr beunruhigend und die Situation ist sehr ernst. Ich werde als Innenminister alles tun, damit kein politischer Druck auf die Polizei ausgeübt wird."

Babis spricht von Hetzjagd

Der Ministerpräsident selbst weist alle Vorwürfe zurück, spricht von einer Hetzjagd gegen seine Familie, und davon, dass sein Sohn psychisch krank sei. "Es ist ein weiterer Versuch dieser Leute, die politische Situation in Tschechien zu destabilisieren, und diesmal mit einem widerlichen Angriff auf meine Kinder", sagt Babis. Die Kampagne sei Teil eines Szenarios mit dem Ziel, ihn zu zerstören und loszuwerden.

"Diese Leute" - damit ist auch die parlamentarische Opposition gemeint. Für Jiri Pospisil, Chef der konservativen TOP 09, ist die Sache klar: Die Enthüllungen der Journalisten zeige, dass der Premier und seine Mitarbeiter die Untersuchung der "Storchennest"-Affäre vereitelt hätten. "Deshalb ruft TOP 09 den Premier auf, seine persönliche Verantwortung zu übernehmen und zurückzutreten."

Gut möglich, dass sich Andrej Babis in der nächsten Woche im Abgeordnetenhaus einem Misstrauensantrag stellen muss.

 

Affäre um Wellness-Ressort "Storchennest" holt Babis ein
Peter Lange, ARD Prag
13.11.2018 16:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 13. November 2018 um 23:22 Uhr.

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