Melania und Donald Trump | Bildquelle: REUTERS

Reaktionen auf Trump-Infektion "Das Virus verschont niemanden"

Stand: 02.10.2020 12:46 Uhr

Viele gute Wünsche, aber auch Sticheleien und unruhige Finanzmärkte - die Reaktionen auf die Corona-Infektion von Trump fallen vielfältig aus. Fest steht: Die Nachricht - kurz vor den US-Wahlen - wird den Wahlkampf verändern.

Kurz vor ein Uhr nachts Ortszeit twittert US-Präsident Trump: Er und seine Frau Melania sind positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Nachricht schlägt hohe Wellen - zunächst auf Twitter, dann auch auf allen anderen Kanälen.

Großbritannien fühlt mit

Solidarische Genesungswünsche kamen unmittelbar aus Großbritannien, dessen Premierminister Boris Johnson im März selbst mit dem Coronavirus infiziert war und auf der Intensivstation behandelt werden musste. "Wir alle möchten Präsident Trump, der First Lady und der Familie Trump unsere besten Wünsche senden und ihnen eine baldige Genesung wünschen", teilte die britische Regierung mit. "Wir wissen, wie es ist, einen Premierminister zu haben, der positiv auf Covid getestet wurde." Das britische Kabinettsmitglied Robert Jenrick wies auf "ein sehr klares Protokoll" in den USA bezüglich des Vize-Präsidenten hin, "sollte das notwendig werden".

Auch dieser meldete sich am Morgen zu Wort. US-Vizepräsident Mike Pence wünschte Trump ebenfalls rasche Genesung. "Karen und ich senden unsere Liebe und Gebete an unsere lieben Freunde Präsident Donald Trump und First Lady Melania Trump", schrieb Pence auch im Namen seiner Ehefrau Karen auf Twitter. "Wir schließen uns den Millionen quer durch Amerika an, die für die volle und schnelle Genesung beten. Gott segne Sie, Präsident Trump und unsere wundervolle First Lady Melania", schrieb Pence.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ sich von Regierungssprecher Steffen Seibert zitieren und wünschte dem US-Präsidenten und seiner Ehefrau baldige Genesung. "Kanzlerin Merkel: Ich sende Donald und Melania Trump all meine guten Wünsche", hieß es in einem Tweet von Regierungssprecher Steffen Seibert. "Ich hoffe, dass sie ihre Corona-Infektion gut überstehen und bald wieder ganz gesund sind", wurde die Kanzlerin weiter zitiert.

Genesungswünsche mit strenger Note

EU-Ratspräsident Charles Michel sendete ebenfalls Genesungswünsche und fügte an: "Covid-19 ist ein Kampf, den wir alle führen. Jeden Tag. Egal wo wir leben."

Mit Blick auf Trumps zunächst lockeren Umgang mit der Pandemie, sagte Frankreichs Regierungssprecher Gabriel Attal: "Dies zeigt, dass das Virus niemanden verschont, auch nicht diejenigen, die sich skeptisch gezeigt haben." Er wünsche Trump eine schnelle Genesung, so Attal.

Auch aus China, dem Trump einen Großteil der Schuld an der Ausbreitung des Virus gibt, kam bereits eine Reaktion. Die staatliche chinesische Zeitung "China Daily" nannte den positiven Test des US-Präsidenten eine weitere Erinnerung, dass sich das Virus ausbreitet "selbst während Trump verzweifelt versucht hat zu suggerieren, dass es keine Gefahr mehr darstellt". Trump, sein Wahlkampfteam und das US-Präsidialamt hätten von Anfang "die Gefahr heruntergespielt und sich geweigert, die grundsätzlichten öffentlichen Gesundheitsrichtlinien zu befolgen", heißt es in dem englischsprachigen Blatt weiter.

Später kamen auch Genesungswünsche vom chinesischen Außenministerium. Die Regierung in Peking hoffe, dass sich Trump schnell wieder erhole, hieß es.

WHO wünscht "vollständige Genesung"

Wohlwollend fiel die Reaktion der Weltgesundheitsorganisation aus, der Trump zuletzt schwere Versäumnisse bei der Bekämpfung der Pandemie vorgeworfen hatte. Der Chef der WHO, Tedros Adhanom Ghebreyeusus, sendete seine "besten Wünsche" an das Präsidentenpaar. Er hoffe auf "eine vollständige und schnelle Genesung", twitterte er.

Trump hatte im Mai damit gedroht, dass die USA die WHO verlassen und sämtliche finanzielle Unterstützung streichen würde. Er warf der Organisation vor, unter dem Einfluss Chinas zu stehen.

Dax und Ölpreis fallen

Die weltweite Reaktion auf die Infektion Trumps spiegelte sich auch an den Finanzmärkten unmittelbar wider. Anleger am deutschen Aktienmarkt reagierten beunruhigt auf die Nachricht, der Dax fiel in den ersten Handelsminuten. Analysten warnten, die Auswirkungen auf die US-Politik - vor allem bei den Verhandlungen des nächsten Corona-Konjunkturpakets - sowie auf den US-Wahlkampf könnten immens sein. Auch am Rohstoffmarkt gab der Ölpreis nach.

Planänderung im Wahlkampf

Die Auswirkungen auf den US-Wahlkampf zeigen sich bereits heute. Trump wäre eigentlich heute nach Florida gereist, das Weiße Haus gab jedoch inzwischen einen neuen Zeitplan des US-Präsidenten heraus, der eine Reise nach Florida nicht mehr vorsieht. Trumps demokratischer Kontrahent, Joe Biden, der in dieser Woche zusammen mit dem US-Präsidenten in der TV-Debatte auftrat, sollt heute in Michigan die Werbetrommel rühren. Sowohl Florida als auch Michigan sind sogenannte Swing-Staaten, die über die US-Wahlen entscheiden könnten.

Trump, der bisher regelmäßig Kundgebungen im ganzen Land abgehalten hatte und dabei auch seinen Kontrahenten Biden ob dessen Vorsicht verspottete, wird für mindestens zwei Wochen in Quarantäne gehen. Erwartet wird nun auch von den Republikanern ein virtueller Wahlkampf - so wie ihn die Demokraten schon seit längerem führen. Dafür hatte Trump Biden bislang belächelt, nun aber wird auch Trump in den kommenden Wochen kein aktiver Wahlkämpfer mehr sein können.

Trump: "Ich trage keine Masken wie er"

Ob die Corona-Infektion des US-Präsidenten zu einem Umdenken bei der Bekämpfung des Coronavirus führen wird, bleibt offen. Noch in der TV-Debatte am Dienstag zog Trump eine Maske aus seiner Tasche und sagte: "Ich trage Masken, wenn nötig. Wenn nötig, trage ich Masken." Dann sagte er zu Biden, der sie regelmäßig trägt: "Ich trage keine Masken wie er. Jedes Mal, wenn Sie ihn sehen, hat er eine Maske. Er könnte 200 Fuß von ihnen entfernt sprechen und er taucht mit der größten Maske auf, die ich habe jemals gesehen."

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 02. Oktober 2020 um 15:03 Uhr.

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