US-Präsident Trump sitzt auf diesem vom Weißen Haus herausgegebenen Bild in einem Konferenzraum des Krankenhauses. | Bildquelle: via REUTERS

Corona-Infektion Wie geht es Trump wirklich?

Stand: 05.10.2020 17:48 Uhr

Die Informationen über den Gesundheitszustand des US-Präsidenten sind widersprüchlich: Sein Stab behauptet, Trump könne bald entlassen werden. Laut Experten passen seine Medikamente aber nicht zum angeblich milden Krankheitsverlauf.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

In Maryland, am Ufer der Chesapeake Bay, haben Trump-Anhänger eine Parade mit Booten organisiert, um den US-Präsidenten zu unterstützen, der sich mit Corona infiziert hat. Teilnehmer Eddi Dayton erklärt einem Fernsehteam, dass er immer noch nicht überzeugt ist von Berichten über eine Pandemie. Das Virus sei nicht schlimmer als die Grippe. "Das ist alles nur politischer Rummel. Ich sage ja nicht, dass das Virus von Menschen gemacht ist. Aber ich sage auch nicht, dass das nicht stimmt. Es ist doch eigenartig, wie sich das jetzt alles ergibt", so Dayton.

Seit dem Wochenende warten Trump-Fans mit Flaggen auch vor den Toren des Krankenhauses Walter Reed im Nordwesten von Washington D.C. Dort wird der Präsident behandelt.

Baldige Entlassung aus dem Krankenhaus?

Trumps Stabschef Mark Meadows erklärte bei Fox News, der Zustand des Patienten habe sich über Nacht weiter verbessert. Trump sei bereit, seinen normalen Tagesplan wieder aufzunehmen.

Tatsächlich wollen die Ärzte heute erst darüber entscheiden, ob Trump entlassen werden kann. Der Präsident hatte gestern in einer Videobotschaft so gesprochen, als habe er die Erkrankung bereits überstanden. "Es ist eine interessante Zeit gewesen. Ich habe viel über Corona gelernt, indem ich durch die Schule gegangen bin, die richtige Schule, nicht die 'Lass-uns-ein-Buch-lesen'-Schule."

Kritik an Ausfahrt

Anschließend verließ er die Behandlungsräume und fuhr in einem schwarzen, gepanzerten SUV eine Ehrenrunde vor die Tore - zur Begeisterung seiner Anhänger. Einer sagt: "Gott schütze unseren Präsidenten. Ich würde für ihn sterben. Jeder, der sich mit ihm anlegen will, muss sich zuerst mit mir anlegen."

Trumps Verhalten provoziert Kritik: Der Präsident habe seine Leibwächter unnötig in Gefahr gebracht und er halte sich nicht an die Regeln der Gesundheitsbehörde, die nach einer Infektion Quarantäne vorschreiben.

Milder Krankheitsverlauf?

Vor allem gibt es aber weiterhin Spekulationen über den tatsächlichen Gesundheitszustand des Patienten. Der Mediziner David Agus erklärte im Fernsehsender CBS, die Steroide, die Trump verabreicht werden, passen nicht zu einem milden Verlauf einer Corona-Infektion. "Es gibt eine Diskrepanz zwischen der Beschreibung seines Zustands und den Medikamenten, die eingesetzt werden. In den klinischen Versuchen mit Dexamethason, das auch als Recovery bekannt ist, wurde festgestellt, dass es Patienten mit mildem Verlauf nicht hilft, weil es das Immunsystem unterdrückt", so Agus.

Der Präsident twitterte schon wieder Wahlkampfslogans: Von Waffenrecht bis zu den Demokraten waren alle Themen dabei - und alles in Großbuchstaben.

Spekulationen über Trumps Gesundheitszustand
Torsten Teichmann, ARD Washington
05.10.2020 17:10 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 05. Oktober 2020 um 17:11 Uhr.

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