US-Präsident Trump genießt bei einem Wahlkampf-Auftritt das Bad in der Menge. | Bildquelle: AP

Der "Rally President" Trump kämpft ums Bad in der Menge

Stand: 25.07.2020 03:31 Uhr

US-Präsident Trump und die Massen, das ist die ganz große Liebe. In der nun beginnenden heißen Phase des Wahlkampfs kann er sein bestes Mobilisierungs-Instrument jedoch bislang kaum benutzen. Dennoch hat Trump einen entscheidenden Vorteil.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Sie rufen "USA! USA!", sie fordern "Four more years!", nochmal vier Jahre, und wenn der Mann am Rednerpult "Fake News!" grölt, dann drehen sie sich zum eingezäunten Medienblock um, buhen und zeigen der "Lügenpresse" den Daumen nach unten. Das muss man mal erlebt haben, als Reporter, wenn einen tausende Menschen auf Kommando drohend anstarren. Nicht lustig.

Präsident Trump und die Massen, das ist die ganz große Liebe. Die Menschen in den roten Kappen fühlen sich angenommen und erkannt. Und er lässt sich durch das Bad in der Menge reinigen und salben. Für ihn ist es die Bestätigung, dass er wirklich in dieses Weiße Haus gehört, weil ihn die stille Mehrheit des Landes so sehr liebt.

Der Mann für die großen Versammlungen

"Das ist kein Präsident für Gespräche am Kamin", sagt John Barbender, Politikberater aus dem Lager der Republikaner, "das ist kein Präsident für Pressekonferenzen". Trump sei ein "rally president", so Barbender in der Zeitung "USA Today," ein Präsident für die großen Versammlungen. 

Und das ist es, was ihn von seinem Konkurrenten Joe Biden von den Demokraten unterscheidet: Trump elektrisiert, Biden nicht. Trump wird von seinen Anhängern gewählt, damit er im Amt bleibt. Biden wird gewählt, damit Trump nicht mehr im Amt bleibt, sagen aktuelle Umfragen.

Sie sagen aber auch, dass der Unmut der Amerikaner im Moment groß ist. Zwei Drittel der US-Bürger sind nicht zufrieden mit der Art und Weise, in der Trump in der Corona-Krise agiert. Und wenn es um den Wahltag selbst geht, liegt Biden seit Wochen deutlich vorn, auch in den umkämpften "Battleground States". Sogar das tief dunkel-republikanische Texas scheint zu wackeln. Aber, warnen die Wahlforscher auch, die Wähler, die sich jetzt von Trump abgewendet haben, können sich sehr schnell ihm wieder zuwenden.

Trump eröffnet den Wahlkampf

Und so hat der Präsident in den vergangenen Tagen nun an mehreren Fronten den Wahlkampf eröffnet: er veröffentlicht TV-Spots, die Biden als wahlweise senil oder aber gefährlich fahrlässig im Umgang mit Kriminalität zeigen. Er kehrt zu seinen täglichen Corona-Briefings zurück, um zu zeigen, dass er sehr wohl Herr der Lage ist. Und er erkennt - pro forma zumindest - an, dass das Virus eine echte Gefahr darstellt. Sogar eine Maske hat er angeblich jetzt immer dabei.

Sein wichtigstes Instrument zur Mobilisierung aber kann er weiterhin nicht benutzen: Die Wahlkampf-Rally. In der Pandemie sitzt der Präsident im Weißen Haus fest. Wie alle anderen auch, kann er nicht wirklich raus. Mal ein Besuch in der Autofabrik, wo jetzt Beatmungsgeräte hergestellt werden, mal ein Kurztrip nach Baltimore zum Heldengedenken am Memorial Day. Oder übers Wochenende auf einen seiner Golfplätze, mehr ist nicht drin. Das macht ihn, was man so liest, ziemlich wütend. Der Präsident, so scheint es, nimmt das Virus persönlich.

Bisherige Rally-Versuche gingen schief

Seine Versuche, sich mal wieder auf der großen Bühne mit der Energie seiner Fans aufzuladen, gingen schief. Bei seiner "Keep America Great"-Rally in Tulsa, Oklahoma, blieben die erwarteten Massen aus. Die Sehnsucht nach Trump war nicht so groß wie die Furcht vor dem Virus. Ein kurz drauf geplanter Groß-Auftritt in New Hampshire wurde wegen einer Unwetterwarnung abgesagt - falls das wirklich der Grund dafür war.

Bis zum Schluss aber klammerte sich Trump an die Hoffnung, dass er zumindest eine echte Krönungsmesse erhalten würde. Ursprünglich hatten die Republikaner ihm Ende August in Charlotte, North Carolina, die große Showtreppe aufbauen wollen. Doch Ende Mai wies der demokratische Gouverneur von North Carolina darauf hin, die Veranstaltung müsse wegen der Corona-Regeln kleiner ausfallen. Am Ende entschied die Spitze der Republikanischen Partei, einen Teil des Parteitages in Charlotte zu lassen, das Hauptevent aber nach Jacksonville, Florida, zu verlagern. Dort sollte Trump seine "Ich nehme die Nominierung an"-Rede halten, seinen Kick-Off für den Wahlkampf.

Trump hat dennoch einen entscheidenden Vorteil

Während die Demokraten schon früh ihren Parteitag dezentralisierten und weitgehend in den virtuellen Raum auslagerten, hofften die Republikaner offenbar darauf, das Virus könnte, wie vom Präsidenten mehrfach angedeutet, tatsächlich einfach verschwinden. Stattdessen entwickelte sich Florida zum Hotspot. Chuck Grassley, 86, und Lamar Alexander, 80, zwei hochbetagte Haudegen der Republikaner, besannen sich eines Besseren und meldeten sich ab.

Am Donnerstag war dann auch das Bauchgefühl des Präsidenten bereit: Es sei nicht die richtige Zeit dafür, sagte Donald Trump, die Großveranstaltung in Jacksonville werde abgesagt. Er werde eine andere Art von Parteitagsrede halten, in kleinerem Rahmen, in Charlotte.

Dass es vor der Wahl überhaupt noch Großveranstaltungen geben könnte, scheint im Moment ausgeschlossen. Joe Biden könnte das eher nützen. Trump allerdings hat einen unschätzbaren Vorteil: Er hat die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Medien, jederzeit. Weil er der Präsident ist, und weil er Donald Trump ist.

Korrespondentin

Darstellung: