Donald Trump, amtierender Präsident der USA, spielt Golf im Trump National Golf Club in Sterling | Bildquelle: JIM LO SCALZO/EPA-EFE/Shuttersto

G20-Gipfel Und der US-Präsident geht golfen

Stand: 22.11.2020 13:32 Uhr

Kurz vor Ende seiner Amtszeit hat US-Präsident Trump an seinem vermutlich letzten G20-Gipfel teilgenommen - und gezeigt, welchen Stellenwert internationale zusammenarbeit für ihn hat. Nach zwei Stunden hatte er etwas Besseres vor.

US-Präsident Donald Trump hat an dem Gipfeltreffen der G20-Staaten nur kurz teilgenommen. Nach weniger als zwei Stunden in der Videoschalte der Staats- und Regierungschefs verließ Trump das Weiße Haus am Samstagmorgen (Ortszeit), um zu seinem Golfclub im nahen Bundesstaat Virginia zu fahren, wie mitreisende Journalisten berichteten. Zuvor hatte er in der Staaten-Runde eine Rede gehalten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Olaf Scholz nehmen am virtuellen G20-Gipfel teil. | Bildquelle: dpa
galerie

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Olaf Scholz nehmen am G20-Gipfel teil. Das Treffen findet in der Corona-Pandemie als Videschalte zwischen den Staats- und Regierungschefs statt.

"Kein einziges Wort" über internationale Themen

"Seine Rede bestand darin zu sagen, dass er eine absolut unglaubliche Arbeit während seiner Amtszeit geleistet hat, in wirtschaftlicher Hinsicht und auch angesichts der Pandemie", sagte ein Delegierter, der die nichtöffentlichen Gespräche verfolgte, der Nachrichtenagentur AFP. 

Trump ergriff demnach kurz nach der Eröffnungsrede des Gastgebers, Saudi-Arabiens König Salman, das Wort. Dabei habe er "kein einziges Wort" über internationale Themen verloren. Sein Beitrag sei vielmehr eine Übung in "Eigenwerbung" gewesen, berichtete der Delegierte.

Nach Angaben eines zweiten Teilnehmers der Gipfelrunde, die wegen der Corona-Pandemie als Videokonferenz abgehalten wurde, sagte Trump zudem: "Es war eine Ehre, mit Ihnen zu arbeiten, und ich freue mich, in Zukunft und für eine lange Zeit mit Ihnen zu arbeiten."

Trump ist nur noch bis zum 20. Januar im Amt. Seine Niederlage bei der Präsidentschaftswahl am 3. November gegen den demokratischen Herausforderer Joe Biden hat er bislang nicht anerkannt. Ohne Vorlage von Beweisen prangert der Republikaner immer wieder massiven Wahlbetrug an.

Eigenlob vor der nächsten Golf-Partie

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa ließ sich Trump zeitweise von US-Finanzminister Steven Mnuchin und seinem Wirtschaftsberater Larry Kudlow vertreten. Bei bisherigen G20-Gipfeln sprangen Finanzminister häufiger für ihre Chefs ein, zum Beispiel wenn diese parallel zu den Sitzungen bilaterale Gespräche führten.

Doch Trump tat dies, um das Weiße Haus zu verlassen und zu seinem Golfplatz in der Nähe der US-Hauptstadt zu fahren. Fotos zeigten ihn wenig später in einem roten Blouson und einer weißen Kappe beim Golfen. Sein offenbar mäßiges Interesse an dem Gipfel ließ sich auch daran erkennen, dass er während der Schalte bei Twitter mehrere Nachrichten zu anderen Themen absetze. Er schrieb unter anderem über den "massiven und beispiellosen Wahlbetrug". Twitter verpasste den Nachrichten umgehend Warnhinweise, wonach es sich dabei um "umstrittene" Behauptungen handelte.

Nach Angaben des Weißen Hauses lobte Trump in seinem G20-Beitrag die Maßnahmen, welche die USA ergriffen hätten, "um die Schwachen zu schützen, bahnbrechende Behandlungsmethoden einzuführen und Impfstoffe und Therapien in rekordverdächtiger Geschwindigkeit zu entwickeln".

Kein Freund internationaler Zusammenarbeit

Trump ist für seine ablehnende Haltung gegenüber internationaler Zusammenarbeit bekannt. Während seiner Amtszeit fuhr er unter dem Motto "America first" das Engagement der USA in multilateralen Formaten und internationalen Organisationen deutlich zurück.

2018 sorgte er auf dem G7-Gipfel in Kanada für einen Eklat. Wegen eines handelspolitischen Streits mit dem kanadischen Premierminister Justin Trudeau kündigte er die gemeinsame Abschlusserklärung nachträglich per Tweet auf - ein beispielloser Vorgang in der mehr als 40-jährigen Geschichte des informellen Verbunds führender westlicher Industriestaaten.

Das vom Gastgeber Saudi-Arabien ausgerichtete zweitägige G20-Gipfeltreffen endet heute. Gemeinsam repräsentieren die Mitglieder der G20 mehr als 85 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung und zwei Drittel der Weltbevölkerung.

Darstellung: