Pat Cipollone ist auf einer Leinwand zu sehen, als er in eine Anhörung des Untersuchungssausschusses des US-Kongress zum Angriff auf das Kapitol geschaltet ist. | AP

US-Untersuchungsausschuss Plante Trump Kapitol-Angriff im Voraus?

Stand: 13.07.2022 02:46 Uhr

Ex-Präsident Trump soll den Angriff seiner Anhänger auf das Kapitol lange im Voraus geplant und dabei bewusst rechte Gruppen angesprochen haben. Zu diesem Ergebnis kommt der Untersuchungsausschuss im Kongress.

Der damalige US-Präsident Donald Trump hat nach Auffassung des Untersuchungsausschusses zum Sturm aufs Kapitol im Januar 2021 den Marsch Tage zuvor geplant - und gewaltbereite Rechtsextreme direkt angesprochen. "Die Beweise zeigen, dass es sich um eine bewusste Strategie handelte, die der Präsident im Voraus beschlossen hatte", sagte das demokratische Ausschussmitglied Stephanie Murphy in der öffentlichen Anhörung.

Trump twitterte schon zuvor Protestaufruf

Denn schon zuvor hatte Trump seine Anhänger aufgefordert, am 6. Januar nach Washington zu kommen. Konkret geht es dabei um einen Tweet vom 19. Dezember. "Großer Protest in D.C. am 6. Januar. Seid dabei, es wird wild!", twitterte Trump damals. Das habe nach Auffassung von Ausschussmitglied Jamie Raskin in der rechten Szene "explosive Wirkung" entfaltet und bei der Mobilisierung eine zentrale Rolle gespielt. Trump habe damit rechte Gruppen direkt angesprochen, so der Ausschuss.

Der Ausschuss zeigte anhand von Textbotschaften und Videos, wie Vertreter der Organisationen Proud Boys und Oath Keepers sofort reagierten. In Foren von Rechtsradikalen war von einer "Roten Hochzeit" die Rede - ein Hinweis auf Massenmord. Jemand rief dazu auf, Handschellen mitzubringen.

Treffen mit Trump zuvor eskaliert

Dem Tweet soll am 19. Dezember laut Zeugen ein brisantes Treffen zwischen Trump und Mitarbeitern vorausgegangen sein, das in Streit ausartete.

Dabei sollen laut einem Zeugen Trumps Anwälte - unter ihnen Rudy Giuliani - den Entwurf für einen Präsidenten-Erlass vorgelegt haben, mit dem Wahlmaschinen beschlagnahmt werden sollten. Der Trump-Berater Pat Cipollone sagte aus, dies sei eine "schreckliche Idee" gewesen. "So regeln wir Dinge in den Vereinigten Staaten nicht", sagte er demnach. Schließlich sei das Treffen in Geschrei ausgeartet. Am nächsten Morgen habe Trump dann besagten Tweet abgesetzt.

Das Ausschussmitglied Stephanie Murphy urteilte, Trumps Tweet habe nicht nur als Aufruf zum Handeln, sondern bei einigen auch als Ruf zu den Waffen gedient. Bein Sturm von Trump-Anhängern auf den Sitz des US-Kongresses kamen fünf Menschen zu Tode. Vier Polizisten, die an dem Tag im Einsatz waren, nahmen sich später das Leben.

Ein Kapitolstürmer zeigt Reue

Ein Teilnehmer des Sturms auf das US-Kapitol distanzierte sich während der Anhörung deutlich von Trump. Er sei am 6. Januar 2021 erst auf Trumps Appell hin nach Washington gegangen, erklärte der Zeuge Stephen Ayres. Er habe sich von dessen falschen Wahlbetrugsvorwürfen einfangen lassen und wirklich geglaubt, dass Trump an jenem Tag mit ihnen zum Kapitol marschieren würde. Er habe auch eine kleine Chance gesehen, dass das Ergebnis der Präsidentschaftswahl noch gekippt werden könnte.

Heute bereue er, den Lügen Trumps Glauben geschenkt zu haben. "Ich hatte das Gefühl, als ob ich Scheuklappen aufgehabt hatte", sagte Ayres. "Ich war die ganze Zeit gefangen." Der Zeuge hatte auch eine Botschaft an andere Trump-Anhänger. "Nehmt die Scheuklappen ab; stellt sicher, dass ihr einen Schritt zurücktritt und seht, was da vor sich geht, ehe es zu spät ist." Über seine Teilnahme am Sturm auf das Kapitol sagte Ayres: "Es hat mein Leben verändert - und nicht zum Guten."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 12. Juli 2022 um 21:30 Uhr.