Trump bei seiner Ankunft am Weißen Haus in Washington | Bildquelle: OLIVER CONTRERAS/POOL/EPA-EFE/RE

Friedensgespräche gescheitert Trump hält Taliban-Verhandlungen für "tot"

Stand: 10.09.2019 05:27 Uhr

US-Präsident Trump hat die Friedensbemühungen zwischen ihm und den radikalislamischen Taliban für endgültig gescheitert erklärt. Das sorgt für Gesprächsstoff in Washington.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

Das Ende der Friedensverhandlungen mit den Taliban hat das politische Washington gleich am ersten Tag nach der Sommerpause in Wallung gebracht. Die zentrale Frage war: Darf man überhaupt mit den Taliban verhandeln? Denen, die zuerst eine islamistische Schreckensherrschaft über Afghanistan brachten und dann die Terroristen des 11. September unterstützten? "Ich finde reden richtig. Ich habe mich während der vergangenen fast drei Jahre mit einer Menge schlechter Menschen getroffen", erklärt US-Präsident Donald Trump.

"Gespräche erst einmal gestorben"

Wenn man nicht rede, könne man auch keine Kriege beenden. Aber ein Verhalten wie das der Taliban jetzt, nämlich Bombenanschläge, ein getöteter amerikanischer Soldat, seien mit ihm nicht machbar. Für ihn seien die Gespräche erst einmal gestorben.

Jetzt geht die Diskussion darum, wie die Regierung Trump nur so naiv sein konnte und wenige Tage vor dem 11. September so wenig Fingerspitzengefühl habe. "Können Sie sich vorstellen, wie das für eine Familie wirkt, die jemanden am 11. September verloren hat und die nun den Präsidenten Hände schütteln sieht mit den Leuten, die die Terroristen versteckt haben, die das getan haben?", fragt der demokratische Abgeordnete Jim Himes, aus dessen Wahlkreis viele Menschen 2001 im World Trade Center ums Leben kamen.

"Keinerlei Anlass für Vertrauen"

Der pensionierte Oberstleutnant und Militäranalyst Ralph Peters hält den Ansatz überhaupt für falsch. Es gebe keinerlei Anlass für Vertrauen: "Wir haben früher mit Feinden verhandelt, aber nicht mit Terroristen, die Tausende Amerikaner getötet haben." Dafür gebe es keine gemeinsame Basis. Für die Taliban sei das ein religiöser Krieg, es gebe keinen Ehrenkodex, sich an Verträge mit Ungläubigen zu halten. Aber Trump sei das egal, der wolle ein Feigenblatt, um abziehen zu können.

Irgendwann müsse man reden, aber richtig, meint der Abgeordnete Himes. " Lass uns einen Deal machen. Aber kein Theater á la Trump. Das ist keine Gameshow, kein Reality-TV." Der Deal müsse leise geschlossen werden und dann müssten die Truppen aus Afghanistan geholt werden.

Trump macht sich zum Hardliner

Trump spürt, dass dies eine weit verbreitete Meinung ist, auch unter seinen Wählern. Und deshalb schwenkt er um, macht sich zum Hardliner: "Während der letzten vier Tage haben wir die Taliban härter getroffen als während der letzten zehn Jahre."

Der amerikanische Unterhändler Zalmay Khalilzad wurde erst einmal zurück gerufen. Die Truppen bleiben. Was auch bleibt, ist Trumps Wahlkampfversprechen, sie nach Hause zu holen. Und daran will er festhalten - nur zur richtigen Zeit, sagt er.

Trump hält Talibanverhandlungen für tot - Reaktionen in Washington
Arthur Landwehr, ARD Washington
10.09.2019 06:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. September 2019 um 05:25 Uhr.

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