Donald Trump | Bildquelle: Stefani Reynolds/POOL/EPA-EFE/Sh

Kritik an Trumps WHO-Beschluss "Egoistisch", "armselig", "falsch"

Stand: 15.04.2020 15:55 Uhr

Für seine Ankündigung, alle US-Zahlungen an die Weltgesundheitsorganisation zu stoppen, erntet US-Präsident Trump international harsche Kritik. Auch im eigenen Land werfen Experten ihm vor, die falsche Botschaft zur falschen Zeit zu senden.

Zahlreiche Politiker und Organisationen weltweit haben auf die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump reagiert, Zahlungen der USA an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) inmitten der Corona-Pandemie einzustellen.

UN-Generalsekretär António Guterres mahnte, in der Corona-Krise müsse Einigkeit und Zusammenhalt im Vordergrund stehen. Er bezeichnete die Pandemie als eine der gefährlichsten Herausforderungen, die die Welt in einem Lebensalter zu meistern habe. Daher sei jetzt nicht die Zeit, Zahlungen an die WHO zurückzuhalten, die den Kampf gegen das Virus anführe und koordiniere.

Johns-Hopkins-Universität: Fehler nach der Pandemie aufarbeiten

Auch innerhalb der USA erntete Trumps Entscheidung Widerspruch. Robert Redfield, Direktor des amerikanischen Zentrums für Infektionskontrolle (CDC) betonte, seine Einrichtung arbeite sehr produktiv und gut mit der WHO zusammen und werde das auch weiterhin tun.

Amesh Adalja, Infektions-Experte der amerikanischen Johns-Hopkins Universität räumte zwar Fehler der WHO ein. Diese sollten jedoch aufgearbeitet werden, wenn die Krise überstanden sei. Trumps Zahlungsstopp sende "eine falsche Botschaft inmitten der Pandemie".

USA setzen Beitragszahlungen an die WHO aus
tagesschau 16:50 Uhr, 15.04.2020, Wolfgang Wanner, ARD Genf

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Müller kündigt höhere Beiträge aus Deutschland an

Auch die Bundesregierung stellte sich hinter die WHO. Die Organisation leiste "eine unglaublich wichtige Arbeit", hieß es von Regierungssprecher Steffen Seibert. Daher sei es wichtig, sie zu unterstützen und zu finanzieren.

Zuvor hatte bereits Bundesaußenminister Heiko Maas das Handeln der USA per Tweet verurteilt. "Schuldzuweisungen helfen nicht", schrieb der SPD-Politiker. Das Virus kenne keine Grenzen. Man müsse gegen Covid-19 eng zusammenarbeiten.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller kündigte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters an, Deutschland werde seine Zahlungen an die WHO erhöhen. "Die WHO muss jetzt gestärkt werden, nicht geschwächt. Inmitten der Pandemie die Mittel zu kürzen, ist der absolut falsche Weg", so Müller. Corona werde nicht die letzte Pandemie sein. "Experten haben bereits 40 weitere Viren identifiziert, die das Potenzial haben, Pandemien auszulösen."

Röttgen schließt Fehler der WHO nicht aus

Zuvor war bereits mehrfach die Forderung laut geworden, Deutschland müsse jetzt gemeinsam mit anderen Partnern die finanziellen Lücken ausgleichen, die sich aus dem US-Zahlungsstopp ergeben. "Wenn man den Einfluss Chinas auf die WHO begrenzen will, ist der Entzug von Finanzmitteln kontraproduktiv", sagte etwa der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen der "Süddeutschen Zeitung". Daher müssten die EU und Großbritannien nun einspringen. Gleichzeitig schloss Röttgen Fehler seitens der WHO nicht aus: "Kritik, die richtig ist, wird nicht dadurch falsch, dass Trump sie geäußert hat."

Auch der FDP-Fraktionsvorsitzende Alexander Graf Lambsdorff befürwortete die Option, dass die EU - einschließlich Deutschland - die fehlende Finanzierung überbrücken: "In einer solchen Krise braucht die WHO alle Ressourcen, um handlungsfähig zu bleiben, denn gerade in den ärmsten Ländern der Welt steht der Höhepunkt der Pandemie noch bevor. Und hier ist die WHO vor Ort oftmals die einzige Hilfe."

Die Linkspartei sprach von einem Sabotageakt Trumps. "Es ist ein armseliger Versuch des US-Präsidenten, von eigenen schweren Fehlern und Missmanagement in dieser Corona-Krise abzulenken", erklärte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Heike Hänsel.

Trump gibt WHO Schuld an Ausbreitung des Coronavirus

Trump hatte zuvor die WHO angegriffen: Es müsse überprüft werden, welche Rolle die WHO bei der "schlechten Handhabung und Vertuschung der Ausbreitung des Coronavirus" gespielt habe, so der US-Präsident. Durch das Missmanagement der WHO und deren Vertrauen auf die Angaben aus China habe sich die Epidemie dramatisch verschlimmert und rund um die Welt verbreitet.

Die zahlreichen Fehler der Organisation seien für "so viele Todesfälle" verantwortlich, sagte Trump weiter. Er kritisierte insbesondere, dass die WHO sich gegen Einreisesperren aus China ausgesprochen hatte. Diese Politik habe bei der Eindämmung der Epidemie "wertvolle Zeit" vergeudet, kritisierte Trump. Die WHO habe es zudem versäumt, die Angaben der chinesischen Regierung kritisch und zeitnah zu überprüfen. Mit einem schnelleren und entschlosseneren Einschreiten der WHO hätte die Epidemie mit wenigen Toten auf ihren Ursprungsort begrenzt werden können.

Bereits in der vergangenen Woche hatte Trump bemängelt, dass die WHO zu stark auf China ausgerichtet sei - und das, obwohl die USA einen großen Teil des WHO-Budgets zahlten. Die WHO hatte den Vorwurf zurückgewiesen.

Kritik aus Russland und China

China reagierte verärgert auf Trumps Äußerungen. Ein Sprecher des Außenministeriums in Peking forderte, die USA müssten ihre Verpflichtungen erfüllen. Die Streichung der US-Mittel für die WHO würden sich auf alle Länder der Welt auswirken.

Der russische Vize-Außenminister Sergej Rjabkow kritisierte den von Trump verfügten Stopp der Zahlungen als egoistisch: "Das ist der Ausdruck eines äußerst egoistischen Herangehens der amerikanischen Regierung gegenüber dem, was in der Welt im Zusammenhang mit der Pandemie geschieht." Rjabkow rief dazu auf, "weitere Angriffe" auf die WHO zu unterlassen.

Budget der WHO

Die in Genf ansässige WHO ist die wichtigste Sonderorganisation der Vereinten Nationen im Gesundheitsbereich. Ihr Budget besteht nach Angaben der Organisation zu weniger als einem Viertel aus den verpflichtenden Beiträgen der Mitgliedsstaaten. Die USA sind in diesem Kreis aber der größte Zahler: Für die Jahre 2020 und 2021 sind jeweils fast 116 Millionen US-Dollar fällig. Chinas Beitrag liegt für diese beiden Jahre bei jeweils rund 57 Millionen US-Dollar.

Chinas Beiträge sind in den vergangenen Jahren aber deutlich gestiegen: 2018 und 2019 lagen sie noch bei je 37,9 Millionen US-Dollar, während sie bei den USA fast gleich blieben. Deutschland muss derzeit 29 Millionen US-Dollar pro Jahr zahlen. Die Höhe der Mitgliedsbeiträge hängt laut WHO von der Bevölkerungsgröße und dem Wohlstand des Landes ab.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 15. April 2020 um 05:38 Uhr.

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