US-Präsident Donald J. Trump spricht mit der Presse. | Bildquelle: SHAWN THEW/EPA-EFE/REX

US-Sender Fox News Trumps abgekühlte Liebe

Stand: 23.08.2019 11:20 Uhr

Trump und Fox News - das war lange eine große Liebe. Doch die Zeiten sind vorbei. Für Trump ist die Beziehung deutlich abgekühlt. Stattdessen schwärmt der US-Präsident nun für einen kleineren Sender.

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

One America News Network, kurz OAN: Ein US-Kabelsender, der mit dem Slogan "Dein Amerika - Deine Nachrichten" wirbt, aber bei den Quoten weit abgeschlagen hinter der Konkurrenz liegt. Das mag auch daran liegen, dass OAN in den meisten US-Haushalten gar nicht zu empfangen ist. Aber dafür ist US-Präsident Trump erklärter Fan des Senders, der wiederum möglichst viele Sendeminuten mit Live-Übertragungen von Trump-Auftritten füllt - und wenn es nur eine Ordensverleihung im Weißen Haus ist.

Trump: "Wann immer möglich OAN schauen"

Der 2013 gegründete Sender ist das Lieblingsprojekt eines Millionärs aus Kalifornien. Und der hat vor allem eine Mission: Trump zu unterstützen, egal wobei. Den gescheiterten Versuch des US-Präsidenten, Grönland zu kaufen, definierte ein OAN-Reporter diese Woche denn auch als Beispiel dafür, wie Trump "the Art of the Deal", die Kunst des Geschäftemachens, perfektioniere.

Bei Trump kommt das an: Bei Pressekonferenzen beantwortet er besonders gern die Fragen von OAN. Und er erklärte kürzlich bei Twitter, dass er inzwischen wann immer möglich OAN schaue und nicht mehr seinen bisherigen Lieblingssender Fox News: Der Sender, über den der Präsident bis vor kurzem gern in der "Wir"-Form sprach und dessen Anchor-Leute zu seinen treuesten und wirksamsten Fans gehörten.

Ein Stand von Fox News im Wells Fargo Center in Philadelphia, Pennsylvania | Bildquelle: AFP
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Fox News habe sich verändert, klagt Trump. Der Sender hatte Umfragen veröffentlicht, wonach Trumps Zustimmungswerte gesunken waren.

Trump: "Meine schlechtesten Umfragewerte bei Fox"

Doch Fox habe sich verändert, klagte Trump vor ein paar Tagen: "Meine schlechtesten Umfragewerte habe ich immer bei Fox. Irgendwas ist da los bei Fox. Und ich bin nicht glücklich darüber."

Zuvor hatte der Sender Umfragen veröffentlicht, wonach Trumps Zustimmungswerte wieder gesunken waren und gleich mehrere demokratische Herausforderer im direkten Vergleich deutlich vor ihm lagen. Aber noch schlimmer: Der Fox-Kommentator Juan Williams hatte erklärt, dass im Handelskrieg mit China Trumps ungeschliffene Art das eigentliche Problem sei und der Präsident durch seine Unberechbarkeit eine globale Rezession riskiere.

"Er ist immer so gemein"

Trumps Reaktion folgte Sekunden später bei Twitter: "Juan Williams bei Fox News ist so erbärmlich. Als ich ihn im Fox-Gebäude getroffen habe, hätte er nicht freundlicher sein können und wollte ein Foto von mir mit ihm, für seine Familie. Und trotzdem ist er immer so gemein und liegt völlig falsch."

Trump hat sich in den vergangenen Jahren immer mal wieder heftig über Fox News beschwert. "Schlimmer als CNN" war meist der Gipfel der Empörung. Aber die beiden brauchen sich. Der konservative Kabel-Sender war zwar schon lange vor Trumps Kandidatur deutlicher Marktführer. Seit seiner Präsidentschaft aber ist das Publikum noch weiter gewachsen. FoxNews erreicht mittlerweile dreimal so viele Menschen wie beispielsweise Pionier CNN. 

"Würde ihm politisch sehr schaden"

Für Trump ist Fox News damit unverzichtbar, sagt Aram Sinnreich, Medien-Professor an der American University in Washington. Der Sender sei nicht nur der Verstärker für seine politischen Botschaften und sein Framing, meint Sinnreich, sondern dieser setze auch seine Agenda. Es gebe keinen anderen Sender, der ein ähnliches Gewicht hätte und ihm gegenüber so freundlich eingestellt sei. Und Sinnreich weiter: "Politisch würde es ihm sehr schaden, wenn er das verlieren würde, was im Prinzip sein Staatssender ist."

Werte wie Fairness und Glaubhaftigkeit

Zumal Fox News seine grundsätzliche Haltung zu Trump auch gar nicht verändert habe. Doch für ein Medien-Unternehmen müssten eben auch Werte wie Fairness, Wahrhaftigkeit und Glaubhaftigkeit eine Rolle spielen. Und das mache die Sache für Fox News zunehmend schwierig, erklärt Sinnreich: "Sie setzen nicht auf einmal auf ein anderes Pferd. Sie werden nur zwischen zwei gegensätzlichen Zielen zerrissen. Das eine ist zu berichten, die Wahrheit zu reportieren. Und das andere ist, diesen Präsidenten und seine Agenda um jeden Preis zu unterstützen."

Vorerst dürfte Trump eine Personalentscheidung bei Fox News besänftigen: Ab demnächst wird nämlich seine ehemalige Pressesprecherin Sarah Huckabee Sanders das Kommentatoren-Team dort verstärken. Und die hatte bei ihrem Abschied im Weißen Haus versichert: "Ich liebe den Präsidenten."

Nach Twitter-Attacken: Bricht Trump mit Lieblingssender Fox News?
Julia Kastein, ARD Washington
23.08.2019 09:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 23. August 2019 um 10:25 Uhr.

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