Proteste gegen US-Präsident Donald Trump in Pittsburgh | Bildquelle: JARED WICKERHAM/EPA-EFE/REX/Shut

Nach Synagogen-Attentat Pittsburgh empfängt Trump mit Protest

Stand: 31.10.2018 09:04 Uhr

In Pittsburgh wollte Trump der Opfer des Synagogen-Attentats gedenken, doch bei vielen Bewohnern der Stadt stieß sein Besuch auf Kritik. Sie empfingen den US-Präsidenten mit massivem Protest.

Von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Donald Trump kommt mit seiner Frau Melania, seiner Tochter Ivanka und seinem Schwiegersohn Jared Kushner nach Pittsburgh. Sie legen weiße Rosen nieder und zünden Kerzen an der Synagoge an, in der am Samstag elf Menschen erschossen wurden. Im Krankenhaus besucht Trump Überlebende des Attentats.

Offizielle Statements gibt es nicht. Warum er nach Pittsburgh kommt, hat Trump zuvor aber im Interview mit "Fox News" erklärt: "Ich will meinen Respekt zeigen. Ich freue mich darauf, dort hin zu fahren. Ich wäre auch schon früher gekommen, aber ich wollte nicht mehr Aufregung verursachen, als es eh schon gibt."

Eine Frau demonstriert gegen den Besuch von US-Präsident Donald Trump in Pittsburgh. | Bildquelle: REUTERS
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Tausende protestieren in Pittsburgh: Diese Demonstrantin bezeichnet Trump als "Präsident Hass".

Trump bei vielen nicht willkommen

Es ist der Tag, an dem die ersten Opfer des Attentats in einer Synagoge in Pittsburgh beerdigt werden. Dass der US-Präsident hier vielen nicht willkommen ist, machen die Menschen unmissverständlich klar. Tausende versammeln sich in den Straßen, protestieren gegen Trumps Besuch.

Sie halten Schilder hoch, auf denen steht "Entwaffne Hass" oder "Deine Hassreden haben Konsequenzen". Mehrere hochrangige Politiker aus Washington sollen nach Medienberichten abgelehnt haben, mit Trump nach Pennsylvania zu reisen.

Politiker lehnen Treffen mit Trump ab

Rich Fitzgerald, Vertreter des Bezirks, ist überzeugt, dass ein späterer Zeitpunkt für den Besuch besser gewesen wäre. Die Menschen würden gerade versuchen, die Tat zu verarbeiten. Sowohl der Bürgermeister von Pittsburgh als auch der Gouverneur von Pennsylvania, beides Demokraten, lehnten es ab, sich mit Trump zu treffen. Am Straßenrand zeigen Menschen der Fahrzeugkolonne des Präsidenten den Mittelfinger und senken den Daumen.

Der Rabbi der "Tree of Life"-Synagoge, Jeffrey Meyers, begrüßt hingegen Trump und dessen Familie: "Der Präsident ist immer willkommen. Ich bin ein Bürger, er ist mein Präsident. Er ist willkommen."

US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania Trump legen Steine vor der Tree-of-Life-Synagoge in Pittsburgh nieder - im Judentum ein Akt des Totengedenkens. | Bildquelle: AP
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US-Präsident Trump und First Lady Melania Trump legen Steine vor der "Tree of Life"-Synagoge in Pittsburgh nieder - im Judentum ein Akt des Totengedenkens.

"Stelle des obersten Trösters nicht besetzt"

Eric Swalwell, Abgeordneter der Demokraten im Repräsentantenhaus, kritisiert, dass Trump seiner Aufgabe als US-Präsident nicht gerecht werde: "Es ist herzzerreißend. Die Stelle des obersten Trösters ist im Moment nicht besetzt. Der Präsident hat die Bomben nicht geschickt, keine Waffe selbst abgefeuert, aber er hat ein Umfeld in unserem Land geschaffen, wo er Hass anstachelt und Menschen motiviert, tödliche Angriffe zu begehen."

Die Diskussion um Trumps Worte und seinen Ton geht eine Woche vor der wichtigen Kongresswahl weiter. In Pittsburgh wurden Plakate hochgehalten: "Worte sind wichtig". In den kommenden Tagen wird Trump vor allem bei seinen zahlreichen Wahlkampfauftritten besonders unter Beobachtung stehen.

In Pittsburgh werden unterdessen in den nächsten Tagen alle Opfer des Attentats beerdigt. Dafür will die Stadt vor allem eins: Ruhe und Zeit zu trauern.

Kondolenzbesuch nach Synagogen-Attentat: Trump in Pittsburgh nicht willkommen
Martina Buttler, ARD Washington
31.10.2018 08:57 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 31. Oktober 2018 um 07:30 Uhr.

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