US-Präsident Trump am Telefon (Archivbild). | dpa

US-Wahl in Georgia Empörung über Trump-Telefonat

Stand: 04.01.2021 01:18 Uhr

US-Präsident Trump hat laut einem Medienbericht ein ungewöhnliches Telefonat geführt: Offenbar verlangte er vom zuständigen Secretary of State eine Änderung des Wahlergebnisses in Georgia. Die künftige US-Vizepräsidentin Harris warf ihm Machtmissbrauch vor.

Der amtierende US-Präsident Donald Trump hat offenbar in einem Telefonat die nachträgliche Änderung des Wahlergebnisses im Bundesstaat Georgia gefordert. Das berichtete die "Washington Post" und bezog sich auf einen Mitschnitt des Gesprächs zwischen Trump und dem Secretary of State in Georgia, Brad Raffensperger. Er bekleidet nach dem Gouverneur und dessen Vize das dritthöchste Amt in dem US-Bundesstaat, das mit dem eines Innenministers vergleichbar ist. Unter anderem ist er zuständig für die Wahlaufsicht.

Trump will Ergebnis in Georgia "nachberechnen"

In dem etwa einstündigen Telefonat forderte der Präsident Raffensperger unverblümt dazu auf, genügend Stimmen für ihn "zu finden" und das Ergebnis "nachzuberechnen". Die Zeitung veröffentlichte auch Teile eines Mitschnitts des Gesprächs, das wohl am Samstag geführt worden war. Trump bezeichnete Raffensperger nach dem Telefonat auf Twitter als "ahnungslos".

Trump droht Raffensperger

Der Republikaner Trump drohte seinem Parteikollegen Raffensperger in dem Gespräch, dass er ein "großes Risiko" eingehe und sich womöglich einer Straftat schuldig mache, wenn er nicht gegen den Wahlbetrug vorgehe.

Trump hatte Georgia bei der Wahl vom 3. November sehr knapp verloren. Der Demokrat Joe Biden lag dort mit etwa 12.000 Stimmen vorne. Die Ergebnisse wurden dort zwei Mal nachgezählt - trotz Trumps Behauptungen fanden sich dabei aber keinerlei Hinweise auf Wahlbetrug.

Harris wirft Trump Machtmissbrauch vor

Trumps Bemühungen stellen in den Augen der gewählten US-Vizepräsidentin Kamala Harris einen Fall von "dreistem Machtmissbrauch" dar. Das Handeln des Republikaners lasse "die Stimme der Verzweiflung" erkennen, sagte die Demokratin am Abend (Ortszeit) bei einem Wahlkampfauftritt in der Stadt Savannah in Georgia. Trump und seine Republikaner hätten in dem Bundesstaat sechs Klagen gegen das Ergebnis eingereicht und seien damit erfolglos geblieben.

"Nicht fair, uns den Sieg so zu nehmen"

In dem Telefonat hatte Trump über das in seinen Augen "falsche" Ergebnis in Georgia geklagt und beteuerte, er habe die Wahl gewonnen. "Ich will nur 11.780 Stimmen finden... weil wir den Bundesstaat gewonnen haben", sagte er dem Mitschnitt zufolge. Es sei "nicht fair, uns den Sieg so zu nehmen", sagte Trump.

Raffensperger solle die Ergebnisse nochmals prüfen, forderte der amtierende US-Präsident. "Aber prüfen Sie es mit Leuten, die Antworten finden wollen", sagte Trump. Raffensperger entgegnete dem Mitschnitt zufolge: "Wir müssen zu unseren Zahlen stehen. Wir glauben, unsere Zahlen stimmen." Er verwies darauf, dass die Ergebnisse auch vor Gericht Bestand gehabt hätten.

Trump gesteht seine Niederlage weiterhin nicht ein

Laut der Nachrichtenagentur Reuters äußerten sich weder das Weiße Haus noch Raffenspergers Büro zu dem Bericht. Auch das Team des künftigen Präsidenten Biden wollte nicht kommentieren.

Im Artikel der "Washington Post" hieß es, das "umherschweifende und teilweise unzusammenhängende Gespräch" zeige, wie "besessen und verzweifelt" der Präsident angesichts seiner Wahlniederlage sei. Trump glaube noch immer, dass er das Ergebnis in genügend Staaten ändern könnte, um sich eine zweite Amtszeit zu sichern.

Trump hat die Wahl verloren, weigert sich aber weiterhin, Bidens Sieg anzuerkennen. Dieser soll am 20. Januar vereidigt werden.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 03. Januar 2021 um 22:15 Uhr.