US-Präsident Donald Trump reckt auf der Wahlkampfbühne in Tulsa die Faust in die Höhe. | AP

Trump auf Wahlkampftour Rundumschlag in Tulsa

Stand: 21.06.2020 07:41 Uhr

Angriffe gegen die Medien, Herausforderer Biden und Kanzlerin Merkel - aber kein Wort zu George Floyd: US-Präsident Trump präsentierte sich beim Wahlkampf-Neustart kämpferisch, blickte aber auf teils leere Tribünen.

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington, zzt. Tulsa

Der ersehnte Applaus für Donald Trump in Tulsa war leiser als vom Präsidenten wohl erhofft. Eine Million Menschen hatte die Kampagne zur ersten Rallye seit Anfang März erwartet. Doch es kamen nicht mal genug, um die 19.000 Plätze in der Sportarena zu füllen. Trump hatte dafür auch schnell die Schuldigen ausgemacht: die Medien, wegen ihr Angstmacherei vor Ansteckungsgefahr. Und "böse Menschen."

Julia Kastein ARD-Studio Washington

Trumps Wahlkampfmanager hatte zuvor behauptet, "radikale Protestierer" hätten die Schranken am Eingänge blockiert. Tatsächlich hatten die meisten Trump-Fans die Sicherheitsschranken schon bis zum frühen Nachmittag ungehindert passiert. Nur waren es eben nicht so viele.

US-Präsident Trump beim Wahlkampf in Tulsa, Oklahoma | REUTERS

Ungewohntes Bild für Trump: Der US-Präsident musste vor teils leeren Rängen sprechen. Bild: REUTERS

Der Präsident ließ sich seine Enttäuschung nicht anmerken - stattdessen genoss Trump seinen Auftritt hörbar: Minutenlang und mit komödiantischem Talent beschrieb er, was zu seinen Schwächeerscheinungen bei einem Auftritt in der Militärakademie Westpoint geführt hatte. Danach war über seinen Gesundheitszustand spekuliert worden. Er habe einfach den Absolventen so häufig salutieren müssen, scherzte Trump: 600 mal.

Attacken gegen Biden und Merkel

Es war nicht nur die erste Rallye seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie, sondern auch die erste, in der Trumps Gegner bei der Wahl im November feststeht. Und der Republikaner attackierte den Demokraten Joe Biden hart - persönlich und politisch. Biden sei eine "hilflose Marionette der radikalen Linken", sagte Trump. Wenn man ihn wähle, dann überlasse man das Land dieser Mafia.

Auch die Bundeskanzlerin bekam ihr Fett weg: Angela Merkel sei zwar eine nette Frau und eine gute Verhandlerin. Aber die USA würden nicht länger die Sicherheit von Ländern wie Deutschland finanzieren.

Kein Wort über George Floyd

Die Themen Polizeigewalt und Rassismus - weswegen seit dem Tod des Schwarzen George Floyd täglich Tausende Menschen in den USA demonstrieren - diese Themen sparte Trump in seiner gut anderthalbstündigen Rede aus. Stattdessen bekannte er sich mehrfach zu einer starken Polizei.

"Wie Familienfeiern"

Unmittelbar vor Beginn der Wahlkampfveranstaltung hatte das Trump-Team erklärt, dass sich sechs Mitarbeiter in Tulsa mit dem Coronavirus angesteckt haben. Doch die meisten Anhänger trugen trotzdem keine Maske. Auch Tommy Lee George aus Fort Worth in Texas zuckte über das Infektionsrisiko nur die Schultern. Es sei höchste Zeit, wieder zur Normalität zurückzukehren. Denn der Shutdown sei doch schlimmer gewesen als die Pandemie selbst.

Der Lastwagenfahrer war schon bei vielen Rallyes. Trump sei der Cheerleader der Nation, sagte George. "Diese Veranstaltungen sind wie Familienfeiern."

Auch ein paar Schwarze waren im Publikum. Familie Taylor aus Alabama beispielsweise saß direkt hinter dem Präsidenten. Trump sei kein Rassist, so Vater Jerome. Die Polizeigewalt sei nicht seine Schuld. Schließlich gebe es dieses Problem schon viel länger.

Ein Soldat der Nationalgarde weist Demonstranten gegen den US-Präsidenten Trump zum Zurückweichen an. | AFP

Ein Soldat der Nationalgarde weist Demonstranten gegen den US-Präsidenten Trump zum Zurückweichen an. Bild: AFP

Proteste vor der Halle

Viele in Tulsa sahen das anders: Mehrere Gruppen protestierten gegen Trump und seine Politik. Direkt vor dem Veranstaltungsgelände kam es am Abend zu kleineren Rangeleien zwischen Trump-Anhängern und -Gegnern. Doch insgesamt verlief dieser Abend in Tulsa wesentlich unspektakulärer als von vielen befürchtet - oder erhofft.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Juni 2020 um 10:00 Uhr.

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Moderation 21.06.2020 • 14:21 Uhr

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