Ein Mitarbeiter mit Mund-Nasen-Bedeckung und Schutzanzug vor einer Corona-Probenannahmestelle (Archivbild) | dpa

Corona-Pandemie in Tschechien Mehr als 20.000 Tote - Kritik an Verschärfungen

Stand: 27.02.2021 11:31 Uhr

In Tschechien hat die Zahl der Corona-Toten die Schwelle von 20.000 überschritten. Die Regierung will die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung ab Montag stark einschränken. Doch die Kritik an den Verschärfungen ist groß.

Um die Pandemie unter Kontrolle zu bringen, greift die Regierung in Tschechien nun zu drastischen Maßnahmen. Die Bürger dürfen ihren jeweiligen Wohnbezirk von Montag an nur noch in Ausnahmefällen verlassen. "Wenn wir das nicht tun, sieht die ganze Welt ein zweites Bergamo in Tschechien", warnte Ministerpräsident Andrej Babis nach einer Sondersitzung des Kabinetts.

Derweil hat die Zahl der Corona-Toten in Tschechien die Schwelle von 20.000 überschritten. Laut Gesundheitsministerium starben seit Beginn der Pandemie 20.194 Menschen, die zuvor positiv getestet worden waren. Innerhalb von 24 Stunden wurden 14.676 Neuinfektionen registriert.

Die Gesamtzahl der jemals Infizierten lag bei mehr als 1,2 Millionen. Tschechien hat rund 10,7 Millionen Einwohner und derzeit die höchste Neuinfektionsrate unter allen EU-Staaten.

Maßnahmen zunächst für drei Wochen

In Online-Kommentaren und den sozialen Medien überwog dennoch der Ärger. "Bisher habe ich alles eingehalten, aber darauf werde ich pfeifen", schrieb ein Internet-Nutzer. "Die Regierungspolitiker sind verrückt geworden", meinte ein anderer.

Die Bezirke entsprechen in ihrer Größe etwa den Landkreisen in Deutschland. Erlaubt bleiben Fahrten zur Arbeit, zum Arzt und zu Behörden, wenn entsprechende Nachweise erbracht werden. Spaziergänge und Sport werden nur in der eigenen Gemeinde erlaubt sein. Kontrollieren sollen das nicht nur Polizisten, sondern auch bis zu 5000 Soldaten.

Laut Innenminister Jan Hamacek gelten die Maßnahmen zunächst für drei Wochen. "Das einzige Ziel ist, die Kurve der Neuinfektionen und der Intensivpatienten umzukehren, bevor es zu spät ist", sagte der Innenminister vor Journalisten.

Ministerpräsident Babis räumt Fehler ein

Die Regierung verhängte einen neuen einmonatigen Notstand, der am Sonntag in Kraft tritt. Bereits seit vergangenem Jahr gilt eine nächtliche Ausgangssperre, Restaurants sind geschlossen.

Die Impfungen gegen das Coronavirus laufen langsamer an als erwartet. Am Dienstag hatte das Gesundheitsministerium erklärt, wegen der hohen Corona-Fallzahlen habe Tschechien seine Kapazitätsgrenze bei den Plätzen auf den Intensivstationen erreicht.

Ministerpräsident Andrej Babis räumte Fehler seines Kabinetts im Kampf gegen die Corona-Pandemie ein, auch in der Kommunikation. Er bat die Bevölkerung um "eine neue Chance". "In den nächsten drei Wochen müssen sich die Leute verhalten wie sie es im März 2020 getan haben", sagte er.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Februar 2021 um 08:00 Uhr.