US-Armee in Afghanistan | Bildquelle: REUTERS

Trump-Absage an Taliban Afghanistan fürchtet neue Gewalt

Stand: 08.09.2019 13:41 Uhr

Ein Abkommen schien zum Greifen nah, doch nach der Absage der Verhandlungen mit den Taliban ist die Lage unklar. Die afghanische Regierung hofft auf eine Fortsetzung der Gespräche. Wie die Menschen im Land fürchtet sie nun neue Gewalt.

Von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu-Delhi

In einem Schreiben aus dem afghanischen Präsidentenpalast steht, die afghanische Regierung strebe nach wie vor einen dauerhaften Frieden im Land an, auch zusammen mit den USA. Allerdings sei ein wirklicher Frieden erst möglich, wenn die Taliban auch einem Waffenstillstand zustimmen würden. Seit fast einem Jahr verhandeln die USA mit den Taliban über ein politisches Abkommen, die afghanische Regierung war dabei nie anwesend.

Gespräche nur ausgesetzt?

Die Taliban sagen, die Regierenden in Afghanistan seien ja ohnehin nur Marionetten der USA, von daher wollten sie auch nur direkt mit den Puppenspielern, die die Strippen ziehen würden, verhandeln. Sprich, mit den USA selbst. Ein mögliches Abkommen schien zum Greifen nahe, bis zu dem Tweet heute Nacht von US-Präsident Donald Trump.

Aber ein Abkommen müsse nach wie vor das Ziel bleiben, sagt der ehemalige Verteidigungsminister Tamim Asey: "Ich glaube, die Gespräche zwischen den USA und den Taliban werden nun erst einmal ausgesetzt, aber sie sind noch nicht komplett abgesagt. Sie werden sicher fortgesetzt. Ich fürchte allerdings, dass jetzt wieder mehr Blut fließen wird. Die Taliban werden Trump zeigen wollen, dass sie ihren Dschihad fortsetzen."

Das befürchten auch die Menschen in Kabul. Auf den Straßen in der Hauptstadt hängen Wahlplakate, Ende September soll ein neuer Präsident gewählt werden. Dabei haben die Taliban schon gewarnt, dass jeder, der sich an der Wahl beteiligt, ein Angriffsziel sein könnte. Einige Afghanen hatten sich schon Hoffnungen gemacht, dass ein Abkommen zwischen den USA und den Taliban langfristig zum Frieden führen könnte in ihrem Land.

Trump bricht Friedensgespräche mit Taliban ab
tagesschau 20:00 Uhr, 08.09.2019, Claudia Buckenmaier, ARD Washington

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"Wir machen uns Sorgen"

Die Nachrichtenagentur Reuters hat Passanten gefragt, was sie davon halten, das US-Präsident Trump nun die Gespräche erst einmal auf Eis gelegt hat. "Jetzt wird es noch mehr Selbstmordanschläge geben, hier in der Stadt aber auch in den Provinzen. Wir machen uns Sorgen, weil nun noch mehr Zivilisten sterben werden", sagt Maisam Kazimi aus Kabul.

Ein anderer ist richtig wütend auf die USA: "Die US-Amerikaner wollen doch eh keinen Frieden hier in Afghanistan, die verfolgen doch nur ihre eigenen Ziele. Die Taliban, wenn sie wirklich Frieden wollen, dann sollten sie nicht mit den USA, sondern mit uns Afghanen selbst verhandeln."

Vor knapp einer Woche hatte der US-Sonderbeauftragte den Friedensplan zwischen den USA und den Taliban in Grundzügen präsentiert. Demnach sollten die USA in den kommenden fünf Monaten rund 5000 amerikanische Soldaten aus Afghanistan abziehen. Im Gegenzug hätten die Taliban ihre Angriffe verringert und Terrororganisationen wie Al-Kaida keinen Schutz mehr im Land geboten.

Diplomatische Lösung angestrebt

In den letzten Monaten hatte die US-Regierung immer wieder betont, dass der Krieg diplomatisch gelöst werden müsse. Auch der ehemalige Verteidigungsminister Tamim Asey sagt, dass nur eine politische Lösung für sein Land in Frage käme: "Allerdings ist die Frage, wie ein solches Abkommen aussehen könnte? Niemand möchte einen schlechten Deal abschließen, der dann zu einem Bürgerkrieg hier führen könnte."

Reaktionen auf Trumps Absage für Verhandlungen mit Taliban
Silke Diettrich, ARD Neu-Delhi
08.09.2019 12:58 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. September 2019 um 20:00 Uhr.

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