US-Präsident Donald Trump. | Bildquelle: REUTERS

Frieden in Afghanistan Trump bricht Verhandlungen mit Taliban ab

Stand: 08.09.2019 10:33 Uhr

US-Präsident Trump hat die Afghanistan-Friedensgespräche mit den Taliban überraschend abgebrochen. Der Grund ist ein tödlicher Anschlag. Auch ein auf amerikanischem Boden geplantes Geheimtreffen findet nicht statt.

Kurz vor einem erwarteten Abkommen zwischen den USA und den radikalislamischen Taliban hat US-Präsident Donald Trump weitere Friedensverhandlungen überraschend abgesagt. Trump schrieb auf Twitter, er habe ursprünglich für diesen Sonntag in Camp David geheime Treffen mit den Taliban und - getrennt davon - mit dem afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani geplant.

Wegen eines tödlichen Anschlags in der afghanischen Hauptstadt Kabul, bei dem auch ein US-Soldat ums Leben kam, habe er die Treffen aber abgesagt - und ebenso die weiteren Friedensgespräche mit den Taliban. Ob dies das endgültige Aus für die Verhandlungen beider Seiten ist oder die Gespräche nur ausgesetzt sind, blieb zunächst unklar.

Die afghanische Regierung lobte Trumps Bemühungen um einen Frieden am Hindukusch. Kabul schätze "die aufrichtigen Bemühungen seiner Verbündeten" und sei entschlossen, "mit den USA und anderen Verbündeten zusammenzuarbeiten, um einen dauerhaften Frieden zu erreichen", heißt es in einer Erklärung des afghanischen Präsidialamts. 

In der Stellungnahme wurde die Notwendigkeit betont, die afghanische Regierung direkt in die Friedensverhandlungen einzubeziehen. 

Die afghanische Regierung erklärte zudem, dass "das derzeitige Hindernis im laufenden Friedensprozess auf die anhaltende Gewalt und den anhaltenden Kampf der Taliban zurückzuführen ist". In der Mitteilung des Präsidentenpalastes in Kabul gibt es aber keinen direkten Bezug auf die jüngsten Trump-Äußerungen.  

Verhandlungen seit Juli 2018

Die USA und die Taliban sprechen seit Juli 2018 über eine politische Lösung des bald 18 Jahre dauernden Konflikts in Afghanistan. Der US-Chefunterhändler Zalmay Khalilzad hatte am Montag gesagt, man habe sich "grundsätzlich" auf ein Abkommen geeinigt. Die "grundsätzliche" Einigung sei aber erst endgültig, wenn sich Trump damit einverstanden erkläre. Sollte Trump zustimmen, könne das Abkommen in den kommenden Tagen verkündet werden.

Bei den Gesprächen ging es vor allem um Truppenabzüge und Garantien der Taliban, dass Afghanistan kein sicherer Hafen für Terroristen wird. In der Folge sollten innerafghanische Friedensgespräche geführt werden. Bisher hatten sich die Taliban geweigert, mit der Regierung in Kabul zu sprechen, die sie als "Marionette" des Westens betrachten. Auch ein Waffenstillstand war Thema.

Geheimtreffen in Camp David war geplant

Trump schrieb auf Twitter, führende Taliban-Vertreter und Ghani hätten eigentlich am Samstagabend in den USA ankommen sollen, um sich am Sonntag in Camp David mit ihm zu treffen. Fast niemand habe davon gewusst. Leider hätten die Taliban aber, "um ihre Verhandlungsposition zu stärken" einen Anschlag in Kabul begangen, bei dem ein US-Soldat und elf weitere Menschen getötet worden seien.

Er habe das Treffen daher sofort gestrichen - und auch die Friedensverhandlungen abgesagt. "Wenn sie keinen Waffenstillstand vereinbaren können während dieser sehr wichtigen Friedensgespräche, dann haben sie wahrscheinlich ohnehin nicht die Macht, ein bedeutsames Abkommen auszuhandeln."

Ein Taliban-Vertreter erklärte, er könne Trumps Darstellung vorerst nicht bestätigen, dass sich Taliban-Führer in Camp David mit dem US-Präsidenten hätten treffen sollen, sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur AP. "Das ist eine politische Frage", sagte er. "Wir warten auf unsere Führer und werden Sie auf dem Laufenden halten."

Angriffswelle in Afghanistan

Die radikalislamischen Taliban hatten ihre Angriffswelle in Afghanistan in den vergangenen Tagen fortgesetzt: Bei zwei Autobombenanschlägen in der Hauptstadt Kabul und in der östlichen Provinz Logar waren nach Behördenangaben am Donnerstag mindestens 16 Menschen getötet worden, darunter zwei NATO-Soldaten. Einer der Soldaten war Amerikaner.

Das US-Verteidigungsministerium hatte am Freitag mitgeteilt, am Donnerstag sei ein US-Soldat durch einen Bombenanschlag in Kabul getötet worden. Mit den beiden Autoanschlägen hatten die Taliban innerhalb von fünf Tagen fünf großangelegte Angriffe durchgeführt.

Trump bricht Friedensgespräche mit Taliban ab
Arthur Landwehr, ARD Washington
08.09.2019 06:30 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. September 2019 um 04:45 Uhr.

Darstellung: