Soldaten in Schutzanzügen ermitteln in Salisbury nach dem Anschlag auf Sergej Skripal | Bildquelle: dpa

Streit über Fall Skripal Zemans Nowitschok-Aussage freut den Kreml

Stand: 04.05.2018 13:31 Uhr

Russland sieht sich im Fall Skripal bestätigt, nachdem der tschechische Präsident Zeman eingeräumt hat, sein Land habe 2017 mit dem Nervengift Nowitschok experimentiert.

Die russische Regierung sieht sich durch die Nowitschok-Aussagen des tschechischen Präsidenten Milos Zeman in ihrer Haltung im Fall Skripal bestätigt. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte der Agentur Interfax, Zemans Äußerung illustriere, dass die Vorwürfe Großbritanniens gegen Russland unhaltbar seien.

Großbritannien geht davon aus, dass bei dem Anschlag auf den Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter im englischen Salisbury ein Nervengift aus der Nowitschok-Klasse verwendet wurde. Die Regierung in London macht Russland für den Anschlag verantwortlich.

Tschechiens Präsident Milos Zeman spricht bei einer Pressekonferenz | Bildquelle: dpa
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Tschechiens Präsident Zeman berichtete von Experimenten seines Landes im November 2017.

Russland sieht mehrere Länder als mögliche Giftquelle

Peskow bekräftigte die russische Position, dass das verwendete Nervengift in mehreren Ländern hätte produziert werden können. Russland wertet die Vorwürfe der britischen Regierung als Provokation.

Das Nervengift Nowitschok war in der damaligen Sowjetunion entwickelt worden. Russische Ermittler hatten im Fall Skripal allerdings die Auffassung vertreten, dass das dabei verwendete Nervengift aus Tschechien, Schweden oder der Slowakei stammen könnte.

Zeman bestätigt Herstellung von Nowitschok

Diese Debatte wurde nun durch die Aussagen des tschechischen Präsidenten Zeman neu entfacht. Er erklärte in einem Fernsehinterview, dass sein Land im vergangenen November einen Nervenkampfstoff aus der Nowitschok-Klasse hergestellt und damit experimentiert habe.

"Die Menge des hergestellten Gifts war angeblich klein, und es wurde nach den Versuchen vernichtet", sagte Zeman unter Berufung auf einen Bericht des tschechischen Militärnachrichtendienstes MZ.

Zeman hatte aber zugleich betont, dass beim Skripal-Anschlag der Stoff A-234 zum Einsatz gekommen sei, während in Tschechien an der Substanz A-230 geforscht worden sei.

Nervengift Nowitschok

Die Sowjetunion hat unter der Bezeichnung Nowitschok (zu deutsch Neuling) zwischen den 1970er- und 1980er-Jahren eine Serie neuartiger Nervenkampfstoffe entwickelt. Die rund 100 Varianten gehören zu den berüchtigsten Nervenkampfstoffen, die jemals hergestellt wurden. Sie können über die Haut und die Atmung in den Körper gelangen.

Das Gift ist nur schwer nachzuweisen, die Überlebenschancen der Opfer sind gering. Selbst übliche Gegenmittel wie Atropin können meist nur wenig ausrichten. Die englische Schreibweise der Kampfstoffe lautet Novichok.

Mit Information von Peter Lange, ARD-Studio Prag

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. Mai 2018 um 13:31 Uhr.

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