Donald Trump | Bildquelle: Chris Kleponis/POOL/EPA-EFE/REX

Ukraine-Affäre Fieberschübe in Washington

Stand: 01.10.2019 19:27 Uhr

Nahezu täglich kommen neue Details über die Ukraine-Affäre von Präsident Trump ans Licht - Ende offen. Der wehrt sich mit einer Flut wütender Tweets und einer immer schrilleren Wortwahl.

Von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Was liegt wohl noch alles auf besonders gesicherten Servern? Diese Frage macht in Washington seit Tagen die Runde. Durch die Berichte eines Whistleblowers wurde zunächst das umstrittene Telefonat zwischen Donald Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj bekannt.

Trumps ehemalige Gegenkandidatin Hillary Clinton ist überzeugt, dass die Aufnahmen Teilnehmern des Gesprächs so brisant erschienen, dass sie auf dem Server für Top-Secret gespeichert wurden. In eine TV-Sendung sagte sie, auf den Servern würden "Geheimnisse wie die Bin-Laden-Razzia gespeichert". Auch wenn es keine geheimen Informationen in dem Telefonat der Präsidenten gegeben habe, seien die Aussagen des Präsidenten "mindestens peinlich" gewesen, "wenn nicht sogar ein Grund für eine Amtsenthebung".

Inzwischen wurde bekannt, dass auch Außenminister Mike Pompeo an diesem Telefonat teilgenommen hat. Noch am Wochenende hatte er im TV-Sender ABC zu dem Bericht des Whistleblowers über das Gespräch gesagt: "Ihr redet hier mit mir über den Bericht eines Whistleblowers, den ich nicht gesehen habe."

 Gegenoffensive auf Twitter

Trump verteidigt sich seit Tagen mit haufenweise Tweets. Heute twittert er unter anderem eine Karte der USA fast komplett in rot, der Farbe der Republikaner. Mittendrauf stehen die Worte "Try to impeach this" - versucht mal, das hier des Amtes zu entheben. Eine klare Botschaft an seine Wähler: Die ganzen Diskussionen über ein mögliches Amtsenthebungsverfahren gehen gegen Euch.

Trump versucht, den Fokus zu ändern, und bringt einmal mehr die Einmischungen in die Wahl 2016 ins Gespräch. Da sei ihm übel mitgespielt worden, sagte er am Montag: "Es gab viel Korruption rund um die Wahl 2016, und das ging gegen uns. Das müssen wir ergründen."

 Noch ein heikles Gespräch

Die "New York Times" berichtet von einem Gespräch zwischen dem US-Präsidenten und dem australischen Premierminister Scott Morrison. Auch hier habe Trump Schützenhilfe erbeten, um in einem Fall zu ermitteln, der ihn persönlich betrifft. Der australische Premier solle Justizminister William Barr helfen, Informationen über die Wurzel der Arbeit von Sonderermittler Robert Mueller in der Russland-Affäre zu finden. Die Mitschrift dieses Telefonats sei ähnlich restriktiv behandelt worden, wie die des Telefonats mit dem ukrainischen Präsidenten, heißt es in der Zeitung.

Trump macht weiter Druck. Er will wissen, wer der Whistleblower ist. Dessen Identität ist bisher geheim. Trump schreibt in einem seiner Tweets, sollte es zu einer Amtsenthebung kommen, drohe ein Bürgerkrieg. Dafür wird er auch aus den Reihen der Republikaner scharf kritisiert.

Die Demokraten sind ohnehin völlig entsetzt. Mike Quigley, Abgeordneter der Demokraten im Repräsentantenhaus, sagte im TV-Sender CNN: "Das ist kein Bürgerkrieg. Das ist die Verfassung."

In den USA bleiben die Diskussionen und Enthüllungen rund um ein mögliches Amtsenthebungsverfahren des beherrschende Thema. Es ist mitten im Wahlkampf angekommen. Ausgang offen.

Trump-Impeachment: Der US-Präsident steht unter Beschuß und wehrt sich heftig
Martina Buttler, ARD Washington
01.10.2019 17:22 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 01. Oktober 2019 um 16:35 Uhr.

Darstellung: