Trump posiert in einer Jacke bei seinem Besuch im Irak. | Bildquelle: AFP

Trump im Irak Er kam, sah - und warb in eigener Sache

Stand: 27.12.2018 22:23 Uhr

Militärexperten forderten einen Besuch des US-Präsidenten bei Truppen im Krisengebiet schon lange. Nun war Trump im Irak, unterschrieb Wahlkampfkappen - und verstieß gegen militärische Regeln.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Die Reise hat gerade einmal 26 Stunden gedauert: Im Schatten der Nacht ist Präsident Trump in den Irak geflogen. Auf dem Rückweg legte er noch einen Zwischenstopp in Ramstein ein.

Nach zwei Jahren im Amt war es Trumps erster Besuch bei Soldaten im gefährlichen Auslandseinsatz. Militärexperten hatten so einen Besuch lange gefordert. Darum sagte der republikanische Abgeordnete Jim Banks bei CNN: "Über Weihnachten dienen mehr als 200.000 Männer und Frauen in Uniform im Ausland. Einen Präsidenten dort willkommen zu heißen, stärkt die Moral. Ich habe den Präsidenten aufgefordert, ein Kampfgebiet zu besuchen; ich bin froh, dass er das getan hat. Es gibt nichts zu kritisieren."

Verstoß gegen militärische Regeln

Kritik gab es aber, besonders an Details. So gaben Soldaten Trump rote Kappen zum Unterschreiben - Kappen aus dem Wahlkampf mit der Aufschrift "Make America Great Again". Militärische Regeln verbieten eigentlich eine solche Parteinahme. Kritik gab es auch an seiner Ansprache: "Wir sind nicht mehr die Trottel der Welt. Ich mag euch, weil ihr nickt - wir werden als Nation wieder respektiert."

Trump unterzeichnet eine rote Kappe. | Bildquelle: REUTERS
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US-Präsident Trump unterschrieb bei seinem Truppenbesuch im Irak Wahlkampfkappen.

Trump behauptete, er habe den Soldaten die erste Solderhöhung seit zehn Jahren verschafft - was die Faktenchecker der US-Medien sofort widerlegten. Außerdem kritisierte er vor den Soldaten die oppositionellen Demokraten im Streit um eine Mauer an der Grenze zu Mexiko. Der Demokrat Jimmy Panetta gab sich deswegen enttäuscht: "Das ist eine Chance für ihn, zuzuhören, zu lernen und nicht zu belehren und eine politische Kundgebung abzuhalten. Leider kennt dieser Präsident nur ein Tempo, er kann nur diese politischen Kundgebungen abhalten - und das haben wir auch im Irak gesehen."

Grundsätzliche Kritik an Auslandseinsätzen

Zentrales Thema der Reise war Trumps grundsätzliche Kritik an Auslandseinsätzen. So sagte Trump, die Länder in der Region müssten sich selbst um die Probleme kümmern: "Die Leute müssen anfangen, ihre eigene Arbeit zu machen, und müssen dafür bezahlen. Wir können nicht weiter der Polizist der Welt sein. Wir wollen unser Land schützen."

Trump verteidigte seine Entscheidung, US-Soldaten komplett aus Syrien abzuziehen. Dort kämpfen etwa 2000 Soldaten gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat". Im Irak sind noch etwa 5000 US-Soldaten stationiert, als Hilfe für die irakische Armee. Sie sollen auch bleiben, betonte Trump: "Es gibt keine Pläne. Wir können das hier als Basis nutzen, wenn wir wieder etwas in Syrien unternehmen wollen. Wenn etwas passiert mit dem 'Islamischen Staat', das uns nicht gefällt, können wir so schnell zuschlagen, dass sie nicht wissen, wie ihnen geschieht."

Gefahr durch neue Gewalt

Dieses Konzept ist für außenpolitische Experten wie Kori Schake zu kurz gegriffen. Schake hat im Pentagon und im Außenministerium gearbeitet. Sie sagte im National Public Radio (NPR): "Wir haben das mit Al-Kaida im Irak gesehen, mit dem 'Islamischen Staat' im Irak und in Syrien. Die Lehre der vergangenen 17 Jahre sollte sein: Wenn man betroffenen Ländern nicht hilft, Recht, Verwaltung und Sicherheit zu verbessern, lässt man zu, dass diese Gruppen sich neu ordnen können und neue Gewalt verüben können."

Schake warnte, der Abzug aus Syrien verunsichere auch die Regierungen im Irak und Afghanistan. Ein geplantes Treffen Trumps mit dem irakischen Ministerpräsidenten kam nicht zustande, irakische Politiker kritisierten seinen Geheimbesuch.

 

 

Trumps heimliche Reise in den Irak
Jan Bösche, ARD Washington
27.12.2018 17:13 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Dezember 2018 um 16:00 Uhr.

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