Auto mit US-Präsident Trump vor Militärkrankenhaus | REUTERS

Gruß an Fans aus dem Auto "Wahnsinn" - Kritik an Trumps Ausfahrt

Stand: 05.10.2020 07:09 Uhr

Strenge Quarantäne - das sehen die Empfehlungen für Covid-Patienten vor. Doch US-Präsident Trump setzte sich darüber hinweg und verließ im Auto kurz das Krankenhaus. Ärzte und politische Gegner kritisieren die Ausfahrt.

Trotz seiner Covid-19-Erkrankung hat US-Präsident Donald Trump in einem gepanzerten Fahrzeug kurzzeitig das Krankenhaus verlassen. Winkend grüßte er seine Unterstützer aus einem schwarzen SUV heraus, bevor er in das Krankenhaus zurückkehrte. Trump wird seit Freitag im Walter-Reed-Krankenhaus in Bethesda bei Washington behandelt.

Seine Ausfahrt sorgt nun für Kritik. "Jede einzelne Person im Fahrzeug während dieses völlig unnötigen Vorbeifahrens des Präsidenten muss für 14 Tage unter Quarantäne gestellt werden", sagte Dr. James Phillips, ein Arzt aus dem Militärkrankenhaus. "Sie könnten krank werden. Sie könnten sterben. Wegen politischem Theater." Das sei "Wahnsinn".

Auf den Vordersitzen des Fahrzeugs saßen zwei Personen. Auf Fotos war zu erkennen, dass der Beifahrer ein Plastikvisier über dem Gesicht, eine Atemschutzmaske und einen medizinischen Schutzanzug zu tragen schien. Trump trug lediglich eine Stoffmaske.

Der demokratische Senator Brian Schatz beschuldigt Trump, seine eigenen Sicherheitsleute zu gefährden: "Sie sind sich des mit dem Job verbundenen Risikos bewusst, aber das Risiko sollte nicht von der zu schützenden Person ausgehen."

"Vom medizinischen Team als sicher bewertet"

Der Sprecher des Weißen Hauses, Judd Deere, beschrieb die Autokolonne als "kurze und kurzfristig geplante Fahrt, um seine Anhänger zu grüßen". Trump sei danach schnell in seine Krankenhaussuite zurückgekehrt. Deere erklärte, vor der Fahrt seien "angemessene Vorkehrungen getroffen worden", um den Präsidenten und die ihn unterstützenden Personen zu schützen. "Die Fahrt wurde vom medizinischen Team als sicher bewertet", sagte er.

Gemäß Richtlinien des US-Zentrums für Seuchenschutz und Prävention (CDC) sollte der Transport eines Patienten mit Verdacht auf Sars-CoV-2 oder bestätigter Infektion außerhalb seines Zimmers auf medizinisch notwendige Zwecke beschränkt sein. Patienten, die positiv auf das Virus getestet werden, müssen sich normalerweise 14 Tage in Quarantäne begeben.

Trumps Ärzteteam stellte in Aussicht, dass der US-Präsident möglicherweise bereits heute entlassen werden könnte. Das sagte der Arzt Brian Garibaldi. Die Behandlung könne dann im Weißen Haus fortgesetzt werden. Am Freitagmorgen habe Trump hohes Fieber gehabt. Die Sauerstoffwerte des Präsidenten seien in den vergangenen Tagen zweimal kurz gefallen. Deswegen habe man ihm neben einer weiteren Dosis des Medikaments Remdesivir auch erstmals das entzündungshemmende Steroid-Mittel Dexamethason gegeben, sagte Garibaldi. Inzwischen sei Trump fieberfrei, sagte Sean Dooley, ein weiterer seiner behandelnden Ärzte.

Trump: "Wirklich zur Schule gegangen"

In einer kurzen Botschaft auf Twitter hatte sich Trump zuvor geläutert gezeigt: "Es war eine interessante Reise. Ich habe viel über Covid erfahren." Er sei "wirklich zur Schule gegangen" und verstehe es nun.

Inzwischen werden nach der Infektion des US-Präsidenten immer mehr Ansteckungen in seinem Umfeld bekannt. Auch sein Wahlkampfchef Bill Stepien wurde positiv getestet. Die Erkrankung Trumps führte dazu, dass einen Monat vor der Präsidentenwahl alle persönlichen Auftritte bis auf Weiteres abgesagt werden mussten. Sein Herausforderer Joe Biden hatte nach einem negativen Corona-Test angekündigt, seinen Wahlkampf fortzusetzen. Ob das nächste TV-Duell zwischen Biden und Trump wie geplant stattfinden kann, ist noch unklar.

Kritik an später Einsicht

Der außenpolitische Berater von Biden, Tony Blinken, kritisierte Trumps späte Erkenntnisse über Covid-19 als "niederschmetternd". "Vor 200.000 Toten wäre der richtige Zeitpunkt gewesen, nicht erst, als es Sie betraf", schrieb er auf Twitter. "Wir alle wünschen Ihnen alles Gute, aber wir wünschten uns auch, dass Sie Ihren Job gemacht hätten. Bitte tun Sie es jetzt", schrieb Blinken.

Trump hat in den vergangenen Wochen Massenveranstaltungen abgehalten und noch am Donnerstag zahlreiche Spender getroffen - trotz des Infektionsrisikos. Nun stellt er es so dar, als habe er sich für das Amt aufgeopfert. "Als Anführer muss man Problemen ins Auge sehen."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Oktober 2020 um 09:00 Uhr.