Twitter-Account von Donald Trump | Bildquelle: Twitter Donald Trump Screenshot

Börsenreaktionen auf Trump-Tweets "Covfefe" und die Folgen

Stand: 11.09.2019 23:55 Uhr

Bescheidenheit ist nicht die Sache von US-Präsident Trump. Es dürfte ihn daher freuen, dass seine Tweets nicht nur außenpolitische Folgen haben - sondern auch an der Börse ganz handfeste Beben auslösen können.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Die Formel ist ganz einfach. Und jedem doch sofort klar: Volatilität + Covfefe = Volfefe. Oder anders: Wenn der Präsident zwitschert, spielt die Wall Street verrückt. Die Tweets aus dem Weißen Haus lassen nicht nur die Aktienkurse schwanken, sondern auch die Anleihemärkte.

Wie stark, das zeigt der neue Index der Investmentbank JP Morgan - sie nennen ihn den Volfefe-Index. Und was das ist, erklärt Bloomberg-Finanzexpertin Tracy Alloway auch: "Das geht auf Trumps mysteriöses Twitter-Wort 'Covfefe' zurück. Die JP Morgan-Analyse misst, wie sensibel die Renditen von US-Staatsanleihen auf Trumps Kurznachrichten reagieren."

Was sich anhört wie ein Witz, ist durchaus ernst gemeint, betont die Großbank in einer Erklärung: Die Preisdynamik einer große Zahl von Anlagen richtet sich nach einer Handvoll Tweets des Präsidenten. Der schlägt am liebsten mittags zu, fanden die Analysten heraus. Sie mussten zunächst all die Tausenden von Tweets untersuchen, die Trump seit seiner Wahl im November 2016 abgesetzt hat. Mehr als 4000 davon hat er selbst geschickt.

Die New Yorker Wall Street erlebte am Montag einen rabenschwarzen Tag. | Bildquelle: AP
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Ein Tweet von US-Präsident Donald Trump kann so manchem Broker den Tag gründlich verderben (Archivbild).

Keywords triggern Börsenbewegungen

Trump twittert mit wachsender Begeisterung: Mehr als 20 Kurznachrichten pro Tag setzt er gerade im Durchschnitt ab. Anfang 2017 waren es noch fünf. Doch nicht alle bewegen die Milliarden an den Börsen. Wie JP Morgan jetzt ermittelt hat, brachten 147 präsidiale Tweets die Aktien und Renditen in Bewegung. Im Schnitt einmal pro Woche. Und am Stärksten durch einige Reizwörter des Präsidenten: "China", "Milliarden", "Produkte", "Demokraten" und natürlich "Great".

Aktueller Spitzenreiter ist Trumps Tweet am 1. August: Um knapp halb zwei mittags Ostküstenzeit kündigte der Mann im Weißen Haus per Twitter Zölle auf alle Einfuhren aus China an. Der Tweet schockierte die Märkte. Die Angst ging um: Ein sich verschärfender Handelskrieg könnte die Wirtschaft nach unten drücken.  Der US-Börsenindex S&P 500 war im Sturzflug.

US-Präsident Trump reckt einen Daumen empor | Bildquelle: AP
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Mag es "great" - und das kann Folgen haben. US-Präsident Donald Trump

"Es ist lästig"

Dennoch sei das Ganze nicht überzubewerten, meint der langjährige Händler Arthur Cashin im Sender CNBC: "Wenn der Präsident über die Notenbank twittert, kümmert das keinen am Markt. Solange er nichts über den Handel schreibt. Das stört den Markt."

Und auch die Analysten: "Es ist lästig, dass wir darüber überhaupt reden müssen", meint Karen Finerman von Metropolitan Capital Advisers. Immerhin, es gebe einen Trost, sagt Wall-Street-Analyst Guy Adami: Die Auswirkungen der Trump-Tweets hätten nur eine kurze Halbwertzeit: "Ich denke, seine Tweets haben immer weniger Einfluss auf den Markt. Selbst seine wirkungsvolle Nachricht zu China war nach eineinhalb Tagen Vergangenheit auf dem Parkett."

Volfefe Index: Wie Trumps Tweets die Börse aufmischen
Antje Passenheim, ARD New York
11.09.2019 22:45 Uhr

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