Joe Biden | AFP

Coronavirus im Weißen Haus Biden erwägt Absage von TV-Duell

Stand: 07.10.2020 04:08 Uhr

Im Trump-Umfeld greift das Coronavirus weiter um sich. Der US-Präsident verharmlost das Virus derweil erneut. Sein Herausforderer Biden stellt nun die Teilnahme an der nächsten TV-Debatte in Frage.

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden erwägt, die zweite Fernsehdebatte mit US-Präsident Donald Trump kommende Woche aussetzen, falls Trump zu diesem Zeitpunkt noch positiv auf das Coronavirus gestestet sein sollte. "Wenn er noch Covid hat, sollten wir keine Debatte führen", sagte Biden mitreisenden Reportern auf seiner Wahlkampftour. Trump hält ungeachtet seiner Infektion an dem Duell fest. "Ich freue mich auf die Debatte am Donnerstagabend, dem 15. Oktober, in Miami", schrieb Trump am Dienstag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. "Es wird großartig!"

Im engen Kreis Trumps breitet sich das Virus weiter aus: Stephen Miller, leitender Berater des Weißen Hauses, wurde am Dienstag positiv auf das Virus getestet. "In den letzten fünf Tagen habe ich von zu Hause aus in Selbstisolation gearbeitet und bis gestern jeden Tag negative Tests erhalten", sagte Miller. "Heute wurde ich positiv auf Covid-19 getestet und bin in Quarantäne."

Zugang zu Trump begrenzt

Als Vorsichtsmaßnahme arbeite Trump in provisorischen Büroräumen in der Residenz und nicht im Oval Office, erklärten Regierungsmitarbeiter. Nur vier leitende Angestellte erhielten persönlichen Zugang zum Präsidenten. Neben Miller sind auch die enge Trump-Beraterin Hope Hicks, die Sprecherin des Weißen Hauses Kayleigh McEnany, Trumps Kampagnenmanager Bill Stepien und die republikanischen Senatoren Mike Lee, Thom Tillis und Ron Johnson infiziert.

Der Zustand Trumps sei nach seiner Rückkehr aus dem Krankenhaus ins Weiße Haus nach Angaben seines Arztes unverändert gut. Trump habe dem Ärzteteam keine Corona-Symptome gemeldet, erklärte Leibarzt Sean Conley. Die Werte des 74-Jährigen seien stabil. Sein Blut weise einen Sauerstoffsättigungsgrad zwischen 95 und 97 Prozent auf. "Insgesamt geht es ihm weiterhin extrem gut", erklärte Conley.

Trump war nach drei Tagen im Walter-Reed-Militärkrankenhaus am Montagabend entlassen worden und hatte sich im Präsidentenhubschrauber Marine One zurück ins Weiße Haus fliegen lassen. Dort zog er sich die Gesichtsmaske herunter und wurde - immer noch ohne Maske - im Inneren des Gebäudes von Mitarbeitern umringt, obwohl er nach wie vor ansteckend ist.

Twitter versteckt Corona-Tweet hinter Warnhinweis

In einem Video am Montagabend rief er die Amerikaner auf, keine Angst vor dem Virus zu haben. "Wir werden es besiegen." Nun legte er in einem Tweet nach und verglich das Virus mit der normalen Grippe. "Die Grippesaison steht bevor! Viele Leute, manchmal mehr als 100.000, sterben jedes Jahr an der Grippe, trotz der Impfung. Werden wir unser Land zusperren? Nein, wir haben gelernt, damit zu leben, genauso wie wir lernen, mit Covid zu leben, in vielen Bevölkerungsgruppen viel weniger tödlich!!!", schrieb Trump.

Twitter markierte den Tweet und versteckte ihn hinter einem Warnhinweis. Die Online-Plattform schrieb, Trumps Tweet verstoße gegen die Richtlinien zur Verbreitung von irreführenden und potenziell schädlichen Informationen über Covid-19. Mit einem Klick können Nutzer die Nachricht aber lesen.

Weißes Haus: Trump ist Corona-"Überlebender"

Auch Experten wiesen die Äußerungen des Präsidenten umgehend zurück und betonten, die Corona-Pandemie sei viel gefährlicher als die alljährlichen Grippewellen. Nach Schätzungen der US-Gesundheitsbehörde CDC starben seit 2010 jährlich zwischen 12.000 und 61.000 Menschen an der Grippe. An den Folgen einer Corona-Infektion sind in den USA in diesem Jahr bereits mehr als 210.000 Menschen gestorben, die weltweit höchste Zahl.

Trotz der Ungewissheit über den Ausgang der Covid-19-Erkrankung von Trump wagt das Weiße Haus bereits Prognosen über sein Auftreten in der nächsten TV-Debatte gegen Herausforderer Biden. Sprecherin Alyssa Farah sagte im US-Fernsehsender Fox News, sie erwarte, dass Trump eine "neue Mentalität" in Bezug auf das Coronavirus an den Tag legen werde. Er habe ja bereits Freunde durch das Virus verloren und mit den Amerikanern getrauert. "Aber jetzt kommt er selbst als Überlebender. Und ich denke, das wird man in dieser Debatte hören."

Trump laut Leibarzt noch nicht über den Berg

Dagegen hatte Trumps Leibarzt Conley kurz vor der Entlassung des US-Präsidenten aus der Klinik gesagt, dass Trump erst in einer Woche über den Berg sein dürfte. Der Präsident erfülle aber alle medizinischen Kriterien für eine Entlassung.

Dem US-Präsidenten sind eine Reihe von Medikamenten verabreicht worden, darunter ein noch experimentelles Antikörper-Mittel. Ob Trump noch weitere Medikamente bekommen sollte, sagte Trumps Leibarzt Conley nicht. Im Weißen Haus werde es aber 24 Stunden am Tag eine "medizinische Betreuung auf Weltklasse-Niveau" für den Präsidenten geben.

Generäle in Quarantäne

Derweil haben sich auch mehrere hochrangige Generäle, darunter Generalstabschef Mark Milley, Medienberichten zufolge wegen eines Corona-Kontakts vorsorglich in Quarantäne begeben. Sie arbeiteten bis auf Weiteres von Zuhause, berichteten unter anderem der Sender CNN sowie mehrere US-Zeitungen. Das Verteidigungsministerium erklärte daraufhin, die Betroffenen seien auf eine mögliche Infektion hin getestet worden. Bislang habe keiner von ihnen, darunter auch Anführer der Teilstreitkräfte, Krankheitssymptome. Das Militär sei unverändert einsatzbereit, zumal die Führung der Streitkräfte ihren Dienst auch an einem "alternativen Arbeitsplatz" nachgehen könne.

Die Generäle hatten den Medienberichten zufolge vergangene Woche im Pentagon an Besprechungen teilgenommen, bei denen auch der Vizechef der Küstenwache, Admiral Charles Ray, zugegen war. Bei Ray war ein Test auf das Coronavirus nach Angaben der Küstenwache am Montag positiv ausgefallen. Er hatte sich testen lassen, nachdem er am Wochenende leichte Symptome gehabt habe, hieß es.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. Oktober 2020 um 09:00 Uhr.