US-Präsident Trump | Bildquelle: REUTERS

Ein Jahr Trump Spaltpilz im Weißen Haus

Stand: 23.12.2017 18:06 Uhr

Seine Unterstützer halten weiterhin fest zu ihm. Eine Mehrheit der Amerikaner ist aber unzufrieden. US-Präsident Trump spaltet die amerikanische Gesellschaft - nach einem Jahr Amtszeit mehr denn je.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Amerika wieder großartig machen - das war das Wahlkampf-Versprechen von US-Präsident Donald Trump. Zumindest aus der Sicht seiner Regierung ist er kräftig dabei. Vizepräsident Mike Pence hat das Lob des Präsidenten zu seiner Aufgabe gemacht: "Ich weiß, ich spreche im Namen des ganzen Kabinetts und von Millionen Amerikanern, wenn ich sage: Herzlichen Glückwunsch und Danke. Danke, dass Sie in diesem Jahr ein Programm verfolgen, das unser Land wirklich wieder aufbaut."

Amerika zuerst - das ist das Leitmotiv. Trump meldete die USA vom Pariser Klimaabkommen ab, stellte das Iran-Atomabkommen in Frage und erkannte Jerusalem als israelische Hauptstadt an. Die größte außenpolitische Krise ist sicherlich Nordkorea: Trump reagierte mit starken Worten und Kriegsdrohungen auf das nordkoreanische Atomprogramm. "Die ganze Welt hat die Nachricht gehört und die Zeichen gesehen", sagte er. "Amerika kommt wieder - kommt wieder stark!"

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Von der langen Liste nur wenig abgehakt

Innenpolitisch ist die Bilanz durchwachsen: Von der langen Liste, die Trump gleich in seinen ersten Tagen im Amt erledigen wollte, ist nur wenig abgehakt. Die versprochene Gesundheitsreform scheiterte, weil sich seine Republikaner nicht auf ein Konzept einigen konnten. Ein Einreisebann für überwiegend muslimische Länder wurde von Gerichten gestoppt. Erfolgreich waren Trump und seine Republikaner, wenn es um die Justiz ging. Sie konnten bereits zahlreiche konservative Richter an Bundesgerichten platzieren.

Bei einer Veranstaltung in St. Charles spricht US-Präsident Trump vor dem Hintergrund geschmückter Weihnachtsbäume über seine geplante Steuerreform. | Bildquelle: dpa
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Trumps Steuerreform - ein Geschenk für alle oder für wenige?

Höhepunkt kurz vor Weihnachten war die große Steuerreform. Besonders Unternehmen profitieren, doch Trump und seine Republikaner versprachen, dass alle etwas davon hätten. Die oppositionellen Demokraten bestritten das. "In diesem Jahr haben Republikaner ganz deutlich gemacht, was sie wollen", erklärte Senatorin Patty Murray. "Sie nehmen von den Leuten, denen Donald Trump angeblich helfen wollte, und geben an Reiche und Interessengruppen."

Lockerer Umgang mit Fakten

Trump spaltet die Amerikaner. Seine Unterstützer halten weiterhin fest zu ihm. Eine Mehrheit der Amerikaner ist aber unzufrieden. Ein Grund dafür ist sein Regierungsstil. Den gestaltet er mit viel Selbstlob, einem lockeren Umgang mit Fakten, regelmäßigem Fischen am rechten, nationalistischen Rand und heftiger Kritik an den etablierten Medien.

Am liebsten nutzt Trump dafür Twitter, ungefiltert. Präsidenten-Historiker James Thurber sagte: "Er ist ein einzigartiger Präsident. Er benutzt Twitter, um direkt mit seiner Basis, den Wählern, zu kommunizieren. Er sagt furchtbare Dinge, retweetet furchtbare Dinge. Er ist überhaupt nicht präsidial, er hat keine Disziplin, wenn er spricht. Das ist ein echtes Problem."

Die erste große Bewährungsprobe für Trump steht im kommenden Herbst an: Bei den Zwischenwahlen werden das Repräsentantenhaus und Teile des Senats neu gewählt. Wenn ein Präsident so schlechte Umfragewerte hat wie Trump gerade, sieht es traditionell für seine Partei schlecht aus. Die oppositionellen Demokraten hoffen auf diesen Effekt. Trumps Anhänger dagegen wünschen sich, dass er diese Tradition überwinden kann.

Das Jahr des Donald Trump – Erfolge und Niederlagen
Jan Bösche, ARD Washington
23.12.2017 17:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Dezember 2017 um 13:25 Uhr.

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