Ein Demonstrant hält ein Porträt von George Floyd in die Höhe | Bildquelle: AFP

Rassismus-Debatte in den USA Trump relativiert Polizeigewalt gegen Schwarze

Stand: 15.07.2020 07:25 Uhr

Präsident Trump hat die tödliche Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA heruntergespielt. Der Tod von George Floyd sei "schrecklich" gewesen - doch es würden mehr Weiße von der Polizei getötet als Schwarze.

Knapp zwei Monate nach dem Tod von George Floyd bei einer brutalen Festnahme hat US-Präsident Donald Trump das Problem der Polizeigewalt gegen Schwarze relativiert. Floyds Tod sei "schrecklich" gewesen, aber es würden in den USA "mehr Weiße" von der Polizei getötet als Schwarze, sagte Trump in einem Gespräch mit dem Sender CBS.

Zur Frage der Journalistin, warum Schwarze in den USA immer noch von Polizisten getötet würden, sagte Trump: "Was für eine schreckliche Frage."

Schwarze tragen ein höheres Risiko

Es gibt in den USA keine landesweite amtliche Statistik zu Tötungen durch die Polizei. Studien zeigen aber, dass schwarze Amerikaner ein viel höheres Risiko tragen, von der Polizei getötet zu werden. Nach absoluten Zahlen sind es zwar mehr Weiße, doch diese stellen auch einen deutlich größeren Anteil der US-Bevölkerung.

Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Analyse der "Washington Post": Seit 2015 haben Polizisten in den USA demnach rund 5400 Menschen erschossen, die zumeist bewaffnet waren. Davon waren 45 Prozent weiß, obwohl Weiße rund 60 Prozent der US-Bevölkerung stellen. 23 Prozent der Getöteten waren Schwarze, die nur 13 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen.

Statistiken der Todesfälle durch Schusswaffen geben nur zum Teil Einblick in das Handeln der Polizei: Im Fall Floyds etwa fiel gar kein Schuss. Auch Studien der Regierung zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Gewaltanwendung durch Polizisten gegenüber Schwarzen höher ist.

Kritik von Bürgerrechtlern

Jeffrey Robinson von der US-Bürgerrechtsgruppe ACLU kritisierte Trumps Äußerungen vor diesem Hintergrund scharf. Die Antwort des Präsidenten lasse nicht nur die Tatsache außer Acht, dass schwarze und andere nichtweiße Menschen unverhältnismäßig häufig von der Polizei getötet würden, erklärte Robinson. Trumps Worte lieferten zudem die Grundlage für die gefährlichen und verfassungswidrigen Polizeimethoden, die regelmäßig zum Tod schwarzer Menschen führten.

"Trumps Rassismus ist so absolut, dass er sich weiterhin weigert, auch nur eine stillschweigende Anerkennung der Epidemie der Polizeigewalt gegen schwarze Menschen in Amerika zu zeigen", rügte Robinson.

Trump verurteilte Floyds Tod als Einzelfall

Trump verurteilte Floyds Tod als Einzelfall. Ihm wird jedoch vorgeworfen, sich trotz der landesweiten Proteste nicht klar gegen systematischen Rassismus und Polizeigewalt in den USA zu positionieren. Trump konzentrierte sich vor allem darauf, die Gewalt am Rande weitgehend friedlicher Demonstrationen zu kritisieren.

Der Schwarze Floyd war am 25. Mai bei einer Festnahme in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota getötet worden. Ein weißer Beamter drückte sein Knie minutenlang auf Floyds Hals, während dieser flehte, ihn atmen zu lassen. Sein Tod führte im ganzen Land zu Massenprotesten gegen Polizeigewalt und Rassismus.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Juli 2020 um 04:00 Uhr.

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