Screenshot eines neuen Trump-Videos, in dem er die Krawalle am US-Kapitol verurteilt. | VIA REUTERS

Kritik nach Sturm auf US-Kapitol Trump verurteilt "abscheuliche Attacke"

Stand: 08.01.2021 08:33 Uhr

Donald Trump bemüht sich um Schadensbegrenzung: In einer neuen Videobotschaft verurteilte er den "abscheulichen Angriff" auf das Kapitol. Zuvor hatte es auch aus den eigenen Reihen scharfe Kritik gegeben.

Nach massiver Kritik hat US-Präsident Donald Trump die Erstürmung des Kapitols durch seine Anhänger nun doch verurteilt. Es habe sich um eine "abscheuliche Attacke" gehandelt, die bei ihm wegen "der Gewalt, Rechtlosigkeit und des Chaos" Empörung ausgelöst habe, sagte Trump in einem neuen Video.

Jene, die Gewalt angewendet hätten, repräsentierten nicht das Land. Und jene, die Gesetze gebrochen hätten, würden dafür zahlen. Trump sagte, dies sei ein Moment für "Heilung und Versöhnung". Es müsse wieder Ruhe einkehren.

Auf seine eigene Rolle bei der Anstachelung seiner Unterstützer ging er nicht ein. An deren Adresse sagte er hingegen, dass er wisse, dass sie "enttäuscht" seien. Er wolle sie aber wissen lassen, dass "unsere unglaubliche Reise gerade erst beginnt."

Trump verspricht geordneten Machtübergang

Sein Fokus werde nun darauf liegen, "einen ruhigen, geordneten und reibungslosen Machtübergang sicherzustellen", sagte Trump. Von Wahlbetrug sprach er diesmal nicht mehr.

Vor den Krawallen hatte der scheidende Präsident bei einer Kundgebung am Mittwoch vor Tausenden Anhängern zum Protestmarsch zum Kapitol aufgerufen, wo die Bestätigung der Wahlleutestimmen für den Wahlsieger Joe Biden erfolgen sollte. "Wenn ihr nicht kämpft wie die Hölle, werdet ihr kein Land mehr haben", hatte Trump den Demonstranten gesagt. Später waren seine Anhänger ins Kapitol eingedrungen.

In einer ersten Reaktion hatte er die Eindringlinge per Videobotschaft aufgefordert, nach Hause zu gehen, verurteilte die Gewalt aber nicht und bekräftigte die Vorwürfe des Wahlbetrugs.

Scharfe Kritik aus den eigenen Reihen

Viele republikanische Parteifreunde Trumps übten zudem scharfe Kritik am Präsidenten und an seinen gewalttägigen Anhängern. McConnell sagte mit Blick auf die gestrigen Ereignisse, es habe zwar ein "massives Versagen" der Polizei und anderer Beamte gegeben. Die Schuld liege letztendlich jedoch bei den Kriminellen, die in das Kapitol eingebrochen seien, und bei den Menschen, die sie aufgestachelt hätten.

Ex-Justizminister William Barr sagte, es sei nicht zu entschuldigen, "einen Mob zu orchestrieren", um Druck auf den Kongress auszuüben. Trumps Verhalten sei ein "Verrat an seinem Amt und an seinen Unterstützern". Im Kabinett hatte Barr zu Trumps loyalsten und tatkräftigsten Fürsprechern gehört. Mitte Dezember trat er aber nach Spannungen mit dem Präsidenten zurück.

Aufruf zur Amtsenthebung

Einige Republikaner beließen es nicht bei Kritik. Der republikanische Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus, Adam Kinzinger, rief sogar zu einer Amtsenthebung Trumps auf. Dazu solle der 25. Verfassungszusatz angewendet werden, der eine Amtsenthebung des Präsidenten regele, erklärte Kinzinger. "Alles deutet darauf hin, dass der Präsident sich losgelöst hat, nicht nur von seiner Pflicht oder sogar seinem Eid, sondern von der Realität selbst." Trumps sofortige Absetzung forderten auch die Demokraten - allen voran die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi.

Das eher konservative "Wall Street Journal" forderte Trump in einem Meinungsbeitrag am Abend zum Rücktritt auf.

Bilderstrecke

Der Tag, als das Kapitol in Washington gestürmt wurde

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. Januar 2021 um 09:00 Uhr.