Klimaschützerin weint nach Trump-Sieg | Bildquelle: AP

Klimatreffen in Marrakesch Trump - der Schatten über dem Gipfel

Stand: 12.11.2016 16:44 Uhr

Auf Donald Trump als US-Präsident dürfte beim Klimagipfel in Marrakesch niemand gehofft haben. Nach seinem Wahlsieg flossen bei Aktivisten Tränen - unter den Delegierten war der Schock spürbar. Denn Trump dürfte als ausgesprochener Klimagegner für Probleme sorgen.

Von Stefan Ehlert, ARD-Studio Nordwestafrika, zzt. in Marrakesch

Vor den Toren von Marrakesch hat die Zukunft schon begonnen. Denn die Bauern nutzen für die Bewässerung ihrer Olivenplantagen solargetriebene Pumpen. Sonnenenergie sei einfach billiger als Gas und Öl, berichtet Mohamad Aman vom Vorstand der Pumpenkooperative. Die Energiewende haben er und seine Nachbarn einfach selbst in die Hand genommen. Die Dörfler setzen um, worum ein paar Kilometer weiter bei der Weltklimakonferenz noch gerungen wird.

Marrakesch während der Klimakonferenz | Bildquelle: AFP
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Auf den "Geist von Marrakesch" setzen die Klimaschützer. Doch seit dem Wahlsieg von Trump hat der Ausdruck eine völlig andere Bedeutung bekommen.

Was macht China?

Denn erst langsam verarbeiten die Gipfelteilnehmer den Schock der US-Wahlen. "Jetzt hat Amerika einen Präsidenten gewählt, der auf Isolation setzt, aber wir können nicht die Erfolge in Frage stellen, weil Amerika einen neuen Präsidenten gewählt hat", sagt Martin Frick, der die Welternährungsorganisation FAO in Marrakesch vertritt. Mit Erfolg meint Frick das Pariser Abkommen von 2015. Darin haben sich alle Länder verpflichtet, die durchschnittliche Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen. Ohne die USA ist das kaum möglich. Verweigern sie sich, ihren Treibhausgasausstoß zu verringern, könnten andere den Ausstieg aus fossilen Energien wie Kohle und Öl ebenfalls abbremsen.

Gespannt wartete der Gipfel deshalb auf die Reaktion der chinesischen Delegation: Man habe die Industrie und insbesondere die energieintensiven Industrien aufgefordert, schon ab 2020 die Treibhausgas-Emissionen zu begrenzen und man stehe zu seinen Versprechen, sagte ein Vertreter der Chinesen. Das wurde in Marrakesch als Antwort auf die US-Wahlen aufgefasst. Nach dem Motto: Trump hin oder her, die Emissionen müssen runter. Wie das gehen soll, will die Klimakonferenz in einem Regelbuch festlegen - bis 2018 muss es fertig sein.

"Was auf dem Tisch liegt, reicht nicht aus"

Von guten Fortschritten war nach einer die Woche die Rede, auch wenn an Streitpunkten kein Mangel herrscht: "Die große Frage ist: Wer macht mehr? Was auf dem Tisch liegt, reicht nicht aus", sagt Niklas Höhne, Wissenschaftler vom New Climate Institute in Köln. Umstritten sind Haftungsfragen: Wer zahlt für die Schäden, die der Klimawandel anrichtet? Und wie viel Geld sollen die armen Länder bekommen, um sich auf die Folgen der Erderwärmung vorzubereiten?

Über all den schwierigen Debatten liegt der Schatten von Donald Trump, sagt ein Delegierter des Umweltministeriums in Gabun: "Trump war ja schon immer gegen die Klimagipfel. Das war jedenfalls seine Meinung im Wahlkampf. Aber wir müssen abwarten, ob er das, was er gesagt hat, auch umsetzt."

Negativpreis für Deutschland

Abwarten, weitermachen, neue Strategien finden - notfalls auch ohne die USA - das war in dieser Woche der Tenor in Marrakesch. Hunderte Umweltschutzorganisationen haben dort Mitte der Woche einen Preis für den schlimmsten Klimasünder ausgelobt - das Fossil des Tages. Doch der ging nicht etwa an den Klimaskeptiker Trump. Deutschland erhielt den Preis, weil es noch immer keinen überzeugenden Klimaschutzplan vorgelegt habe. Doch jetzt gibt es einen. Umweltministerin Barbara Hendricks muss am Montag doch nicht mit ganz leeren Händen anreisen.

Cop22 Marrakesch: Weitermachen trotz Trump
S. Ehlert, ARD Rabat, zzt. Marrakesch
12.11.2016 16:32 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. November 2016 um 23:41 Uhr.

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