US-Verteidigungsminister James Mattis gestikuliert bei einer Pressekonferenz im Pentagon | Bildquelle: REUTERS

Keine Fortschritte bei Abrüstung Ende der US-Euphorie mit Nordkorea?

Stand: 29.08.2018 07:47 Uhr

Die Bilder vom Treffen Trumps mit Kim Jong Un gingen um die Welt - konkrete Abrüstungsschritte Nordkoreas fehlen den USA aber. Deshalb machen sie Druck, auch mit möglichen Militärmanövern.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Das US-Militär hat keine Pläne, weiter auf große Manöver mit Südkorea zu verzichten, sagt Verteidigungsminister James Mattis. Auch wenn er ergänzt: Eine Entscheidungen über neue Übungen sei im Moment noch nicht gefallen.

Trotzdem kommt seine Bemerkung zu einer schwierigen Zeit: Denn die Euphorie scheint verflogen. US-Präsident Donald Trump kommt mit Nordkorea nicht voran. Verteidigungsminister Mattis dämpft seit Wochen die Erwartungen: "Unterm Strich gab es Fortschritte", das habe die ganze Welt gesehen, so Mattis. "Uns war aber auch klar, dass die Verhandlungen eine Herausforderung sein werden. Der Krieg begann 1950 und endete nie."

Absage der Außenministerreise

Nach allem, was bekannt ist, hatten Präsident Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong Un bei ihrem Treffen in Singapur im Juni zumindest in groben Zügen vereinbart, Atomwaffen auf der koreanischen Halbinsel zu vernichten. Aber seitdem hat Nordkorea keinen Versuch unternommen, einseitig abzurüsten, wie es die US-Administration verlangt.

Foto der Vereinbarung zwischen Trump und Kim. | Bildquelle: AFP
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Das war die Vereinbarung zwischen Trump und Kim - seither fehlen aber konkrete Fortschritte.

In einem Brief an US-Außenminister Pompeo warnte die Führung in Pjöngjang sogar, die Gespräche könnten scheitern. Wie jetzt bekannt geworden ist, legte Pompeo den Brief vergangene Woche im Weißen Haus vor. Daraufhin fiel die Entscheidung, die angekündigte Reise des Außenministers nach Pjöngjang wieder abzusagen.

Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert, erklärt, Pompeo fliege schließlich nicht zum Spaß nach Nordkorea, sondern für "ernsthafte, inhaltliche Gespräche". "Diese Art der Gespräche gab es bereits. Aber nach Ansicht des Präsidenten gibt es keine Fortschritte bei der nuklearen Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel."

US-Geheimdienste und Vertreter des Militärs haben immer wieder über ihre Zweifel gesprochen, dass Nordkorea tatsächlich bereit ist, einseitig auf seine Atomwaffen zu verzichten - zunächst auch ohne Gegenleistungen der USA.

Tatsächliche Erfolge oder naives Vorgehen?

Die Freilassung von Gefangenen, die Freigabe der Gebeine von gefallenen US-Soldaten des Koreakriegs - all das betrachtet Präsident Trump als Erfolg. Doch Vertreter des Verteidigungsministeriums halten der Administration offenbar vor, ihr Vorgehen im Konflikt mit Nordkorea sei naiv, meldet der Fernsehsender PBS.  

Mit der US-Flagge geschmückte Särge mit den Gebeinen gefallener US-Soldaten in Honolulu | Bildquelle: AFP
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Die Freigabe von Gebeinen von im Koreakrieg gefallenen US-Soldaten wertete Trump als Erfolg.

Verteidigungsminister Mattis will bei seiner Pressekonferenz darauf nicht eingehen: "Wir engagieren uns weiter in dem Prozess, der von der Diplomatie geführt wird. Unsere Aufgabe ist es, die Diplomaten zu unterstützen."

Traditionell üben Militärs aus den USA und Südkorea bei Manövern im Frühjahr. Das heißt, Politiker und Diplomaten bleibt noch Zeit, Nordkorea zu Fortschritten zu drängen. Mattis hat mit seiner Bemerkung aber klar gemacht, dass der US-Präsident in naheliegender Zukunft eine Entscheidung treffen muss, wie es mit Nordkorea weiter gehen soll.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. August 2018 um 08:00 Uhr.

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