US-Präsident Donald Trump zeigt den prognostizierten Verlauf von Hurrikan "Dorian" | Bildquelle: REUTERS

Druck auf US-Wetterbehörde? Trumps Hurrikan-Posse wird Politikum

Stand: 08.09.2019 11:48 Uhr

Ex-Spitzenbeamte des US-Wetterdienstes äußern einen ernsten Verdacht: Die US-Regierung könnte der Behörde Druck gemacht haben, nur damit Präsident Trump nicht dumm dasteht. Es geht um dessen sonderbare Hurrikan-Warnung.

Im Zusammenhang mit der Posse um Donald Trumps Behauptung, der Hurrikan "Dorian" habe auch den Bundesstaat Alabama massiv bedroht, steht nun auch ein ernster Vorwurf im Raum: Der, dass Druck auf die nationale Wetterbehörde NOAA ausgeübt wurde, damit der US-Präsident keinen Fehler einräumen muss.

Trump hatte am vergangenen Sonntag getwittert, "Dorian" werde Alabama "sehr wahrscheinlich (viel) härter treffen als vorhergesagt". Der Wetterdienst in Alabama widersprach umgehend ausdrücklich und betonte, der Wirbelsturm werde selbst im schlimmsten Fall weiter östlich durchziehen. Doch statt es auf sich beruhen zu lassen, ging Trump in die Offensive und betonte über Tage, dass seine Darstellung "unter bestimmten ursprünglichen Szenarien" tatsächlich korrekt gewesen sei.

Erklärung der NOAA - mehrere Tage später

Am Mittwoch präsentierte Trump dann eine Karte mit der Vorhersage des Nationalen Hurrikan-Zentrums vom Donnerstag vergangener Woche. Auf ihr war augenscheinlich per Hand mit einem Filzstift ein Halbkreis hinzugefügt worden, der vorher nicht vorhanden war - und einen Teil Alabamas in das potenziell von "Dorian" bedrohte Gebiet einbezog.

Am Freitag - also Tage nach Beginn der Posse - gab die Wetterbehörde NOAA dann eine Erklärung heraus, in der ein namentlich nicht genannter Sprecher Trumps Darstellung stützte. Skeptiker verwiesen darauf, dass sich der NOAA-Sprecher - anders als vorgeschrieben - nicht namentlich zitieren ließ und zudem Angaben von NOAA-Sprecher Chris Vaccaro widersprach.

"Ich wäre eher zurückgetreten"

Scharfe Kritik kam vor allem von früheren Spitzenbeamten der Wetterbehörde: Der Ex-Direktor des Wetterdienstes, Elbert Friday, schrieb auf Facebook, die NOAA mache sich selbst schlecht, um Trumps Ego zu befriedigen. Der Nachrichtenagentur AP sagte er, er wäre eher zurückgetreten, als eine solche Erklärung zu verantworten. "Wir wollen nicht an einen Punkt kommen, wo Politik stärker über die Wissenschaft bestimmt als Lehre und Fakten."

Der frühere NOAA-Einsatzleiter David Titley forderte, die aktuellen Verantwortlichen der Behörde hätten zurücktreten müssen, anstatt ihre Kollegen in Alabama bloßzustellen. Der Vorgang schüre das Misstrauen in die Wettervorhersage und können Menschen als Ausrede dienen, wenn sie künftig bei einem heraufziehenden Sturm ihre Häuser nicht verlassen wollten. Die einstige NOAA-Vize Monica Medina warnte, das mache die USA weniger sicher.

Weißes Haus und NOAA schweigen

Das Weiße Haus wollte sich nicht zu der Frage äußern, ob es der NOAA eine Anweisung zu der Stellungnahme gegeben habe. Auch die aktuell Verantwortlichen bei der NOAA reagierte nicht auf Anfragen der Nachrichtenagentur AP.

"Dorian" hatte am vergangenen Wochenende als Hurrikan der höchsten Kategorie die Bahamas getroffen. Dort starben mindestens 43 Menschen.

Anschließend zog der Sturm weiter Richtung US-Ostküste. Ursprünglich war angenommen worden, dass er dort Florida voll treffen könnte. Tatsächlich verlief sein Kurs aber weiter nördlich und traf vor allem North Carolina. Inzwischen erreichte er die Provinz Nova Scotia an der Ostküste Kanadas. Der von Trump erwähnte Bundesstaat Alabama liegt nicht an der Ostküste, sondern weiter westlich am Golf von Mexiko.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. September 2019 um 09:00 Uhr.

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