Indiens Premier Modi und US-Präsident Trump | Bildquelle: AFP

Trump in Indien Treffen sich zwei Showmen...

Stand: 24.02.2020 12:06 Uhr

Indien und die USA sind die größten Demokratien der Welt - und beide werden von Populisten regiert. Nun ist US-Präsident Trump zu Besuch bei Premier Modi in Indien. Es geht um Waffendeals, Handelsabkommen und: um viel Show.

Von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu Delhi

Ein Fußball-Stadion in Texas, mehr als 50.000 Zuschauer, letztes Jahr im September. Es war die größte Veranstaltung eines ausländischen Staatsführers auf US-amerikanischem Boden. Premierminister Narendra Modi ließ sich von US-Amerikanern mit indischen Wurzeln feiern. Hand in Hand mit US-Präsident Donald Trump. "Ich bin so begeistert, hier mit einem der größten und treuesten Freunde der USA zu sein, mit Premierminister Modi aus Indien", so Trump damals.

US-Präsident Trump und sein indischer Amtskollege beim Besuch Narenda Modis in Houston (Archivbild September 2019) | Bildquelle: REUTERS
galerie

US-Präsident Trump und sein indischer Amtskollege beim Besuch Narenda Modis in Houston (Archivbild September 2019)

Superlative, Größenwahn und weit rechts, das vereint die beiden Staatsführer. "Wir haben eine Passion für die USA", sagt Premier Modi, "glauben an die Zukunft des Landes und haben den festen Entschluss, Amerika wieder groß zu machen."

Zwei Brüder im Geiste...

"Make America great again", das war ja auch der Wahlspruch von Donald Trump. Dabei durfte Modi fast ein Jahrzehnt lang nicht in die USA einreisen, weil es im indischen Bundesstaat Gujarat im Jahr 2002 anti-muslimische Pogrome gegeben hatte. Modi, Hindu-Nationalist und zu diesem Zeitpunkt dort Ministerpräsident, hatte lange gezögert, einzuschreiten. Daraufhin hatte er ein Einreiseverbot in die USA erhalten.

Das ist heute vergessen. Regierungsfreundliche Medien in Indien schreiben in diesen Tagen: "Trump und Modi. Die wichtigste Beziehung der Welt im Hinblick auf Demokratie und Freiheit". Rajesh Rajgopalan, Professor für internationale politische Beziehungen, sieht das ein wenig anders: "Ehrlich gesagt, hatten wir eine ziemlich lange Zeit überhaupt keine gute Beziehung zu den USA. Es geht hier auch nicht um wichtige Demokratien - wir haben einfach gemeinsame Interessen. Vor allem wegen der Großmacht China sind unsere Beziehungen nun ein wenig enger geworden."

...und trotzdem Streit

Dennoch ist die angebliche Freundschaft der beiden Staatsmänner aus wirtschaftlicher Sicht im letzten Jahr ziemlich verhagelt worden. Trump strich im Juni die Sondervergünstigungen für Indien, zuvor hatte das Land einige Waren zollfrei in die USA liefern können. Modi reagierte prompt:  Auf fast 30 Produkte aus den USA verhängte er Strafzölle. Das brachte ihm bei Trump den Spitznamen "Zoll-König" ein.

Mit einem neuen, aber wohl eher bescheidenen Handelsabkommen wollen sich die beiden nun wirtschaftlich wieder näher kommen. Die Gespräche dazu befänden sich noch in einem frühen Stadium, sie könnten aber zu einem "fantastischen Handelsabkommen" führen, sagte Trump bei einem gemeinsamen Auftritt mit Modi in der westindischen Stadt Ahmedabad. Noch ist fraglich, ob überhaupt eins zustande kommt. "All diese psychologischen Muskelspiele, die die beiden veranstalten, könnten dazu führen, dass doch wieder einer der Partner von der Verhandlung zurücktritt", sagt Professor Rajgopalan. "Der Handel zwischen den beiden Ländern war schon immer kompliziert, weil innenpolitische und ideologische Komponenten dazwischen kommen. Die spielen noch immer ständig Spielchen miteinander."

Gemeinsamer Gegner China

Strategisch kommen die beiden aber bestens miteinander aus: Erst vor kurzem haben die USA bestätigt, dass Indien ein Luftabwehrsystem im Wert von fast zwei Milliarden US-Dollar kaufen wird. Trump kündigte dies nun ebenfalls an - die USA wollen mehr militärische Ausrüstung nach Indien verkaufen, Hubschrauber im Wert von mindestens zweieinhalb Milliarden US-Dollar seien beispielsweise darunter. Für die USA ist das eine Win-Win-Situation: Gut fürs Geschäft - und gut, um ein starkes Gegengewicht zur Großmacht China zu haben.

Trump in Indien – Fun facts
Silke Diettrich, ARD Neu-Delhi
24.02.2020 06:34 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Februar 2020 um 06:00 Uhr in den Nachrichten.

Darstellung: