Melania und Donald Trump besichtigen die Schäden auf Puerto Rico | Bildquelle: AFP

Trump zu Besuch Puerto Rico - keine "echte Katastrophe"?

Stand: 04.10.2017 05:34 Uhr

Fast zwei Wochen ist es her, dass Hurrikan "Maria" Puerto Rico verwüstete - immer noch sind die meisten Inselbewohner ohne Strom. Jetzt war Präsident Trump in dem US-Außengebiet zu Besuch. Aber nicht alle dürften mit seinem Auftritt zufrieden gewesen sein.

US-Präsident Donald Trump hat bei seinem Besuch der von Hurrikan "Maria" schwer verwüsteten Karibikinsel Puerto Rico die Zahl der Todesopfer relativiert. "Wenn man sich eine echte Katastrophe wie 'Katrina' anschaut mit Aberhunderten von Toten, und sieht, was hier bei dem Sturm passiert ist mit 16 Toten, könnt ihr sehr stolz sein", sagt er bei einem Treffen mit Militärs, Rettungskräften und Politikern in der Hauptstadt San Juan.

Kurz nach Trumps Abflug teilte Gouverneur Ricardo Rosselló allerdings mit, die Zahl der Todesopfer sei auf mindestens 34 gestiegen. Weite Teile der Karibikinsel sind noch immer abgeschnitten. Die Behörden erhalten nur langsam Informationen aus abgelegenen Regionen. Beobachter hatten bereits darauf hingewiesen, dass die Opferzahl noch steigen dürfte.

Fast zwei Wochen nach dem Durchzug von "Maria" machte sich Trump auf Puerto Rico ein Bild von den Schäden und dem Stand der Aufräumarbeiten. Er sprach mit Opfern, Einsatzkräften und Politikern. "Wir haben viele großartige Menschen hier, die sehr hart arbeiten", sagte Trump. "Wir können sehr stolz darauf sein, was wir in Puerto Rico leisten."

Hurrikan-Hilfen in Aussicht

Das US-Präsidialamt kündigte unterdessen an, beim Kongress Katastrophenhilfen in Höhe von 29 Milliarden Dollar beantragen zu wollen. Davon seien fast 13 Milliarden Dollar an unmittelbarer Unterstützung für Hurrikan-Opfer vorgesehen, sagte ein Regierungsvertreter. Diese Mittel dürften bis zum Jahresende reichen. Ferner solle der Kongress der staatlichen Hochwasser-Versicherung Schulden in Höhe von 16 Milliarden Dollar erlassen. Denn dem Programm, das rund fünf Millionen Haushalte und Betriebe versichert, gehe schon bald das Geld aus, sagten Kongressmitarbeiter.

Strommasten liegen über einer Straße in Puerto Rico | Bildquelle: AFP
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"Maria" hatte Puerto Rico frontal getroffen und schwere Verwüstungen angerichtet.

"Maria" hatte Puerto Rico frontal getroffen und schwere Verwüstungen angerichtet. Die meisten Bewohner des US-Außengebiets haben keinen Strom. Es fehlt an Lebensmitteln, Trinkwasser und Medikamenten. Er rechne mit Schäden von über 90 Milliarden US-Dollar (76,6 Mrd Euro), sagte Gouverneur Rosselló.

"Ich bin stinksauer"

Zuvor war Kritik laut geworden, dass die Hilfsmaßnahmen zu langsam anliefen. "Wir sterben hier, und ihr tötet uns mit der Ineffizienz und eurer Bürokratie", schimpfte zuletzt die Bürgermeisterin von Puerto Ricos Hauptstadt San Juan, Carmen Yulín Cruz. "Ich habe genug davon, höflich zu sein. Ich bin stinksauer."

Nach Trumps Besuch zeigte sie sich jetzt zuversichtlicher. Die Treffen zwischen lokalen Helfern und Mitarbeitern des Weißen Hauses seien produktiv gewesen. Sie hoffe, dass neue Kommunikationswege zur Regierung das anschiebe, was dringend gebraucht werde, um Leben zu retten. In einem Interview mit dem TV-Sender CNN sagte Cruz, Trump spucke manchmal Kommentare aus, die die Puerto Ricaner sehr verletzten. Er sei manchmal eher "oberste Kommunikationspanne" als Oberster Befehlshaber.

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Warum brauchte Trump fast zwei Wochen?

Kritisiert wurde vor allem, dass Trump so lange brauchte, um sich um die Katastrophe in Puerto Rico zu kümmern. Nach den Hurrikans "Harvey" und "Irma" war er innerhalb von Tagen nach Texas und Florida gereist.

Trump wies die Kritik zurück: "Ich glaube, wir haben in Puerto Rico genauso gut reagiert wie in Texas und Florida." Zwar sind mittlerweile viele Hilfsgüter und Einsatzkräfte aus den USA in Puerto Rico eingetroffen, allerdings gestaltet sich die Auslieferung von Lebensmitteln und Trinkwasser an die Betroffenen wegen der zerstörten Infrastruktur und fehlender Kommunikation schwierig. Zahlreiche Container stecken in Häfen und auf Flughäfen fest.

Hohe Verschuldung

Puerto Rico hatte bereits vor "Maria" mit einer schweren Wirtschaftskrise zu kämpfen. Insgesamt liegt die Schuldenlast bei rund 70 Milliarden US-Dollar (rund 64 Milliarden Euro), hinzu kommen ungedeckte Pensionsansprüche. Washington hat die Insel bereits unter Finanzaufsicht gestellt. Die Verbindlichkeiten sollen nun in einer Art Konkursverfahren restrukturiert werden.

Auch bei seinem Besuch im Katastrophengebiet hielt Trump den Puerto Ricanern die hohen Kosten für die Rettungseinsätze und die Aufräumarbeiten vor. "Puerto Rico, es tut mir leid euch das sagen zu müssen, aber ihr habt unser Budget ein bisschen durcheinandergebracht", sagte der US-Präsident.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Oktober 2017 um 09:00 und 12:00 Uhr.

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