US-Soldaten im Norden Syriens an der Grenze zur Türkei | Bildquelle: AP

US-Truppenabzug aus Syrien Schwerer Fehler mit bösen Folgen?

Stand: 20.12.2018 03:28 Uhr

Der US-Präsident ordnet den Rückzug der amerikanischen Truppen aus Syrien an. Dafür erntet er Kritik von vielen Seiten - und auch ungewolltes Lob. Trump verteidigt seine Entscheidung unterdessen.

Mit seiner Entscheidung für einen Truppenabzug aus Syrien stößt US-Präsident Donald Trump auf Kritik und Unverständnis in der eigenen Partei. Mehrere republikanische Senatoren und Abgeordnete bezeichneten den Schritt als schweren Fehler und warnten vor bösen Folgen eines überstürzten Rückzugs - auch für die Sicherheit der USA. Von den Demokraten kam ebenfalls Kritik. Die russische Regierung begrüßte Trumps Entschluss dagegen.

Nächste Phase des Einsatzes beginnt

Die US-Regierung hatte gestern überraschend den Truppenabzug verkündet. Man habe bereits damit begonnen, Soldaten aus Syrien abzuziehen, teilte das Weiße Haus mit. Die USA hätten das "territoriale Kalifat" der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) besiegt. Das bedeute nicht, dass die weltweite Koalition im Kampf gegen den IS oder ihre Kampagne beendet sei. Nun beginne aber die nächste Phase dieses Einsatzes.

In einer Videobotschaft auf Twitter verteidigte Trump sein Vorgehen: "Wir haben gegen den IS gewonnen", sagte er. "Nun ist es Zeit für unsere Soldaten, nach Hause zu kommen." Sie seien Helden.

Der Fernsehsender CNN berichtete, Trump habe bei seiner Entscheidung weder Außenminister Mike Pompeo noch Verteidigungsminister James Mattis einbezogen. Die "New York Times" schrieb, Vertreter des Pentagons hätten bis zuletzt vergeblich versucht, Trump von seinem Entschluss abzubringen.

Zeitplan wird noch erarbeitet

Regierungsvertreter erklärten auf Nachfragen von Journalisten, der Zeitplan für den Abzug werde noch erarbeitet. Auch andere Fragen zu Details ließen sie unbeantwortet. Die USA haben in Syrien etwa 2000 Soldaten, die offiziell zur Ausbildung und Beratung der syrischen Oppositionstruppen dort sind.

South Carolinas republikanischer Senator Lindsey Graham - zuletzt eigentlich ein eifriger Verteidiger Trumps - beklagte sich in diversen Tweets über die Entscheidung des Präsidenten. Der "IS" sei keineswegs besiegt. Ein Abzug der US-Truppen sei ein großer "Obama-mäßiger Fehler" und helfe dem "IS" bei seinem Bestreben, sich in der Region wieder auszubreiten.

Der republikanische Senator aus Florida, Marco Rubio, sprach von einem überstürzten Abzug und einem schrecklichen Fehler, der das Land noch auf Jahre verfolgen werde. Die Entscheidung sei gegen den Rat von Militärs gefallen und werde schwerwiegende Folgen für die USA haben.

Republikaner äußern sich irritiert

Colorados republikanischer Senator Cory Gardner rief Trump dazu auf, von seiner Entscheidung abzurücken. Auch Republikaner im Repräsentantenhaus äußerten sich besorgt und irritiert.

Die Frontfrau der Demokraten in der Kammer, Nancy Pelosi, bezeichnete es als voreilig, einen Sieg über den "IS" zu verkünden und die US-Truppen aus Syrien abzuziehen. Auch diverse Sicherheitsexperten sprachen von einem unüberlegten und waghalsigen Schritt, der dem noch längst nicht besiegten "IS" in die Hände spiele - wie auch der Regierung des syrischen Machthabers Baschar al-Assad, dem Iran und Russland.

Moskau lobt Trumps Entschluss

Aus Moskau kam prompt Lob für Trumps Entschluss. Eine Sprecherin des russischen Außenministeriums sagte Medien zufolge, nun gebe es eine echte Perspektive für eine politische Einigung. Die amerikanischen Truppen hätten sich in Syrien ohne eine entsprechende Aufforderung der syrischen Regierung und ohne UN-Mandat aufgehalten.

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 19. Dezember 2018 um 00:20 Uhr. Die tagesschau berichtete am 20. Dezember 2018 um 04:57 Uhr.

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