Trump telefoniert im Oval Office | Bildquelle: AFP

Ukraine-Affäre Zweiter Whistleblower meldet sich

Stand: 06.10.2019 16:05 Uhr

Der Whistleblower, der die Ukraine-Affäre in den USA in Gang brachte, ist offenbar nicht allein. Ein zweiter Informant habe sich an die Behörden gewandt und sei bereits befragt worden, teilte sein Anwalt mit.

US-Präsident Donald Trump muss sich auf neue, brisante Nachrichten in der Ukraine-Affäre einstellen. Offenbar hat sich ein zweiter Whistleblower an die staatlichen Behörden gewandt.

Sein Anwalt Mark Raid, der auch den ersten Informanten vertritt, sagte dem TV-Sender ABC, der Mann sei Mitarbeiter der Geheimdienste und bereits vom Generalinspekteur befragt worden. Die Person wisse aus erster Hand über einige der Vorgänge Bescheid. Details des Inhalts seiner Beschwerde und der Aussage sind noch nicht bekannt.

Am Freitag hatte die "New York Times" berichtet, dass ein zweiter Beamter das Einreichen einer formellen Beschwerde beim Generalinspekteur der Geheimdienste erwäge. Trump schrieb am Samstagabend (Ortszeit), jetzt käme aus der ihm feindlich gesinnten Bürokratie offenbar ein weiterer Whistleblower "mit Informationen aus zweiter Hand". Auf Twitter schrieb er: "Sollen sie nur kommen!"

Telefonat mit Folgen

Die Bestätigung des Anwalts ist auch deshalb brisant, weil der erste Whistleblower, der mit seiner Beschwerde das Telefonat Trumps mit seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj bekanntgemacht hatte, nur über Informationen aus zweiter Hand verfügte. Er selbst war während des Gesprächs nicht im Raum.

In dem Telefonat hatte Trump nach Auffassung der Opposition Selenskyj zu Ermittlungen gegen Trumps Rivalen Joe Biden und dessen Sohn Hunter ermuntert. Die Demokraten sehen darin einen Versuch des US-Präsidenten, die 2020 anstehende Wahl mit Hilfe einer ausländischen Regierung zu gewinnen. Sie leiteten daraufhin die Vorbereitungen eines Amtsenthebungsverfahrens gegen Trump ein.

Trump bestreitet die Vorwürfe und spricht von einem "perfekten" Gespräch. Es gehe darum, Korruption zu bekämpfen. Zugleich hatte er den ersten Whistleblower als "Spion" gebrandmarkt und auf bei einer privaten Veranstaltung darauf verwiesen, dass man früher mit Verrat "ein bisschen anders" umgegangen sei als heute. Beobachter werteten diese Bemerkung als mögliche Anspielung auf die Todesstrafe.

Zoff mit Romney

Bislang konnte sich der Präsident auf die Unterstützung seiner Republikaner verlassen. Parteiinterne Kritiker hatten sich jedoch zuletzt zu Wort gemeldet und Trumps Aufforderung an China, ebenfalls gegen Biden zu ermitteln, als "falsch und erschreckend" bezeichnet. Das zog wütende Attacken Trumps auf Kritiker wie Senator Mitt Romney auf sich.

Der republikanische Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, machte dagegen deutlich, dass er das Amtsenthebungsverfahren im Senat stoppen werde. Unter seiner Führung werde der Senat eine Brandmauer gegen Versuche einer Absetzung Trumps sein, sagte er. Auch Außenminister Mike Pompeo verteidigte das Vorgehen Trumps als angemessen. Er versprach aber, der mit Strafandrohung versehenen Forderung nach Herausgabe von Dokumenten über Trumps Ukraine-Politik werde er entsprechend der gesetzlichen Vorschriften nachkommen.

Ukraine-Affäre: Zweiter Whistleblower könnte Druck auf Trump erhöhen
Torben Ostermann, ARD Washington
07.10.2019 06:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Oktober 2019 um 16:00 Uhr.

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