Donald Trump | Bildquelle: obs

Trump-Anhänger auf Staten Island "Er wird es machen!"

Stand: 27.08.2020 02:35 Uhr

Der New Yorker Vorort Staten Island ist die einzige Bastion von Trump-Wählern in der US-Metropole. Hier glauben seine Anhänger weiter unverzagt an die Stärke ihres Präsidenten.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

20 Minuten dauert die Fährfahrt in die andere Welt. Von Manhattan an Lady Liberty vorbei - zum Ufer von Staten Island. Das Tempo ist hier deutlich gedrosselt. Die Pendler, die aus der Fähre kommen, gehen nicht die Rolltreppe hoch. Sie stehen.

Die Uhren ticken anders in diesem Suburbia mit schnurgeraden Straßen, um die sich Holzhäuser mit Veranda und gepflegtem Vorgarten reihen. Im Rasen stecken viele Schilder, die es drüben in Manhattan nicht allzu häufig gibt: "Trump" steht darauf.

Staten Island die einzige Bastion Trumps in New York

Ich bin Republikaner, sagt Brandon fast trotzig. Der Afroamerikaner weiß: In New York ist er damit ein Exot. 2016 haben rund 80 Prozent für die Demokraten gestimmt - lediglich 17 Prozent für die Grand Old Party. Staten Island war der einzige Kongressbezirk in Trumps Heimatstadt, in dem er 53 Prozent der Stimmen bekam. Auch, wenn er gerade von einem Demokraten im Kongress vertreten wird.

"Ich weiß, dass es da draußen viele Republikaner gibt, die zum Beispiel LGBT unterstützen. Viele Afroamerikaner, Latinos, Minderheiten. Aber sie zeigen sich nicht, weil sie sich schämen."

Weil sie ohnehin schon Minderheiten seien und nicht auch noch auffallen wollten in der demokratischen Masse. Brandon sagt auch lieber seinen Nachnamen nicht.

"Brauchen klare Worte"

Früher sei er Demokrat gewesen. Aber dann habe er näher hingeschaut. Trump habe soviel für die Afroamerikaner getan. Was genau, kann Brandon jetzt nicht sagen. Er hat gerade das College hinter sich. Arbeitet jetzt als Grafiker. Seine Verlobte habe ihn überzeugt, Trump zu wählen.

"Die Leute hassen ihn, weil er so eine lose Zunge hat. Ja, er sagt manchmal unnötiges Zeug. Aber ganz ehrlich: Wir brauchen jemanden, der klare Worte redet und den Job hinkriegt."

Das denken viele Staten Islander. Rund eine halbe Million Menschen leben hier. Viele sind sogenannte First Responder - arbeiten als Polizisten oder Feuerwehrleute. Für sie gibt es nur einen Sieger bei der Wahl: Trump.

"Republikaner haben Krisen im Griff"

Auch Tom Michetti setzt auf seine Wiederwahl. Der IT-Mann verfolgt den Parteitag online. Virtuell sei das nicht so schön, sagt er. Kein richtiges Event. Um sich eine Meinung zu bilden, brauche er nur auf die Klickraten der Streams zu sehen.

"Die Demokraten: Kaum Zuschauer bei den Reden. Außer vielleicht bei Michelle Obama."

Die Konservativen hätten dagegen Leute mit Erfahrung. Die hätten die Krisen im Griff. Am Tiefgang der Wirtschaft trage Trump keine Schuld. Das sei Corona.

"Schauen Sie sich die Finanzmärkte an. Das ist verrückt: Wir haben Ende August. Covid ist sechs Monate da. Und die Märkte: Höher als je zuvor."

Trumps chaotischer Wirtschaftskurs treibt Wall Street in Bidens Arme

Michetti hat auch Geld mit Aktien gemacht. Gerade gibt es Berichte darüber, dass die Wall Street trotzdem zu Biden tendiert. Er kassiere deutlich mehr Spenden für seine Kampagne als Trump. Dessen chaotischer Wirtschaftskurs treibe viele Unterstützer in die Flucht. Alles Quatsch, meint Michetti:

"Ich glaube, wenn er gewinnt, wird das an den Märkten für großen Optimismus sorgen. Die Umfragen sagen gar nichts aus. Wie vor vier Jahren."

Ein Pickup Truck rauscht mit lauter Musik vorbei. Am Heck die US-Flagge. Michetti lacht. Ein Demokrat, sagt er, sei das sicher nicht.

 

"Er wird es machen!" - Trump-Anhänger auf Staten Island
Antje Passenheim, ARD New York
27.08.2020 07:58 Uhr

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