Donald Trump | Bildquelle: AP

Rassismus-Vorwurf Das Kalkül hinter Trumps Attacken

Stand: 30.07.2019 04:03 Uhr

Immer radikaler attackiert US-Präsident Trump seine Gegner, schürt dabei auch gerne rassistische Ressentiments. Was bezweckt er mit solchen Grenzüberschreitungen, und nach welchem Muster geht er vor?

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Die Attacken des US-Präsidenten werden oft durch Berichte in seinem Lieblingssender "Fox News" ausgelöst. Dennoch erfolgen sie nicht wahllos, sondern mit Kalkül und einem klaren Ziel: Donald Trump will 2020 wiedergewählt werden. Dazu braucht er vor allem die Stimmen weißer Wähler in den wahlentscheidenden Rostgürtel-Staaten Ohio, Pennsylvania, Michigan und Wisconsin.

Dort gibt es viele Industriearbeiter und Beschäftigte ohne College-Abschluss. Deren Abstiegsängste und Vorbehalte gegenüber Einwanderern will Trump für seine politischen Zwecke nutzen, sagt der Rassismus-Experte Ian Haney Lopez von der Universität Berkeley im Sender PBS:

"Wir haben einen Präsidenten, der überzeugt ist, dass es ihm nützt, wenn er die Gesellschaft spaltet. Deswegen freut er sich über das Ergebnis."

Der demokratische Abgeordnete und Bürgerrechtler Elijah Cummings wurde am Wochenende Ziel einer Trump'schen Twitter-Tirade. | Bildquelle: AP
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Der demokratische Abgeordnete und Bürgerrechtler Elijah Cummings wurde am Wochenende Ziel einer Trump'schen Twitter-Tirade.

Empörung aus Kalkül

Je größer die Empörung, je flächendeckender die Berichterstattung, desto mehr fühlt sich Trump bestätigt. Rassismus-Experte Haney Lopez erkennt bei Trump ein typisches Verhaltensmuster, er nennt es ein "Schauspiel in drei Akten". Am Anfang stehe die bewusste Grenzüberschreitung oder gar ein Tabubruch: Obama sei nicht in den USA geboren, Einwanderer aus Mexiko überwiegend kriminell. Unter den weißen Rassisten in Charlottesville gebe es auch gute Leute. In die USA kämen zu viele Menschen aus "Shithole-Ländern" wie Haiti oder aus Afrika.

Trumps Grenzüberschreitungen haben oft ein ähnliches Leitmotiv: Das weiße Amerika ist bedroht durch Einwanderer mit dunklerer Hautfarbe, die sich besonders in Multi-Kulti-Großstädten ausbreiten. Der demokratischen Kongressabgeordneten Ilhan Omar, einer in Somalia geborenen Muslima aus Minneapolis, empfahl Trump kürzlich, sie solle doch in ihr Herkunftsland zurückkehren, statt ihn und Amerika zu kritisieren. Prompt skandierten seine Anhänger auf der nächsten Wahlveranstaltung: "Schickt sie zurück!"

Die Drei Akte des Empörens

Am Wochenende dann Trumps Twitter-Attacke, der Wahlbezirk des afroamerikanischen Kongressabgeordneten Elijah Cummings sei "ein widerlicher, von Ratten und Nagetieren verseuchter Dreck". Den Sturm der Entrüstung unter Demokraten, in den Medien und der bildungsbürgerlichen Elite kontert Trump, indem er zum zweiten Akt des Schauspiels übergeht, so Rassismus-Experte Haney Lopez: Abstreiten!

"Wie bitte ich? Ich habe nichts Rassistisches gesagt. Oder wie Trump twitterte: In mir steckt keine Spur von Rassismus!"

Er habe jedoch den Mut, endlich auszusprechen, was aus politischer Korrektheit verschwiegen werde, sagt Trump: Die afroamerikanischen Stadtteile von Baltimore, Atlanta und Chicago seien nun einmal "kriminalitätsverseucht".

Bei Trumps überwiegend weißer Kernwählerschaft kommt seine ausländerfeindliche Rhetorik oft gut an. | Bildquelle: AP
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Bei Trumps überwiegend weißer Kernwählerschaft kommt seine ausländerfeindliche Rhetorik oft gut an.

Ein ganz anderer Ton im Weißen Amerika

Kommt Trump jedoch in ärmere Kommunen mit weißer Bevölkerung in West Virginia oder Kentucky, dann verspricht er den dort lebenden Arbeitslosen und Drogenabhängigen Abhilfe: er werde Amerika wieder großartig machen. Weshalb die Demokraten Trump vorwerfen, mit "Make America Great Again" meine er eigentlich "Mach Amerika wieder weiß". Solch kritische Einwände nutzt Trump, um zum dritten Akt seines Schauspiels überzugehen: Gegenangriff!

"Speaker Pelosi wirft mir vor, ich will Amerika wieder weiß machen. Das ist ein sehr rassistisches Statement!"

Ein geradezu idealtypischer Gegenangriff Trumps, erklärt Haney Lopez von der Universität Berkeley:

"Den Spieß umdrehen und den Kritikern Rassismus vorwerfen. Sie sind die eigentlichen Rassisten, weil sie mich fälschlicherweise als Rassist verunglimpfen."

Politik der Spaltung zieht bei Trumps Kernwählern

Ob Trumps Politik der Spaltung wirklich Erfolg hat, wird erst die Wahl 2020 zeigen. Er glaubt zumindest, seine Kernwähler damit an die Urnen zu treiben. Dennoch sind seine fortgesetzten Grenzüberschreitungen riskant. Schon oft waren bei US-Wahlen die "Soccer Moms" in den Vororten amerikanischer Städte das Zünglein an der Waage.

Diese Mütter, die ihre Kinder zum Fußball-Training bringen, gelten als klassische Wechselwähler. Bei ihnen kommt Trumps Politik der Spaltung nicht gut an. Denn oft ist die Mannschaft ihrer Kinder längst ein Abbild der gesellschaftlichen Vielfalt Amerikas.

Rassismus-Vorwurf - Wie Trumps Grenzüberschreitungen funktionieren
Martin Ganslmeier, ARD Washington
30.07.2019 06:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Juli 2019 um 06:24 Uhr.

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