Demonstranten tragen Buchstaben, die das Wort "Resist" ergeben, Chicago/USA | Bildquelle: AP

Demo gegen Migrationspolitik Protest vor Trumps geplanter Großrazzia

Stand: 14.07.2019 15:12 Uhr

Zahlreiche nicht registrierte Migranten bangen um ihr Leben in den USA. Präsident Trump kündigte für heute Razzien gegen sie mit anschließenden Abschiebungen an. Tausende Menschen protestierten dagegen.

Tausende Menschen haben in Chicago gegen die Migrationspolitik von US-Präsident Donald Trump protestiert. Viele Teilnehmer zogen mit Transparenten mit Slogans wie "Keine Kinder in Käfigen" durch das Zentrum der Metropole im Staat Illinois. Etliche skandierten auch Parolen gegen die Polizei- und Zollbehörde (ICE) des Heimatschutzministeriums. Polizeisprecher Anthony Guglielmi sprach von einer friedlichen Kundgebung, die Zahl der Teilnehmer schätzte er auf 5000.

Auch in anderen US-Städten gab es Proteste, etwa in Phoenix. Dort blockierten Dutzende Demonstranten eine Straße in der Innenstadt und störten den Stadtbahnverkehr. Die Polizei nahm 16 Personen fest.

Demonstranten auf den Straßen Chicagos, USA. | Bildquelle: AP
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Mehrere Tausend Menschen gingen gegen Trumps Migrationspolitik in Chicago auf die Straße.

Razzien gegen Menschen ohne Aufenhaltsgenehmigung geplant

Trump hatte für heute großangelegte Razzien gegen "illegale Einwanderer" angekündigt. Schon länger stand im Raum, dass die US-Regierung solche Festnahmeaktionen plant, um Menschen ohne Aufenthaltserlaubnis in größerer Zahl abzuschieben.

Donald Trump | Bildquelle: MICHAEL REYNOLDS/EPA-EFE/REX
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US-Präsident Trump hat Großrazzien wegen illegaler Aufenthalte angekündigt.

Der Fokus liege auf Menschen, die Straftaten begangen hätten, sagte Trump. Er betonte aber, wer illegal ins Land gekommen sei, müsse gehen. Trump hatte schon im Juni mit Massenabschiebungen gedroht, die Frist dafür dann aber verschoben. Damals sprach er von "Millionen" Menschen, die festgenommen werden sollten.

Die Polizeibehörde ICE erklärte dagegen, es würden rund 2000 Menschen ins Visier genommen. Die Abschiebungen sollen voraussichtlich in mehreren Großstädten stattfinden, darunter Miami und Los Angeles.

Durchsuchungen in New York schon gestern

In New York starteten die Razzien offenbar schon am Samstag. Die Polizei- und Zollbehörde ICE hätten bereits begonnen durchzugreifen, schrieb Bürgermeister Bill de Blasio auf Twitter und verwies auf Berichte, die er bekommen habe.

Den Mitarbeitern der ICE sei es aber nicht gelungen, betroffene Anwohner im Viertel Sunset Park in Brooklyn sowie Harlem einzusammeln. De Blasio hatte zuvor angekündigt, die Stadt werde nicht mit der ICE kooperieren.

"Diese Ungewissheit, diese Angst richten Chaos an"

Viele Bürgermeister fürchten, dass die Razzien Migranten einschüchtern und ihre künftige Kooperation mit den Behörden noch unwahrscheinlicher machen.  Hinzu kommt Bedenken, dass die bevorstehenden Festnahmen für eine noch dramatischere Situation in den überbelegten US-Auffanglagern sorgen könnten. Menschenrechtsorganisationen und Politiker, die die Zentren besuchten, hatten von katastrophalen Zuständen berichtet. 

"Das traumatisiert die Leute"

"Diese Ungewissheit, diese Angst richten Chaos an, das steht fest", sagte die demokratische Bürgermeisterin von Chicago, Lori Lightfood, dem Sender CNN. Sie fügte hinzu: "Das traumatisiert die Leute."

Auch der republikanische Bürgermeister von Miami gab seinem Unverständnis über die angekündigten Razzien Ausdruck. 2018 habe die Mordrate in Miami so niedrig gelegen wie in den vergangenen 51 Jahren nicht, sagte Francis Suarez. Er verstehe deshalb nicht, warum auch in Miami Razzien stattfinden sollten. "Das macht es nicht leichter für uns Bürgermeister, die Ruhe und den Frieden für die Menschen in unserer Stadt zu bewahren", betonte Suarez. 

In den USA leben Schätzungen zufolge rund elf Millionen Menschen ohne Aufenthaltspapiere.

Razzien gegen Immigranten in USA haben offenbar begonnen
Janina Lückoff, ARD Washington
14.07.2019 19:33 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR5 "Echo des Tages" am 14. Juli 2019 um 18:30 Uhr.

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