Donald und Melania Trump | Bildquelle: AFP

Angebliche Soldaten-Beleidigung Melania Trump verteidigt ihren Mann

Stand: 05.09.2020 16:37 Uhr

"Trottel und Verlierer" - US-Präsident Trumps angebliche Äußerungen über gefallene Soldaten des Ersten Weltkriegs sorgen für Empörung. Der Druck ist so groß, dass selbst die First Lady das Wort ergreift.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

"Ich würde auf alles schwören, dass ich nichts dergleichen über unsere gefallenen Helden gesagt habe." Donald Trump wehrt sich, denn die Vorwürfe eines Artikels im Magazin "The Atlantic" haben eingeschlagen wie eine Bombe.

Der Präsident habe gefallene amerikanische Soldaten des Ersten Weltkrieges "Loser" und "Sucker" genannt, also Verlierer und Trottel. Stimmt nicht, sagt Trump. Frei erfunden.

Soldatenfriedhof Belleau in Frankreich | Bildquelle: AFP
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Soldatenfriedhof Belleau in Frankreich

 Trump habe Sorge um sein Haar gehabt

"The Atlantic" bleibt bei seiner Darstellung: Vor zwei Jahren in Frankreich sagte Trump einen Besuch auf einem amerikanischen Soldatenfriedhof kurzfristig ab. Es regnete stark, und offiziell konnte der Hubschrauber nicht starten. Das stimme nicht, sagt Chefredakteur Jeffrey Goldberg und beruft sich auf vier anonyme Zeugen.

Trump habe keine Lust gehabt, habe gefragt, was er da solle. Der Friedhof sei doch voller Verlierer. Und die 1800 Marineinfanteristen, die bei der Schlacht von Belleau Wood gefallen waren und dort begraben liegen, seien Trottel gewesen.

Und Trump habe die Sorge gehabt, dass der heftige Regen seine Haare durcheinander bringen könnte.

Joe Biden | Bildquelle: AP
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Harsche Kritik kam von Trumps Rivalen im US-Präsidentschaftswahlkampf, Joe Biden.

"Wie würdest du dich fühlen?"

Die politischen Reaktionen: abwartendes Schweigen bei Republikanern, vor allem Empörung von demokratischer Seite. "Wie würdest du dich fühlen, wenn du gerade ein Kind in Afghanistan hättest? Wie würdest du dich fühlen, wenn du einen Sohn, eine Tochter, deinen Mann, deine Frau verloren hättest?", so Joe Biden, der Präsidentschaftskandidat der Demokraten.

Sollte Trump gefallene US-Soldaten tatsächlich als "Verlierer" und "Trottel" bezeichnet haben, wäre dies "widerlich", sagte Biden bei einer Pressekonferenz. Es sei "krank, erbärmlich, so unamerikanisch, so unpatriotisch. Es bestätige, "was die meisten von uns als wahr ansehen: Donald Trump ist nicht geeignet, der Präsident und der Oberbefehlshaber der Streitkräfte zu sein". Biden betonte, sein 2015 an einem Hirntumor gestorbener Sohn Beau sei kein "Trottel" gewesen, als er als Freiwilliger im Irak-Krieg gedient habe. "Die Soldaten und Soldatinnen, die mit ihm gedient haben - vor allem jene, die nicht zurückgekommen sind - waren keine Verlierer."

Und in die gleiche Kerbe schlagen erste Wahlwerbespots zum Thema: "Mein Sohn Mathew ist kein Loser", sagt ein Mann in einem. "Was weiß der über Patrioten? Ich sage, was ein Patriot ist: Mein Vater kam in Vietnam ums Leben."

 Selbst Melania sagt etwas dazu

Regierungssprecherin Kayleigh McEnany sagt, sie habe zehn Zeugen, dass Trump nichts dergleichen gesagt habe. Der Druck ist so groß, dass sich sogar First Lady Melania Trump eingeschaltet hat, die sich sonst nicht zu tagesaktuelle Fragen äußert.

Die Vorwürfe gegen ihren Mann seien nicht wahr. "Es sind sehr gefährliche Zeiten, wenn anonymen Quellen mehr geglaubt wird als allem anderen und niemand deren Motivation kennt. Das ist kein Journalismus - das ist Aktivismus."

Allerdings hat auch eine Reporterin des Nachrichtensenders Fox News, der in der Regel fest hinter Trump steht, Teile der Vorwürfe bestätigt. Trump soll nach Medienberichten ihre Entlassung gefordert haben.

Verlierer und Trottel - Trump wegen Beleidigung von Soldaten unter Druck
Arthur Landwehr, ARD Washington
05.09.2020 15:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 05. September 2020 um 18:30 Uhr im Echo des Tages.

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