US-Präsident Trump Seite an Seite mit EU-Kommissionspräsident Juncker vor dem Weißen Haus | Bildquelle: REUTERS

Interview mit Juncker Abkommen mit USA am seidenen Faden

Stand: 27.07.2018 21:54 Uhr

Der "Deal" zwischen US-Präsident Trump und EU-Kommissionspräsident Juncker war keinesfalls sicher. Die US-Regierung habe massiven Druck ausgeübt, so Juncker. Darüber können auch Kuss und Umarmung nicht hinwegtäuschen.

Von Kai Küstner, ARD-Studio Brüssel

Es sind Worte, die von US-Präsident Donald Trump hätten stammen können. Gesagt hat sie aber EU-Kommissionschef: "Ich kam, um einen Deal zu erreichen - und wir haben einen Deal", erklärte Jean-Claude Juncker nach stundenlangen Verhandlungen mit Trump im Weißen Haus am Mittwoch.

Doch erst rückblickend wird klar, an welch seidenem Faden die Einigung lange hing: "Woran ist der Deal fast gescheitert? Weil die Amerikaner massiven Druck gemacht haben, insbesondere der Präsident, dass Landwirtschaftsfragen in den Gesamtdeal hineinpassen müssen", gibt Juncker im Interview mit dem ARD-Studio Brüssel jetzt zu.

Doch der EU-Kommissionspräsident blieb hart: Von dem nun auszuhandelnden Zollabkommen mit den USA sind - außer Soja - alle landwirtschaftlichen Produkte ausgenommen. Das dürfte Europas Bauern beruhigen, müssen sie doch damit keine US-Konkurrenz fürchten.

Fakten, Fakten, Fakten

Den "Deal" bekamen die Europäer trotzdem. Das sei ein Erfolg, der laut Juncker auch einem ausdauernden Einwirken auf Trump zuzuschreiben ist. Immer und immer wieder habe er dem US-Präsidenten vorgerechnet, dass die USA eigentlich - wenn man Dienstleistungen hinzurechnet - gar kein Minusgeschäft im Handel mit Europa machen, sondern einen Überschuss erzielen:

"Er hat diese Zahlen immer in Abrede gestellt, bis ich ihm beweisen konnte, dass das die Zahlen der amerikanischen Statistiker sind, und das Gespräch verlief freundschaftlich", so Juncker.

Am Ende der Verhandlungen war es dann der US-Präsident, der per Twitter-Botschaft ein mittlerweile schon sagenumwobenes Foto verbreitete: Es zeigt Trump und Juncker, wie sie sich gegenseitig umarmen und der Europäer dem Amerikaner einen Männerkuss auf die Wange drückt: "Im Gegensatz zu meinem üblichen Benehmen ging die Initiative erstaunlicherweise nicht von mir aus. Ich wusste auch nicht, dass ein Fotograf im Oval Office war."

Eine Liebe zwischen den Kontinenten

"Aber das Foto fasste das Ambiente des Moments eigentlich gut zusammen", berichtet der Kommissionschef rückblickend. Juncker ist in Brüssel berühmt-berüchtigt dafür, fast alle offiziellen Gäste auch vor laufenden Kameras mit Umarmungen und Küssen zu beglücken. Offenbar war es aber diesmal nicht der Luxemburger, der den aktiven Part übernahm. Und überhaupt: Für Juncker war es der erste Kuss mit Trump.

Der US-Präsident, der keine zwei Wochen zuvor die Europäer noch als "Gegner" bezeichnet hatte, lobt nun Juncker als "hartnäckigen, sehr guten, sehr klugen Mann und befand, die USA und die EU würden 'sich lieben'".

"Für mich bedeutet der Deal - das Abkommen - mit Herrn Trump nicht den Beginn einer neuen Freundschaft, sondern die Fortsetzung einer alten Freundschaft", erklärte Juncker dazu.

Juncker und Trump | Bildquelle: AP
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Trump lobte Juncker für seine Hartnäckigkeit.

Sojabohnen retten den "Deal"

Entscheidend dabei geholfen, den lange auf der Kippe stehenden "Deal" doch zustande zu bringen, hat letztlich auch die Sojabohne. "Das war eine Eingebung des Momentes, die gewirkt hat", verrät Juncker. Sojabohnen nämlich will die EU den US-Farmern nun in höherer Zahl abkaufen, so lautet das Versprechen.

"Wer denkt, dass die Kommission verfügen könnte, wer was von wo her importiert, der überschätzt die Möglichkeiten der Kommission. Das Marktgeschehen, die Preise bestimmen vor allem im Bereich von Sojabohnen." Damit stellt Juncker klar, dass die EU-Kommission den Mitgliedsstaaten nicht einfach Daumenschrauben anlegen und sie zum US-Soja-Kauf zwingen kann. Regeln soll das der sinkende Preis. Und noch etwas stellte Juncker klar: Genmanipuliertes Soja werde nicht in die EU eingeführt, das sei nicht Teil des Abkommens.

Bleibt die Frage, wie verlässlich die Übereinkunft mit einem bisweilen durchaus sprunghaften US-Präsidenten für die Europäer ist. "Ich gehe davon aus, dass dieser Deal hält", meint Juncker. Man sei schließlich mit einem "Vertrauensvorschuss" in die durchaus "anstrengenden" Gespräche gegangen. Ein entscheidender Gradmesser für die weitere Entwicklung der EU-US-Beziehungen dürfte sein, ob sich die beiden beim nächsten Mal mit Küsschen begrüßen.

Jean-Claude Juncker im Interview mit Markus Preiß und Kai Küstner, ARD Brüssel
27.07.2018

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So war es mit Trump - Juncker im Exklusiv-Interview
Kai Küstner, ARD Brüssel
27.07.2018 22:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 27. Juli 2018 um 13:48 Uhr.

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