US-Präsident Trump bei seiner Corona-Pressekonferenz. | AFP

Kehrtwende des US-Präsidenten Trump rät nun zum Maskentragen

Stand: 22.07.2020 08:34 Uhr

Bei seiner ersten Corona-Pressekonferenz seit mehr als zwei Monaten hat US-Präsident Trump zum Maskentragen geraten, wenn Abstandsregeln nicht eingehalten werden könnten. Entgegen seiner bisherigen Haltung will er dies nun auch selbst tun.

Angesichts dramatisch steigender Corona-Fälle hat US-Präsident Donald Trump die Amerikaner zum Tragen von Schutzmasken ermuntert. "Wir bitten alle, dass Sie eine Maske tragen, wenn Sie nicht in der Lage sind, Abstand zu halten", sagte Trump bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus. "Ob Sie die Masken mögen oder nicht, sie haben eine Wirkung, sie werden einen Effekt haben und wir brauchen alles, was wir kriegen können." 

Trump sagte erneut, er habe kein Problem mit Masken, und holte einen Mund-Nasen-Schutz mit dem Präsidentenlogo hervor. "Ich habe die Maske hier", sagte er und fügte hinzu, er trage sie, wenn es angemessen sei.

Trump stimmte seine Landsleute zudem auf eine Verschärfung der Coronavirus-Pandemie ein. Es werde "wahrscheinlich leider schlimmer, bevor es besser wird - das ist etwas, das ich ungern über Dinge sage, aber so ist es nun einmal". Zugleich versuchte er, Hoffnung im Kampf gegen das Virus zu verbreiten, das in Amerika für mehr als 140.000 Todesfälle in nur fünf Monaten verantwortlich gemacht wird.

Keine landesweite Maskenpflicht

In den USA gibt es keine landesweite Maskenpflicht. Angesichts dramatisch steigender Infektionszahlen ordneten zahlreiche Gouverneure der Bundesstaaten aber zuletzt an, dass der Mund-Nasen-Schutz in der Öffentlichkeit getragen werden muss. Trump hatte im April Richtlinien der Gesundheitsbehörde CDC vorgestellt, die das Tragen einer Schutzmaske empfehlen.

Er machte aber umgehend deutlich, dass er selbst keine Maske tragen werde. Weil er bei den allermeisten öffentlichen Auftritten ohne Maske auftritt, werfen Kritiker ihm vor, ein schlechtes Vorbild in der Pandemie abzugeben. Bei einem Krankenhausbesuch am vorvergangenen Samstag hatte Trump dann eine Mund-Nasen-Schutz getragen.

Trump sieht Verantwortung in Corona-Krise nicht allein bei sich

Trump sieht derweil die Verantwortung für die Bewältigung der Corona-Pandemie in den USA nicht allein bei sich. Er arbeite Hand in Hand mit den Gouverneuren der Bundesstaaten. "Ich denke, wir sind alle verantwortlich". Es sei ein Jammer, dass das Virus die USA erreicht hätte, sagte Trump. Zugleich betonte er, dass er die Grenzen geschlossen und viele Dinge getan habe, "die sehr gut waren". Erneut sagte er: "Das Virus wird verschwinden, es wird verschwinden."

Die Wähler würden ihn und seine Regierung bei der Präsidentenwahl am 3. November nach dem Umgang mit der Pandemie beurteilen - aber nicht nur, sagte Trump. Sie würden ihn auch an "rekordhaften" Zahlen auf dem Arbeitsmarkt, der Lage der Wirtschaft, Steuersenkungen oder der Stärkung des Militärs messen.

Der Republikaner will für eine zweite Amtszeit kandidieren. Umfragen sehen Trump derzeit hinter seinem Herausforderer Joe Biden von den Demokraten. Bei den Erhebungen ist allerdings Vorsicht geboten - und in mehr als drei Monaten bis zur Wahl gibt es noch viel Raum für Veränderungen und Überraschungen.

Trump bemüht sich um hoffnungsvolles Bild

Anders als bei seinen früheren Briefings betrat Trump diesmal ganz alleine die Bühne, ohne die Gesundheitsexperten. Dafür schien sich der Präsident weitgehend an das zuvor verfasste Manuskript zu halten und verzichtete auf ausufernde Reden, wie man sie von den vorangegangenen Presseterminen kannte. Trump räumte zwar den Ernst der Lage ein, bemühte sich aber zugleich um ein positives Bild. Es gebe einen Rückgang bei Todesfällen in Verbindung mit Covid-19 und Fortschritte bei der Suche nach einem Impfstoff und Behandlungsmöglichkeiten. "Die Impfstoffe kommen, und sie kommen viel früher als irgendjemand es für möglich gehalten hätte", versprach Trump.

Schon kommende Woche soll für das erste potenzielle US-Impfmittel die letzte Testphase anlaufen. In einer Studie an 30.000 Menschen soll ermittelt werden, ob es tatsächlich sicher und wirksam ist. Für einige andere Impfstoffe gibt es in anderen Ländern auch Versuche im Spätstadium, aber in kleinerem Umfang. In Amerika soll jeden Monat bis zum Herbst eine Serie von groß angelegten Studien starten - in der Hoffnung zeitnah mehrere Impfmittel einsatzbereit zu haben. Doch warnen Gesundheitsbehörden, dass es keine Garantie gibt. So sei es nicht ungewöhnlich, dass potenzielle Impfmittel in der entscheidenden Testphase durchfallen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. Juli 2020 um 06:00 Uhr.