Region Bears Ears | AP

Dekret unterzeichnet Trump stutzt Naturschutzgebiete massiv

Stand: 05.12.2017 07:35 Uhr

Auf den ersten Blick verkleinert US-Präsident Trump zwei Naturschutzgebiete um 8000 Quadratkilometer. Auf den zweiten Blick wird klar: Hierbei geht es erneut darum, Entscheidungen seines Vorgängers rückgängig zu machen.

Von Gabi Biesinger, ARD-Studio Washington

Seit Monaten hatten Naturschützer mit TV-Spots davor gewarnt, was sich da zusammenbraut: Innenminister Ryan Zinke stellte landesweit 150 US-Naturschutzgebiete und Parks auf den Prüfstand und nahm 27 genauer unter die Lupe. Das Ziel schien aus Sicht der Umweltschützer klar zu sein: Zinke will den Naturschutzgebieten an den Kragen und sie den Bürgern als Erholungsregionen nehmen.

Gabi Biesinger ARD-Studio London

Bei einem Besuch im Bundesstaat Utah unterzeichnete US-Präsident Donald Trump nun die Anordnung, die beiden Naturschutzgebiete "Bears Ears" und "Grand Staircase-Escelante" zu verkleinern.

Trump will "Landraub" beenden

Bei seinem Besuch in Salt Lake City nannte Trump diesen Schritt historisch und erklärte, jetzt werde Unrecht beseitigt. Denn Vorgängerregierungen hätten mit einem Bundesgesetz zum Schutz von öffentlichen Gebieten "Landraub betrieben". "Einige Leute glauben, dass die Naturressourcen von Utah von einer Handvoll weit entfernter Bürokraten in Washington kontrolliert werden sollten. Und wissen Sie was? Die liegen falsch", sagte Trump.

US-Präsident Trump hält lächelnd ein soeben unterschriebenes Dekret in die Höhe | AP

US-Präsident Trump zeigte das soeben unterschriebene Dekret lächelnd vor. Bild: AP

Durch sein Dekret würden "unnötige Restriktionen" für die Jagd, die Viehzucht und "verantwortungsvolle wirtschaftliche Entwicklung" beseitigt, so Trump. Die Gebiete dürfen künftig auch für Öl- und Gasbohrungen, Bergbau, Holzfällerei und andere wirtschaftliche Aktivitäten genutzt werden.

Phil Lyman, zuständiger Bezirksvertreter von San Juan County, begrüßte Trumps Entschluss. "Wir wollen nichts weniger schützen. Schließlich werden mit dem aktuellen Schutzstatus auch Horden von Erholungssuchenden angezogen, die durch eine sensible Landschaft trampeln", sagte er.

8000 Quadratkilometer Naturschutzzonen gestrichen

Das Schutzgebiet um die beiden Kuppen "Bears Ears", die wie Bärenohren aus der Landschaft ragen, soll um 80 Prozent schrumpfen, das Gebiet des "Grand Staircase Escalante Monuments" um die Hälfte. Insgesamt werden 8000 Quadratkilometer Naturschutzzone gestrichen - eine Fläche, die drei Mal so groß ist wie das Saarland.

"Grand Staircase-Escalante" war bereits 1996 vom demokratischen Präsidenten Bill Clinton geschützt worden. Erst vor einem Jahr hatte Trumps Vorgänger, der demokratische Präsident Barack Obama "Bears Ears", auch auf Bitten von Ureinwohnern, zum Naturschutzgebiet erklärt. Dort werden etwa 100.000 historische Artefakte vermutet, bestimmte Regionen gelten den Ureinwohnern als heilig.

US-Präsident Obama | dpa

Trumps Amtsvorgänger Barack Obama... Bild: dpa

Bill Clinton spricht bei der Trauerfeier.  | dpa

...und Bill Clinton hatten die Naturschutzgebiete geschaffen. Bild: dpa

Navajo kündigen Klage an

Der Nationalrat der Navajo will gegen Trumps Entscheidung klagen. Ethel Branch, oberste Anwältin der Navajo, sagte: "Um unsere Identität als Navajo weiter sicherzustellen, brauchen wir freien Zugang zu Gebieten wie Bears Ears."

Doch nicht nur einheimische Stämme, sondern auch die Demokraten und Umweltschützer kritisieren Trumps Pläne. Knapp 3000 Demonstranten hatten sich in Salt Lake City versammelt. Die politische Konkurrenz vermutet, dass der Präsident republikanischen Wahlkampfspendern entgegenkommen möchte.

Demonstranten in Salt Lake City | AP

Die Entscheidung Trumps führte zu Protesten. Bild: AP

Klagen könnten bis zum Obersten Gerichtshof gehen

Brian Howard von Natur-Magazin "National Geographic" nennt Trumps Schritt im Fernsehsender CBS beispiellos. "In der Geschichte der USA hat noch nie ein Präsident Naturschutzzonen in dieser Größenordnung aufgehoben. Und die Klagen könnten jetzt bis zum Obersten Gerichtshof gehen", sagt er.

Und auch ob das nicht erst der Anfang war, bleibt vorerst offen. "Der Bericht, den Innenminister Zinke erstellt hat, ist nie veröffentlicht worden. Also wissen wir nicht, ob da in den nächsten Monaten noch mehr passiert", so Howard.   

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KOMMENTARE

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ex_Bayerndödel 05.12.2017 • 14:55 Uhr

Am 05. Dezember 2017 um 10:12 von Kokolores2017

"Insofern führt Trump nur eine üble Tradition der Landnahme weiter." Ich muss Ihnen zustimmen. Das Lied "As long as the grass shall grow" ist ein bisschen vor der Amtszeit von Trump entstanden.