Tschechiens Ministerpräsident Babis hält eine Rede, vor ihm zwei Leibwächter. | Bildquelle: MARTIN DIVISEK/EPA-EFE/REX/Shutt

Gedenken an "Prager Frühling" Buhrufe gegen Babis

Stand: 21.08.2018 15:55 Uhr

In einer Rede wollte Tschechiens Ministerpräsident Babis die Opfer des Warschauer-Pakt-Einmarsches würdigen. Doch seine Worte wurden von lautstarker Kritik gegen seine Regierung übertönt.

Eine Gedenkveranstaltung für die Opfer des Warschauer-Pakt-Einmarsches in die damalige Tschechoslowakei ist in Prag in lautstarken Protest gegen den tschechischen Ministerpräsidenten Andrej Babis umgeschlagen.

Eigentlich hatte Babis in einer Rede vor dem Funkhaus im Zentrum der Hauptstadt ebenfalls an die Tschechen erinnern wollen, die im August 1968 bei den Auseinandersetzungen mit den sowjetischen Truppen getötet wurden. Bis zum Jahresende und damit auch dem Ende des "Prager Frühlings" kamen nach Schätzungen von Historikern mehr als 130 tschechische Zivilisten ums Leben.

Doch die Worte des heutigen Ministerpräsidenten gingen in Protestrufen unter: Demonstranten hatten sich vor dem Funkhaus versammelt, die Babis auspfiffen und ihm Buhrufe und das Wort "Schande" entgegenschrien.

Ein Ex-Kommunist als Regierungschef?

Die Kritiker werfen dem Gründer der ANO-Partei vor, seine Regierung fuße nur darauf, dass sie von den Kommunisten toleriert werde. "Wer mit den Kommunisten regiert, entehrt die Opfer der Besatzung von 1968", war etwa auf einem Plakat der Protestierenden zu lesen.

Babis' Minderheitskoalition ist die erste tschechische Regierung seit dem Ende des Kommunismus 1989, die im Parlament auf Unterstützung der Kommunistischen Partei (KSCM) angewiesen ist. Vor 1989 war Babis selbst Mitglied der damaligen Kommunistischen Partei.

Ein Demonstrant hält einen Spiegel hoch, in dem man Ministerpräsident Babis bei seiner Rede sieht, umringt von Sicherheitsleuten und Presse. | Bildquelle: AFP
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Die Demonstranten wollten Ministerpräsident Babis einen Spiegel vorhalten - er verrate die Opfer von 1968, da seine Regierung nur auf der Toleranz durch die Kommunisten fuße.

Babis reagierte zunächst nicht auf die Protestrufe, sondern hielt sich an seinen Redeablauf, indem er den Widerstand von 1968 würdigte: "Die Invasion der Warschauer-Pakt-Armeen war brutal, viele unserer Leute sind umgekommen", sagte Babis. Doch viele hätten sich tapfer verhalten, weil die Menschen die kommunistische Diktatur sowjetischen Typs nicht mehr gewollt hätten.

Mehrere Vorwürfe gegen Babis

Der Multimilliardär und Medienunternehmer Babis ist nicht erst seit seinem Wahlsieg mit seiner Protestpartei im vergangenen Jahr umstritten. Neben der zu großen Nähe zu den Kommunisten werfen ihm seine Kritiker zudem vor, zu enge Kontakte zu der früheren tschechoslowakischen Staatssicherheit gepflegt zu haben. Zudem belastet den Politiker der Verdacht auf Subventionsbetrug - und das, obwohl Babis sich im Wahlkampf als starken Kämpfer gegen die Korruption dargestellt hatte.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. August 2018 um 16:00 Uhr.

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