US-Präsident Trump | Bildquelle: CHRIS KLEPONIS/POOL/EPA-EFE/REX

Trumps schwierige Woche Kim, Cohen, Chaos

Stand: 01.03.2019 11:59 Uhr

Nach dem gescheiterten Gipfel mit Kim ist US-Präsident Trump in ein aufgewühltes Washington zurückgekehrt. Dort wird noch heftig über die Aussagen seines Ex-Anwalts Cohen diskutiert.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Diese Rückkehr nach Washington kann keine leichte sein. Beim Gipfel mit Nordkoreas Diktator Kim Jong Un sei Trumps Rechnung nicht aufgegangen, erklärt die politische Analystin Jung Pak im US-Fernsehsender PBS. Der US-Präsident stehe damit aber nicht allein: "Es war eine Fehleinschätzung auf beiden Seiten. Beide Männer waren so überzeugt von ihrer Beziehung und der Möglichkeit, ein Abkommen zu schließen, das beiden nützt, dass sie übersehen haben, dass die jeweils andere Seite womöglich nicht nachgeben wird."

Trump und Kim konnten sich bei ihrem Gipfel in Hanoi nicht über den Abbau von Atomraketen in Nordkorea einigen. Kein Abkommen, um US-Sanktionen zu lockern. Für den US-Präsidenten ist das nicht die einzige Niederlage in einer desaströsen Woche. Innenpolitisch ist Trump nach der Aussage seines früheren Anwalts Michael Cohen vor dem US-Kongress unter Druck geraten. Wobei Republikaner wie der Abgeordnete Chris Stewart glauben, Cohen habe Trump entlastet: "Wir wissen jetzt, dass es keine Beweise für Absprachen zwischen dem Präsidenten, seinem Wahlkampfteam und Russland gab. Es gibt keine Beweise, dass der Präsident die Justiz in ihrer Arbeit behindert hat."

Der Demokrat Eric Swalwell greift dagegen die Zahlung von Schweigegeld nach angeblichen Affären heraus und kommt im Radiosender NPR zu einem ganz anderen Ergebnis: "Ich bin überzeugt, dass mindestens eine Anklage auf Präsident Trump wartet, wenn man sich die Zahlung von Schweigegeld während des Wahlkampfes anschaut, auf Anweisung des Kandidaten Trump. Der die Summe an seinen Anwalt zurückgezahlt hat, als er Präsident war."

Finanzchef der Trump Organisation im Fokus

Die Finanzen des Präsidenten sind damit wieder in den Mittelpunkt gerückt. Immer wieder fällt der Name Allen Weisselberg. Weisselberg ist Finanzchef der Trump Organisation, erklärt der Journalist David Fahrenthold: "Alles, was Donald Trump ausgegeben hat, alles, was er eingenommen hat, ging über den Schreibtisch von Weisselberg. Deshalb ist Weisselberg so entscheidend für eine Reihe von Anhörungen im US-Kongress und vielleicht auch für die Ermittler. Er weiß alles, was hinter der Bühne geschah." Der Kongress erwägt, auch ihn anzuhören.

Donald Trump, Allen Weisselberg und Donald Trump Jr. | Bildquelle: AFP
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Weisselberg, hier auf einem Archivfoto mit Trump und Trump Junior, ist der Finanzchef der Trump Organisation.

Die nächste Anhörung mit Cohen ist bereits für kommende Woche angesetzt. Weniger klar ist es, wie es nach dem gescheiterten Nordkorea-Gipfel weitergehen soll. Der frühere Mitarbeiter des US-Außenministerium, Frank Jannuzi, sagt, die USA müssten zunächst die Ausgangslage klären: "Für Präsident Trump geht es um Abrüstung. Doch für Kim geht es um Legitimität, Ansehen und Sicherheit. Deshalb wird er auch einem dritten, vierten oder fünften Gipfel zustimmen. Denn jedes Treffen bedeutet mehr Anerkennung und Status für Nordkoreas Diktator."

Michael Cohen | Bildquelle: AP
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Cohen wird kommende Woche erneut aussagen.

Vor dem Gipfel in Vietnam war offenbar keine unterschriftsreife Abschlusserklärung ausgehandelt worden. Die Analystin Jung Pak hofft auf einen Lernprozess: "Es wird ein nächstes Treffen geben. Und ich hoffe, dass man auf der Arbeitsebene Fortschritte macht. Die Gespräche auf oberster Ebene sind gut und wichtig, um guten Willen zu zeigen, aber ebenso wichtig, wenn nicht gar wichtiger ist die Arbeitsebene."

Kritik an Trumps Warmbier-Äußerungen

Die größte Schlappe hatte sich Präsident Trump in dieser Woche selbst zugefügt: Trump nahm Kim in Schutz. Der habe von der Folter des US-Studenten Otto Warmbier im Jahr 2016 nichts gewusst, so Trump. Warmbier war kurz nach der Rückkehr in die USA an den Folgen der nordkoreanischen Haft gestorben. In Washington gilt Trumps Erklärung deshalb als geschmacklos.

Reaktionen auf Cohen Aussage und gescheiterten Gipfel in Vietnam
Torsten Teichmann, DLF
01.03.2019 11:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 28. Februar 2019 um 18:30 Uhr.

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