Trump-Unterstützer in Texas skandieren mit gereckter Faust "Sperrt sie ein" - gemeint ist Hillary Clinton. | Bildquelle: AFP

Politisches Klima in den USA "Hier werden Menschen aufgewiegelt"

Stand: 27.10.2018 17:42 Uhr

Kurz nachdem US-Präsident Trump mehr Anstand gefordert hat, macht er erneut "die Medien" für die Paketbomben-Serie verantwortlich. Die Debatte, wie stark er selbst zum Hass aufwiegelt, läuft auf Hochtouren.

Von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Als Donald Trump am Freitagabend auf einer Bühne in North Carolina steht und zur Einheit aufruft, gibt es Applaus von den Menschen: "Politische Gewalt darf nie in den USA erlaubt sein und ich werde alles tun, um das zu stoppen", verspricht er da. 

Wenige Stunden zuvor hatten Ermittler einen Verdächtigen in der Paketbomben-Serie festgenommen. Insgesamt 14 Päckchen mit explosivem Material, allesamt an Trump-Kritiker adressiert, wurden inzwischen abgefangen.

Kurz nachdem der US-Präsident einen neuen Ton und mehr Anstand fordert, schießt Trump einmal mehr gegen die Medien und macht sie verantwortlich für das, was passiert ist. Er beklagt unfaire Berichterstattung.

Trump hatte schon im Wahlkampf aufgewiegelt

Seine Anhänger rufen laut "CNN sucks", was übersetzt soviel heißt wie: CNN ist scheiße. Auch der Verdächtige hat in der Vergangenheit Plakate mit diesen Worten hoch gehalten. Das CNN-Gebäude in New York war diese Woche evakuiert worden, nachdem dort ein verdächtiges Päckchen gefunden worden war. Trump blieb sich treu, als er Politiker der Demokraten wie Chuck Schumer als "Crying Chuck" bezeichnete und auch Hillary Clinton wieder als Lügnerin Hillary tituliert.

Die Reaktion seiner Anhänger kommt prompt und vielstimmig: Sie rufen "Lock her up", "sperrt sie ein". Ein Ruf, den Trump im Wahlkampf vor zwei Jahren immer angeführt hat - die Forderung, die ehemalige Außenministerin ins Gefängnis zu bringen.

US-Präsident Donald Trump während einer Wahlkampfveranstaltung in North Carolina. | Bildquelle: AFP
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US-Präsident Donald Trump liebt den großen Auftritt - wie hier während einer Wahlkampfveranstaltung in North Carolina.

Ohios Gouverneur Kasich kritisiert Trump

John Kasich, Gouverneur von Ohio, ist einer der wenigen Republikaner, der sich bei CNN kritisch dazu äußert, wie Trump die Stimmung anheizt: "Es ist eine der Aufgaben eines Präsidenten, die Menschen zu beruhigen. Man kann sagen 'Wir haben Probleme'. Man kann damit entweder Menschen Angst machen oder man kann sagen: 'Ok, wir gehen das zusammen an und ändern etwas daran'", sagt er.

 Der republikanische Kongressabgeordnete Mark Walker aus North Carolina hingegen nimmt Trump in Schutz: "Ich glaube Trump. Ich glaube, er will tief in seinem Herzen Einheit. Ich glaube, er will eine friedlichere Einheit", glaubt er. Walker ist im Wahlkampf, will wieder ins Repräsentantenhaus gewählt werden. Beobachter meinen, dass es für Republikaner schwer sein wird, sich zu entscheiden, ob sie Trump wenige Tage vor der Wahl angreifen oder sich lieber zurückhalten mit Kritik.

Antwort an den Wahlurnen der Midterm Elections

Andrew Cuomo, Gouverneur von New York, steht am 6. November auch zur Wiederwahl. In seinem Bundesstaat sollten zahlreiche der Pakete ankommen. Cuomo ist Demokrat und seine Kritik am US-Präsidenten ist deutlich: "Der Präsident der USA ist nicht länger in einer Talkshow, er ist der Präsident, die Menschen hören auf ihn. Hier werden Menschen aufgewiegelt und sie werden erleben, dass sie darauf reagieren", sagt er.

Die Diskussion, wieviel Anteil Trumps Beschimpfungen und Beleidigungen von politischen Gegnern daran haben, dass sich jemand zum Versand von Paketbomben ermutigt fühlt, läuft auf Hochtouren.

Die Frage ist, wer davon am Ende profitiert: ob es die Republikaner mehr zusammenschweißt oder die Demokraten so umtreibt, dass sie in großen Zahlen wählen gehen. Die Antwort wird es an den Wahlurnen geben.

Trump heizt im Wahlkampf weiter ein
Martina Buttler, ARD Washington
27.10.2018 17:24 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 27. Oktober 2018 um 17:45 Uhr.

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