US-Präsident Trump. | Bildquelle: REUTERS

Corona-Impfstoff Trump setzt Behörde unter Druck

Stand: 23.08.2020 11:11 Uhr

Angesichts von rund 5,7 Millionen Infektionen und 176.000 Todesfällen hofft US-Präsident Trump auf einen Corona-Impfstoff noch vor der Wahl. Die zuständige Behörde arbeite zu langsam, schimpfte er - und erntet dafür heftige Kritik.

Gesundheitsexperten und führende Demokraten haben US-Präsident Donald Trump vorgeworfen, die für die Zulassung eines Corona-Impfstoffs zuständige Behörde FDA unter Druck zu setzen und sich in deren wissenschaftliche Arbeit einzumischen.

Trumps Intervention gefährde die Gesundheit aller US-Amerikaner, erklärte die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi. Die FDA müsse aufgrund der Verträglichkeit und Wirksamkeit eines Impfstoffs entscheiden, "nicht wegen politischen Drucks aus dem Weißen Haus", schrieb die Demokratin auf Twitter. Die Epidemiologin Caitlin Rivers von der Universität Johns Hopkins in Baltimore erklärte: "Eine Impfung muss sicher, wirksam und vertrauenswürdig sein." Alle drei Kriterien müssten erfüllt werden. Der frühere Chef der US-Gesundheitsbehörde CDC, Tom Frieden, mahnte, bei der Entwicklung von Impfstoffen dürften keine Abkürzungen genommen werden. Der Prozess müsse transparent und rigoros sein.

"Wir müssen uns auf Geschwindigkeit konzentrieren"

Trump hatte zuvor auf Twitter behauptet, bei der FDA erschwerten ihm feindlich gesinnte Beamte die Entwicklung von Corona-Medikamenten und Impfstoffen, damit es vor der Wahl am 3. November keine Erfolgsmeldung geben könne. Die Vertreter des "tiefen Staates, oder wer auch immer", machten es den Pharmaunternehmen schwer, Probanden für Medikamente und Impfstoffe zu bekommen, schrieb er weiter. An Behördenchef Hahn gerichtet schrieb er: "Wir müssen uns auf Geschwindigkeit und das Retten von Leben konzentrieren."

Hahn zeigt sich bisher ungerührt: Wiederholt erklärte er, dass sich die Behörde bei der Zulassung eines Corona-Impfstoffs an ihre bekannten und streng wissenschaftlichen Abläufe halten werde. Es gebe keinen Druck auf die FDA, ihre bewährten Kriterien aufzuweichen.

Trump hofft auf Fortschritte noch vor der Wahl

Trump läuft jedoch die Zeit davon. Er bewirbt sich im November um eine zweite Amtszeit, und die Corona-Pandemie und die von ihr ausgelöste Wirtschaftskrise könnte ihn Umfragen zufolge aber einen Wahlsieg kosten. Deshalb setzt er alles daran, dass es bis zur Wahl einen Impfstoff gibt. Experten haben allerdings gewarnt, dass jegliche politische Einmischung in die Zulassung dessen Legitimität und Sicherheit in Frage stellen könnte. Sollte es bezüglich des Impfstoffs Zweifel geben, könnten viele Menschen auf eine Impfung verzichten, womit die Pandemie letztlich schwerer einzudämmen wäre.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany, kündigte derweil einen "bedeutenden therapeutischen Durchbruch in Bezug auf das China-Virus" an. Trump werde am Abend (Ortszeit) gemeinsam mit Gesundheitsminister Alex Azar und FDA-Chef Hahn die Presse informieren. Als "China-Virus" bezeichnet Trump gewöhnlich das Coronavirus. Er hat China wiederholt die Schuld an dessen Ausbreitung gegeben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. August 2020 um 23:00 Uhr.

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