Donald Trump | AFP

Nach Twitter-Sperre Neue Heimat für @realDonaldTrump?

Stand: 09.01.2021 10:37 Uhr

Twitter war das Sprachrohr des scheidenden US-Präsidenten Trump. Nach seiner Sperre denkt er nun über eine eigene Plattform nach. Google und Apple reagierten auf die Hetze von Trump-Anhängern.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Twitter sei für ihn so etwas wie eine "Schreibmaschine", hatte US-Präsident Donald Trump 2019 in einem Interview mit Fox News gesagt. Tatsächlich war der Kurznachrichtendienst Trumps wichtigstes Sprachrohr und Draht zu seinen Anhängern. Mehr als 88 Millionen Follower hatte Trump auf seinem privaten Account @realDonaldTrump, doch dort findet man seit Freitag nur noch den Accountnamen und den Hinweis darauf, dass das Profil gesperrt wurde. Als Grund hieß es, dass Risiko zu weiterer Anstiftung zu Gewalt sei zu hoch.

Katharina Wilhelm ARD-Studio Los Angeles

"Große Sorge über weitere Ausschreitungen"

"Twitter denkt nicht nur an die Vergangenheit, sondern an die Zukunft, die nächsten Tage und Wochen", sagt Brian Stelter, Social-Media Experte beim Nachrichtensender CNN. "Es gibt wirklich große Sorge über weitere Ausschreitungen. Und deswegen wurde Trump gesperrt. Es ist das erste Mal, dass ein so mächtiger Politiker von Twitter gesperrt wurde."

Zuletzt hatte Trump unter anderem getweetet, dass er selbst nicht an der Vereidigungszeremonie des neuen US-Präsidenten Joe Biden teilnehme. Bei Twitter gab es offenbar Sorge, dass dieser Hinweis als Ermutigung dienen könnte, "dass die Vereidigung ein 'sicheres' Ziel sei", weil Trump selbst dort nicht anwesend sein wird.

Kritik von Trumps Sohn

Trump reagierte auf die Sperre von Twitter, indem er dem Unternehmen vorwarf, die Redefreiheit einzuschränken. Die Kritik ist nicht neu - auch Facebook und Instagram unterdrückten nach Trumps Ansicht die Meinung und Präsenz konservativer Stimmen. Trumps Sohn Donald Trump Jr. schrieb auf Twitter: "Redefreiheit existiert nicht mehr in Amerika. Sie starb mit den großen Tech-Unternehmen, und was übrig ist, ist nur noch für ein paar Auserwählte da."

Die große Frage sei, wo Trump und seine Anhänger nun hinwanderten, meint CNN-Reporter Donie O'Sullivan:

Es gibt andere Plattformen wie Parler mit geringerer Reichweite. Sie lassen Hassrede zu, alle Arten gewalttätiger Rhetorik, ohne Regeln. Das wird eine große Herausforderung. Wir haben gesehen, wie schwer es Facebook und Twitter gefallen ist, irgendwelche Regeln für Trump aufzustellen, bis zu dieser Woche.

Über Journalisten im Weißen Haus ließ Trump bereits ausrichten, dass er mit mehreren anderen Webseiten in Verhandlung stehe und auch den Aufbau einer eigenen Plattform in der nahen Zukunft in Betracht ziehe.

Parler aus App-Store entfernt

Tech-Konzerne wie Apple und Google regierten mit eigenen Maßnahmen gegenüber Trump-Anhängern auf der als rechts geltende Mikroblogging Seite Parler. Google bietet die App derzeit nicht mehr zum Herunterladen an, Apple warnte die Betreiber von Parler, dass sie binnen 24 Stunden die Moderationsregeln verbessern und Inhalte löschen sollten, die sich auf Angriffe auf Personen oder staatliche Einrichtungen jetzt oder zu einem späteren Zeitpunkt beziehen.

Trump bleibt theoretisch noch ein anderer Twitter Account: das Profil @POTUS, der offizielle US-Präsidentenaccount. Eine Nachricht, die er am Freitag von dort verschickte, wurde allerdings ebenfalls gelöscht. Offenbar darf Trump als Person von keinem Twitter-Account mehr Nachrichten verschicken. Bis zum 20. Januar steht der Präsidentenaccount allerdings noch der Trump-Administration zu Verfügung, danach übernimmt Joe Biden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. Januar 2021 um 09:50 Uhr.