Zwei Menschen laufen die ansonsten verwaiste Celetna-Straße in Prag entlang. | Bildquelle: picture alliance/dpa

Tschechien in Coronakrise "Ostern wird nicht so sein wie gewohnt"

Stand: 24.03.2020 02:19 Uhr

In der Corona-Krise sind die Tschechen vorerst unter sich: Touristen dürfen nicht ins Land, Pendler nicht mehr zur Arbeit über die Grenze fahren. Das trifft auch den Nachbarstaat Deutschland.

Von Peter Lange, ARD-Studio Prag

Christoph Israng, der deutsche Botschafter in Tschechien, hat auf Twitter noch darauf hingewiesen, dass die Zahl der Corona-Infektionen im Grenzgebiet zu Deutschland viel niedriger sei als zum Beispiel in Prag. Gefruchtet hat der Hinweis nicht.

"Das Pendeln über die Grenze ist der letzte Kanal, durch den diesen Epidemie aus dem Ausland in die Tschechische Republik kommen kann", sagte Innenminister Jan Hamacek. Tschechien will deshalb auch das tägliche Pendeln von Arbeitnehmern über die Grenze in beide Richtungen soweit wie möglich unterbinden.

"Wir geben den Pendlern die Wahl: entweder in Tschechien bleiben oder aber sie suchen sich in Österreich und Deutschland eine Unterkunft und arbeiten längere Zeit im Ausland", erklärte Hamacek. "Wir empfehlen den dreiwöchigen Rhythmus. Bei der Rückkehr werden sie dann in Quarantäne gehen."

10.000 Arbeiter allein in Sachsen betroffen

Nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbunds trifft die Entscheidung allein in Sachsen 10.000 Arbeiter. Der dortige Landesvorsitzende Markus Schlimbach zeigte sich entsetzt. Gegenüber MDR Aktuell sagte er, der Beschluss der tschechischen Regierung werde für viele Jahre tiefe Wunden für ein gemeinsames Europa hinterlassen.

Alle anderen Einschränkungen des Alltags in Tschechien, die zunächst bis zum Dienstag befristet galten, werden laut Hamacek vorerst bis zum 1. April verlängert. Solange bleiben Geschäfte und Gaststätten geschlossen, ausgenommen Lebensmittelgeschäfte, Apotheken und Drogerien. Außerdem dürfen die Menschen ihre Wohnungen nur zum Einkaufen verlassen und, um zur Arbeitsstelle zu gelangen.

"Ostern nicht so wie gewohnt"

Dass der Alltag auf Sparflamme länger dauern wird, darauf hatten Vertreter der Regierung die Bevölkerung am Wochenende bereits eingestimmt.

"Es ist nötig, die Bürger darauf vorzubereiten, dass Ostern nicht so sein wird wie gewohnt", erklärte Gesundheitsminister Adam Vojtech. Die Beschränkungen im Alltag müssen dann noch immer eingehalten werden. Das heißt: Keine Besuche bei Verwandten und keine Gottesdienste.

Sein Stellvertreter Roman Prymula, zugleich Epidemiologe und Chef des Krisenstabes, präzisierte: "Wir sind entschlossen, die Zahl der Infizierten auf 10.000 zu begrenzen. Dann sollte das tägliche Wachstum gestoppt sein. Wenn das bis nach Ostern gelingt, könnten die Maßnahmen ab Mitte April gelockert werden und das Land wieder zum normalen Leben zurückkehren."

Bislang mehr als 1000 Infizierte und ein Toter

Allerdings wird das laut Prymula nicht für die Grenzschließung gelten. Die dürfte noch viele Monate dauern, je nach Entwicklung vielleicht sogar ein oder zwei Jahre.

Die Tschechen, so der Gesundheitsexperte, sollten sich dieses Jahr besser darauf einstellen, im Inland Urlaub zu machen.

Die Zahl der Infektionen ist inzwischen auf mehr als 1000 gestiegen, und es gibt auch einen ersten Todesfall: Ein hochbetagter Mann, 95 Jahre alt, mit schweren anderen Erkrankungen, hat das Coronavirus nicht überlebt.

Tschechien igelt sich ein - womöglich für lange
Peter Lange, ARD Prag
23.03.2020 20:20 Uhr

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