Trump | Bildquelle: REUTERS

Drohung an Gouverneure Trump fordert Öffnung der Kirchen - sofort

Stand: 22.05.2020 21:50 Uhr

Trotz der mehr als 1,5 Millionen Corona-Infektionen in den USA fordert Präsident Trump, Gotteshäuser wieder zu öffnen - und zwar schon an diesem Wochenende. Das Problem: Das können nur die Bundesstaaten veranlassen, denen er deshalb drohte.

US-Präsident Donald Trump hat die Gouverneure in den Bundesstaaten zur sofortigen Öffnung von Gotteshäusern in der Corona-Krise aufgefordert. Trump erklärte Kirchen und andere Gotteshäuser wie Synagogen und Moscheen bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus zu "essenziellen Orten, die essenzielle Dienste anbieten". Essenzielle Einrichtungen wie etwa Supermärkte können nach den Coronavirus-Richtlinien der Gesundheitsbehörde CDC in der Pandemie geöffnet bleiben. Trump genießt besonders bei weißen evangelikalen Christen starke Unterstützung.

Leere Drohung?

Der Präsident rief die Gouverneure der US-Bundesstaaten dazu auf, Gotteshäuser schon an diesem Wochenende wieder zu öffnen - und schickte gleich eine Drohung hinterher. "Wenn sie das nicht tun, werde ich mich über die Gouverneure hinwegsetzen." Die Sprecherin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany, machte keine Angaben dazu, auf welcher Basis sich Trump über die Gouverneure hinwegsetzen wolle. Sie sagte, das sei eine hypothetische Frage. Ausgangs- und Versammlungsbeschränkungen in den USA sind Sache der Bundesstaaten.

Trump kritisierte weiter, einige Gouverneure hätten "Alkoholläden und Abtreibungskliniken als essenziell erachtet, aber Kirchen und andere Gotteshäuser außen vor gelassen. Das ist nicht richtig. Ich korrigiere diese Ungerechtigkeit."

Trumps Sprecherin McEnany | Bildquelle: AP
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Trumps neue Sprecherin McEnany geht offenbar selbst nicht davon aus, dass Trump seine Drohung umsetzen kann - denn sie nannte Fragen, wie dies geschehen solle, "hypothetisch".

Kirche als Infektionsherd

Die Gesundheitsbehörde CDC warnt regelmäßig vor großen Zusammenkünften. Erst vor wenigen Tagen hatte sie berichtet, dass es in einer Kirche im Bundesstaat Arkansas im März zu einer massenhaften Ansteckung durch das Coronavirus gekommen war. Von 92 Menschen, die die Kirche zwischen dem 6. und 11. März besuchten, hätten sich 35 infiziert. Drei Menschen seien in der Folge gestorben. 26 weitere Infektionsfälle in der Gemeinde seien in Verbindung mit der Kirche gebracht worden.

Alle US-Bundesstaaten haben Schutzmaßnahmen in der Pandemie inzwischen gelockert oder haben Lockerungen angekündigt. In vielen Bundesstaaten sind Gottesdienste oder andere religiöse Zusammenkünfte aber weiterhin nicht erlaubt.

Trump drängt Gouverneure zu Lockerungen

Dem Republikaner Trump geht die Öffnung besonders in einigen von demokratischen Gouverneuren regierten Bundesstaaten nicht schnell genug. Er drängt die Bundesstaaten zu einer schnellen Lockerung der Schutzmaßnahmen, damit die schwer angeschlagene Wirtschaft wieder in Gang kommt. Die USA sind besonders hart von der Corona-Pandemie betroffen. Die Wissenschaftler der Johns-Hopkins-Universität haben fast 1,6 Millionen bestätigte Coronavirus-Infektionen verzeichnet. Mehr als 95.000 Menschen kamen ums Leben - mehr als in jedem anderen Land.

Präsident Trump will Kirchen wieder öffnen – auch über die Gouverneure hinweg
Katrin Brand, ARD Washington
23.05.2020 09:58 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. Mai 2020 um 01:30 Uhr.

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