Trump spricht neben einer Reihe US-Flaggen am Flughafen von Wisconsin | Bildquelle: AFP

Kommission angekündigt Trump will "patriotische Bildung" fördern

Stand: 18.09.2020 10:23 Uhr

Für US-Präsident Trump wird in Amerika zu viel über die Rolle der Sklaverei in der Geschichte des Landes gesprochen. Ein neues Gremium soll das ändern und die Liebe zum Land fördern. In Schulen soll es mehr "patriotische Bildung" geben.

Mitten in der Debatte über Rassismus und Diskriminierung in den USA setzt Präsident Donald Trump eine Kommission zur Förderung "patriotischer Bildung" ein. Die Ausschreitungen in amerikanischen Städten in den vergangenen Monaten seien ein Ergebnis von "Jahrzehnten linker Indoktrination in unseren Schulen", sagte Trump.

"Amerika mit Herz und Seele lieben"

Dabei werde versucht, Schüler dazu zu bringen, sich für die Geschichte des Landes zu schämen. Das sei "eine Form des Kindesmissbrauchs", sagte Trump. Die per Präsidentenerlass gebildete Kommission für patriotische Bildung solle das ändern. "Unserer Jugend wird beigebracht werden, Amerika mit ihrem ganzen Herzen und ihrer ganzen Seele zu lieben", sagte Trump. "Wir wollen, dass unsere Söhne und Töchter wissen, dass sie Bürger der außergewöhnlichsten Nation der Weltgeschichte sind."

Das Gremium soll den Namen "1776 Kommission" tragen. 1776 war das Jahr der Loslösung der 13 Kolonien in Nordamerika von Großbritannien. Das Komitee solle Pädagogen unter anderem dazu ermuntern, Schüler über "das Wunder der amerikanischen Geschichte" zu lehren.

Reaktion auf "1619 Project" der "New York Times"?

Der Schritt gilt Beobachtern zufolge als Reaktion auf das "1619 Project" der "New York Times", einer Serie über den 400. Jahrestag des Beginns der Sklaverei in den USA und die gesellschaftlichen Beiträge von schwarzen Amerikanern. Auf Basis eines preisgekrönten Essays für das Projekt der Zeitung wurde Schulmaterial konzipiert, das das Wissen über Sklaverei mehren soll, laut der "New York Times" aber nicht die Geschichte umschreiben soll.

In seiner Rede am Donnerstag griff der Präsident speziell das "1619"-Projekt an. Trump sprach von einem Kreuzzug gegen die amerikanische Geschichte - "toxische Propaganda, ideologisches Gift", die das Land zu zerstören drohten.

Die Sklaverei war in den USA erst nach dem Bürgerkrieg mit dem 13. Zusatz zur US-Verfassung 1865 abgeschafft worden. Unter den Gründervätern der USA 1776 waren mehrere Sklavenhalter.

Versuch, bei weißer Wählerschaft zu punkten?

Beobachter werteten Trumps Rede als Versuch, verstärkt bei seiner weißen Wählerbasis zu punkten. Kritiker werfen ihm vor, schon seit langem Kulturkämpfe in Amerika zu befeuern.

Schon länger gibt es in Amerika eine Debatte darüber, ob Rassismus in Institutionen und Alltag verankert ist - und darüber, inwieweit die frühe Geschichte der Vereinigten Staaten von der Sklaverei geprägt wurde.

Die Kontroverse spitzte sich in den vergangenen Monaten nach dem Tod schwarzer Amerikaner durch Polizeigewalt und den zum Teil gewalttätigen Protesten dagegen zu.

Vor der Präsidentenwahl am 3. November bezogen Trump und sein demokratischer Herausforderer Joe Biden klar Position auf verschiedenen Seiten der Debatte. Biden sprach Anfang des Monats davon, dass sich Amerika seiner "Ursünde" der Sklaverei und ihrer Folgen stellen müsse. Trump verneinte stets, dass es systematischen Rassismus in den USA oder in Institutionen wie der Polizei gebe.

Justizminister kritisiert "Black Lives Matter"-Bewegung

Für Diskussionen sorgte auch ein Auftritt von US-Justizminister William Barr im konservativen Hillsdale College am Vortag. Er hatte der Bewegung "Black Lives Matter", die Diskriminierung und Polizeigewalt gegen schwarze Amerikaner anprangert, vorgeworfen, sie sei nicht wirklich am Schicksal der Menschen interessiert. Sie nutzten "eine kleine Zahl von Schwarzen, die von der Polizei während Konflikten mit der Polizei getötet werden, normalerweise weniger als ein Dutzend pro Jahr, aus, um eine breitere politische Agenda zu verfolgen", sagte Barr bei dem Auftritt. Er machte keine Angaben dazu, woraus diese Agenda aus seiner Sicht bestehe.

Kritik an Barr für Corona-Vergleich

Kritik erntete der Justizminister auch für einen Vergleich an dem Abend. Ein landesweiter Lockdown in der Corona-Krise wäre wie Hausarrest, sagte er. "Neben der Sklaverei, die eine andere Art von Einschränkung war, ist das die größte Verletzung bürgerlicher Freiheiten in der amerikanischen Geschichte", behauptete Barr. Der demokratische Kongressabgeordnete James Clyburn bezeichnete das als "lächerlichste, unsensibelste, entsetzlichste" Äußerung, die er je gehört habe.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. September 2020 um 08:00 Uhr in den Nachrichten.

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