Donald Trump | Bildquelle: AFP

US-Präsidentenwahl Trump räumt Biden-Sieg ein - fast

Stand: 16.11.2020 02:39 Uhr

Auf Twitter schreibt der Noch-Präsident erstmals vom Wahlerfolg seines designierten Nachfolgers. Die Anerkennung der Realität hält allerdings nur kurz an.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Hatte sich Donald Trump vertweeted, war ihm da was durchgerutscht? Oder war das der erste Schritt zum Eingeständnis? Auf jeden Fall hatten die sonntäglichen Talkrunden der Nachrichtenkanäle etwas zu besprechen. Chuck Todd etwa von "NBC" hatte in Trumps Umfeld nachgefragt: "Ist das am nächsten dran an Trumps Eingeständnis, dass Joe Biden gewonnen hat?" Ja, sei dem Sender gesagt worden.

Ganz so einfach war es dann doch nicht. Am Sonntagmorgen hatte Trump zum Smartphone gegriffen und tatsächlich die Wörter "He won", also "Er hat gewonnen" getwittert, aber mit dem Nachsatz: "weil die Wahl manipuliert war". Und bald darauf, offenbar weil ihm die Bedeutung des Satzes aufgegangen, schickte er weitere Tweets hinterher. "Wir werden gewinnen", schrieb er oder: Biden habe allein in den Augen der Lügenpresse gewonnen. Er werde seine Niederlage nicht eingestehen, der Weg sei noch weit, so der Präsident.

John Bolton rückt sich im Weißen Haus seine Brille zurecht. (April 2019) | Bildquelle: REUTERS
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Ex-Sicherheitsbreater John Bolton drängt seine Partei zur Anerkennung der Realiät.

"Eine wichtige Rolle"

Trotzdem: Der Satz war in der Welt. Und sollte Donald Trump vor dem Fernseher gesessen, konnte er verfolgen, wie weitere Republikaner von ihm abrückten. Asa Hutchinson etwa, der Gouverneur des sehr republikanischen Arkansas. Er erwarte, dass Joe Biden der nächste Präsident sei, sagte Hutchinson bei NBC, und es sei gut, dass Präsident Trump das getweeted habe. Das sei der Beginn eines Eingeständnisses.

Hutchinson wagte sogar einen Blick in die Zukunft: Ganz sicher werde Trump noch lange eine wichtige Rolle in der Partei spielen, aber es werde auch eine Debatte darüber geben, in welche Richtung es künftig gehen werde.

"Charaktertest" für die Republikaner

Von einem Charaktertest für die Republikaner sprach auch John Bolton, Trumps früherer Sicherheitsberater. "Es ist sehr wichtig, dass die Spitze der Partei unseren Wählern, die nicht so blöd sind, wie die Demokraten denken, erklärt, dass Trump tatsächlich verloren hat und dass seine Behauptungen vom Wahlbetrug haltlos sind", so Bolton bei "ABC".

In Joe Bidens Lager wurden diese Prozesse eher achselzuckend zur Kenntnis genommen. "Nicht das, was Donald Trump twittert, macht Joe Biden zum Präsidenten oder nicht, die amerikanischen Wähler haben das gemacht", meinte Ron Klain, Bidens künftiger Stabschef bei "NBC".

Corona-Virus breitet sich weiter aus

Trotzdem: den Biden-Leuten läuft die Zeit davon. Zwölf Tage nach der Wahl können sie immer noch nicht anfangen zu arbeiten. Präsident Trump hat sich am Freitag eher allgemein zum Thema Corona-Virus geäußert und  und am Wochenende Zeit auf dem Golfplatz verbracht, während allein am Samstag weitere rund 160.000 Amerikaner als infiziert gemeldet wurden, Tendenz scharf steigend.

Bidens Team würde gerne anfangen, die Verteilung des Impfstoffes vorzubereiten. "Das ist eine nationale Krise, wir müssen parteiübergreifend handelnd, jetzt!", forderte Bidens Stabschef.

Dass Trump weiterhin auf seine Anhänger setzen kann, war am Samstag in Washington zu besichtigen: Tausende zogen fahnenschwenkend durch die Hauptstadt, um den Präsidenten zu unterstützen.

Trump räumt Bidens Sieg (nicht) ein
Katrin Brand, ARD Washington
16.11.2020 06:46 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 16. November 2020 um 06:12 Uhr.

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