Trump steigt in den Hubschrauber, nachdem er das Walter Reed Militärkrankenhaus verlassen hat. | Bildquelle: dpa

Leibarzt über Trump "Es geht ihm weiterhin extrem gut"

Stand: 06.10.2020 21:44 Uhr

Nach seiner Corona-Infektion erholt sich Trump laut seiner Ärzte weiter gut, über den Berg ist er aber noch nicht. Dennoch hat der US-Präsident das Virus auf Twitter erneut verharmlost und mit der Grippe verglichen - mit Folgen.

Der Zustand von US-Präsident Donald Trump ist nach seiner Rückkehr aus dem Krankenhaus ins Weiße Haus nach Angaben seines Arztes unverändert gut. Trump habe dem Ärzteteam keine Corona-Symptome gemeldet, erklärte Leibarzt Sean Conley. Die Werte des 74-Jährigen seien stabil. Sein Blut weise einen Sauerstoffsättigungsgrad zwischen 95 und 97 Prozent auf. "Insgesamt geht es ihm weiterhin extrem gut", erklärte Conley.

Trump war nach drei Tagen im Walter-Reed-Militärkrankenhaus am Montagabend entlassen worden und hatte sich im Präsidentenhubschrauber Marine One zurück ins Weiße Haus fliegen lassen. Dort zog er sich die Gesichtsmaske herunter und wurde - immer noch ohne Maske - im Inneren des Gebäudes von Mitarbeitern umringt, obwohl er nach wie vor ansteckend ist.

Twitter versteckt Corona-Tweet hinter Warnhinweis

In einem Video am Montagabend rief er die Amerikaner auf, keine Angst vor dem Virus zu haben. "Wir werden es besiegen." Nun legte er in einem Tweet nach und verglich das Virus mit der normalen Grippe. "Die Grippesaison steht bevor! Viele Leute, manchmal mehr als 100.000, sterben jedes Jahr an der Grippe, trotz der Impfung. Werden wir unser Land zusperren? Nein, wir haben gelernt, damit zu leben, genauso wie wir lernen, mit Covid zu leben, in vielen Bevölkerungsgruppen viel weniger tödlich!!!", schrieb Trump.

Twitter markierte den Tweet und versteckte ihn hinter einem Warnhinweis. Die Online-Plattform schrieb, Trumps Tweet verstoße gegen die Richtlinien zur Verbreitung von irreführenden und potenziell schädlichen Informationen über Covid-19. Mit einem Klick können Nutzer die Nachricht aber lesen.

Weißes Haus: Trump ist Corona-"Überlebender"

Auch Experten wiesen die Äußerungen des Präsidenten umgehend zurück und betonten, die Corona-Pandemie sei viel gefährlicher als die alljährlichen Grippewellen. Nach Schätzungen der US-Gesundheitsbehörde CDC starben seit 2010 jährlich zwischen 12.000 und 61.000 Menschen an der Grippe. An den Folgen einer Corona-Infektion sind in den USA in diesem Jahr bereits mehr als 210.000 Menschen gestorben, die weltweit höchste Zahl.

Trotz der Ungewissheit über den Ausgang der Covid-19-Erkrankung von Trump wagt das Weiße Haus bereits Prognosen über sein Auftreten in der nächsten TV-Debatte gegen Herausforderer Joe Biden. Sprecherin Alyssa Farah sagte im US-Fernsehsender Fox News, sie erwarte, dass Trump eine "neue Mentalität" in Bezug auf das Coronavirus an den Tag legen werde. Er habe ja bereits Freunde durch das Virus verloren und mit den Amerikanern getrauert. "Aber jetzt kommt er selbst als Überlebender. Und ich denke, das wird man in dieser Debatte hören."

Trump laut Leibarzt noch nicht über den Berg

Dagegen hatte Trumps Leibarzt Conley kurz vor der Entlassung des US-Präsidenten aus der Klinik gesagt, dass Trump erst in einer Woche über den Berg sein dürfte. Der Präsident erfülle aber alle medizinischen Kriterien für eine Entlassung.

Dem US-Präsidenten sind eine Reihe von Medikamenten verabreicht worden, darunter ein noch experimentelles Antikörper-Mittel. Ob Trump noch weitere Medikamente bekommen sollte, sagte Trumps Leibarzt Conley nicht. Im Weißen Haus werde es aber 24 Stunden am Tag eine "medizinische Betreuung auf Weltklasse-Niveau" für den Präsidenten geben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Oktober 2020 um 20:00 Uhr.

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