Treffen der Präsidenten Trump und Putin | Bildquelle: REUTERS

Nach Helsinki-Treffen Putin springt Trump zur Seite

Stand: 19.07.2018 22:20 Uhr

Während sich US-Präsident Trump in Widersprüche über das Treffen in Helsinki verstrickt, stellt sich Russlands Präsident Putin auf seine Seite und behauptet, bestimmte Kräfte in den USA wollten die Ergebnisse leugnen.

US-Präsident Donald Trump freut sich auf ein zweites Treffen mit Wladimir Putin. Er bat seinen Nationalen Sicherheitsberater John Bolton, den russischen Präsidenten für ein Treffen im Herbst nach Washington einzuladen. Das bestätigte die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Sarah Huckabee Sanders.

Zuvor hatte ein Tweet die bereits heftige Debatte über die Ergebnisse des ersten bilateralen Treffens weiter angeheizt. Die Begegnung sei ein großer Erfolg gewesen. Es seien die "Fake News Media", die die Ergebnisse schlecht redeten, schrieb Trump.

Einen ähnlichen Ton schlug Putin an. "Bestimmte Kräfte in den USA" versuchten, die Ergebnisse kleinzureden und zu leugnen, behauptete der Präsident in einer Rede vor dem diplomatischen Corps in Moskau. Er habe in Helsinki viele wichtige Dinge angesprochen. Aber "natürlich wäre es naiv zu glauben, alle Probleme in wenigen Stunden lösen zu können, die sich über die Jahre angesammelt haben", sagte er.

Putin spricht von "nützlichen Abmachungen"

Das Treffen habe nützliche Abmachungen hervorgebracht, so Putin. Einzelheiten nannte er indes nicht. Unklar bleibt, worüber beide in ihrem zweistündigen Gespräch geredet haben. Kongressabgeordnete fordern deshalb, dass Dolmetscher und das Team der Sicherheitsberater von Trump aussagen sollen.

Für scharfe Kritik auch aus den Reihen der Republikaner hatte die Weigerung Trumps gesorgt, Putin für eine Einmischung Russlands in die US-Präsidentenwahl 2016 verantwortlich zu machen. Später erklärte Trump, er habe sich versprochen. Dem TV-Senders CBS sagte Trump, er würde Putin persönlich für eine russische Einmischung bei der Wahl verantwortlich machen. Bei seinen Gesprächen mit dem russischen Präsidenten habe er sehr deutlich gemacht, dass es solche Einmischungen nicht geben dürfe.

Fehlende Absprachen mit dem US-Außenministerium

Eine weitere Kontroverse entspann sich um ein Angebot Putins, US-Ermittler könnten russische Verdächtige befragen, die an der Einmischung in die US-Wahl beteiligt gewesen sein sollen. Im Gegenzug forderte Putin die Befragung von elf US-Amerikanern, denen die russische Führung Korruption und Betrug vorwirft. Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Sarah Huckabee Sanders erklärte zunächst, Trump werde dies in Betracht ziehen.

Doch ganz offenbar war dies nicht mit dem Außenministerium in Washington abgesprochen: Die Behauptungen über elf amerikanische Staatsbürger seien absurd, teilte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert, mit. Die USA stünden nicht zu den Anschuldigungen der russischen Führung. Diese erhebt Vorwürfe unter anderem gegen den früheren US-Botschafter in Russland, Michael McFaul, und den britischen Geschäftsmann und Kremlkritiker Bill Browder. Browder war treibende Kraft hinter einem US-Gesetz, das auf russische Regierungsvertreter und deren Menschenrechtsverstöße zielte.

Trump weist Putins Vorschlag zurück

Nach der Stellungnahme des US-Außenministeriums wies auch Trump den Vorschlag Putins zurück. Es sei ein aufrichtiges Angebot des russischen Präsidenten, aber Trump stimme nicht zu, teilte seine Sprecherin Sanders mit. Sie äußerte die Hoffnung, dass Putin die zwölf verdächtigen Russen in die USA schickt, damit deren Schuld oder Unschuld geklärt werden könne.

Der ehemalige US-Botschafter in Russland, McFaul. (Archivbild aus dem Jahr 2014) | Bildquelle: AP
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Der ehemalige US-Botschafter in Russland, McFaul, gerät in die Kontroverse um die Befragung russischer Verdächtiger. (Archivbild aus dem Jahr 2014)

Die Nachrichtenagentur Bloomberg schrieb, die Befragung eines ehemaligen US-Botschafters mit diplomatischem Schutz während seines Aufenthalts in Moskau wäre ein einmaliger Bruch der Schutzregeln, die dem Auslandspersonal traditionell gewährt werden.

Ähnliche Debatten nach G20-Gipfel

Schon das erste Treffen Trumps mit Putin beim G20-Gipfel in Hamburg vor einem Jahr hatte Kontroversen darüber ausgelöst, was beide hinter verschlossenen Türen miteinander besprochen und vereinbart haben könnten.

Mehrfach stellte sich die russische Führung hinter Trump gegen vermeintliche "russophobe Kräfte" in den USA, die angeblich eine Annäherung zwischen Trump und Putin verhindern wollten. Diese Formulierung hatte Russlands Außenminister Sergej Lawrow zum Beispiel verwendet, als der Kongress 2017 Sanktionen gegen Russland verhängte und Trump den Maßnahmen mit seiner Unterschrift zustimmte.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. Juli 2018 um 16:45 Uhr.

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